confortable."
"Gute Tafel, mein Herr?" fragte der Marquis, "nun die wird auch da sein, ich denke mir, man speist wohl nach der Charte? Aber meine Herren, was sagen Sie dazu, wenn wir uns zur Unterhaltung gegenseitig etwas aus unserem Leben erzählen wollten? Ich höre so gerne interessante Abenteuer, und Baron Garnmakker hat deren wohl so viele erlebt als Mylord?"
"God damn! das war ein vernünftiger Einfall, mein Herr", sagte der Engländer, indem er mit der Reitgerte auf den Tisch schlug, die Füsse von dem Stuhl herabzog, und sich mit vieler Würde in dem Fauteuil zurechtsetzte; "noch ein Glas Rum, Marqueur!"
"Ich stimme bei", rief der Deutsche, "und mache Ihnen über Ihren glücklichen Gedanken mein Kompliment, Herr von Lasulot. – Eine Flasche Rheinwein, Kellner! – Wer soll beginnen, zu erzählen?"
"Ich denke, wir lassen dies das Los entscheiden", antwortete Lord Foterhill, "und ich wette fünf Pfund, der Marquis muss beginnen."
"angenommen, mein Herr", sagte mit angenehmem Lächeln der Franzose; "machen Sie die Lose, Herr Baron, und lassen Sie uns ziehen, Nummer zwei soll beginnen."
Baron Garnmacher stand auf und machte die Lose zurecht liess, ziehen und die zweite Nummer fiel auf ihn selbst.
Ich sah den Franzosen dem Lord einen bedeutenden Wink zuwerfen, indem er das linke Auge zugedrückt, mit dem rechten auf den Deutschen hinüberdeutete; ich übersetzte mir diesen Wink so: "geben Sie einmal acht, Mylord, was wohl unser ehrlicher Deutscher vorbringen mag. Denn wir beide sind schon durch den Rang unserer Nationen weit über ihn erhaben."
Baron von Garnmacher schien aber den Wink nicht zu beachten; mit grosser Selbstgefälligkeit trank er ein Glas seines Rheinweins, wischte in der Eile den Stutzbart mit dem Rockärmel ab und begann:
Neunzehntes Kapitel
geschichte des deutschen Stutzers
"Als mein Grossvater, der kaiserlich-königlich –"
"Ich bitte Sie, mein Herr", unterbrach ihn der Incroyable, "schenken Sie uns den Grosspapa, und fangen Sie gleich bei Ihrem Vater an; was war er?"
"Nun ja, wenn es Ihnen so lieber ist, aber ich hätte mich gerne bei dem Glanz unserer Familie länger verweilt; mein Vater lebte in Dresden auf einem ziemlich grossen Fuss –"
"Was war er denn, der Herr Papa? Sie verzeihen, wenn ich etwas zu neugierig erscheine, aber zu einer geschichte gehört Genauigkeit."
"Mein Vater", fuhr der Stutzer etwas missmutig fort, "war Kleiderfabrikant en gros –"
"Wie", fragte der Lord, "was ist Kleiderfabrikant? Kann man in Deutschland Kleider in Fabriken machen?"
"Hol mich der Teufel, wie er schon getan!" rief der Stutzer unwillig, und stiess das Glas auf den Tisch; "das ist nicht die Art, wie man seine Biographie erzählen kann, wenn man alle Augenblicke von kritischen Untersuchungen unterbrochen wird; mein Vater hatte ein Haus am Alt-Markt, darin hatte er ein Atelier und hielt Arbeiter, welche Kleider für die Leute machten!"
"Mon dieu, also war es, was wir tailleur nennen? ein Schneider?"
"Nun in Gottes Namen! nennen Sie es, wie Sie wollen, kurz, er hatte die Welt gesehen, machte ein Haus, und wenn er auch nicht den Adel und die ersten Bürger in seinen Soirées sah, so war doch ein gewisser guter Ton, ein gewisser Anstand, ein gewisses, ich weiss nicht was, kurz es war ein ganz anständiger Mann, mein Papa."
Mich selbst erfasste der Lachkitzel, als ich den garçon tailleur so perorieren hörte, doch fasste ich mich, um den Marqueur nicht aus der Rolle fallen zu lassen. Der Marquis aber hatte sich zurückgelehnt und wollte sich ausschütten vor lachen, der Engländer sah den Stutzer forschend an, unterdrückte ein Lächeln, das seiner Würde schaden konnte und trank Rum; der deutsche Baron aber fuhr fort:
"Sie hätten mich, meine Herren, auf der Oberwelt in Daumenschrauben pressen können und ich hätte meine Maske nicht vor Ihnen abgenommen. Hier ist es ein ganz anderes Ding; wer kümmert sich an diesem schlechten Ort um den ehemaligen Baron von Garnmacher? Darum verletzt mich auch Ihr lachen nicht im geringsten, im Gegenteil, es macht mir Vergnügen, Sie zu unterhalten!"
"Ah! ce noble trait!" rief der Incroyable und wischte sich die Tränen aus dem Auge, "reichen Sie mir die Hand, und lassen Sie uns Freunde bleiben. Was geht es mich an, ob Ihr Vater duc oder tailleur war. Erzählen Sie immer weiter, Sie machen es gar zu hübsch."
"Ich genoss eine gute Erziehung, denn meine Mutter wollte mich durchaus zum Teologen machen, und weil dieser Stand in meinem Vaterland der eigentlich privilegierte Gelehrtenstand ist, so wurde mir in meinem siebenten Jahre mensa, in meinem achten amo, in meinem zehnten τυπτω, in meinem zwölften pacat eingebleut. Sie können sich denken, dass ich bei dieser ungemeinen Gelehrsamkeit keine gar angenehmen Tage hatte; ich hatte, was man einen harten Kopf nennt; das heisst, ich ging lieber aufs Feld, hörte die Vögel singen, oder sah die Fische den Fluss hinabgleiten; sprang lieber mit meinen Kameraden, als dass ich mich oben in der