Der celtische Himmel aus Wolken und der jetzige aus Welten wären uns nur in der Grösse verschieden, ja der griechische sei besser, der die schattige träumerische Unterwelt einnehme.
Ernst versetzte mystisch, es gäbe ein absolutes Oben, welches im Siege über die Schwerkraft, in der Freiheit bestehe, und das die Flammen und die Wurzelkeime auf dem Avers und Revers unserer Kugel suchen. – Gegen meinen Unglauben an eine zweite Verkörperung und Menschwerdung fragt' er: ob das erkennen und das sittliche Handeln ohne irgendeine möglich sei – – "Bei endlichen Wesen meinen Sie ohnehin," setzt' ich dazu; "denn vom unendlichen ist es gewiss"- und wenn das künftig sein könnte, warum man denn überhaupt die erste hiesige umbekommen? Aber das völlige Ausscheiden aus unserer Körperwelt sei undenkbar, insofern der Tod es vollführen solle, der sie ja, wie der Schlaf und die Ohnmacht, nicht dadurch für den Geist aufhebe, dass er sie verändere; und wenn einmal das Gehirn eine Tastatur des Geistes war, so behalte er doch nach dessen Zersetzung noch die Körper übrig, wodurch und worin dasselbe zersetzt geworden; zumal da keine Kraft im Universum zu verlieren sei. – "Das Universum ist der Körper unsers Körpers," fuhr er fort, "aber kann nicht unser Körper wieder die Hülle einer Hülle sein und so fort? Für die Phantasie wird es fasslicher, wenn man ihr es auszumalen gibt, dass, da jede mikroskopische Vergrösserung eine wahre, nur aber zu kleine ist29, unser Leib ein wandelnder organischer Kolossus und Weltbau ist; ein Weltgebäude voll rinnender Blutkugeln, voll elektrischer, magnetischer und galvanischer Ströme, ein Universum, dessen Universalgeist und Gott das Ich ist. Aber wie die Schmetterlingpsyche eine Haut nach der andern absprengt, die Ei-Haut, die vielen Raupen-Häute, die Puppenhaut, und endlich doch mit dem schön bemalten Papillonkörper vorbricht: so kann ja unsere Psyche den muskulösen, dann den nervösen Überzug durchreissen und doch mit äterischem glänzenden Gefieder steigen. Schon hier bereiten ihr oft Bergluft, Getränke, Krankheit ein dünneres Element, worin sie leichter und mit den aufgehobenen Flügeln halb ausser der Welle flatternd schwimmt; wie muss sie nicht erst im hohen Äter, im leichten weissen Brautkleide des zweiten Lebens, fliegen und eilen?" –
Aus der Wirklichkeit war freilich gegen diese Möglichkeit, den goldnen Widerschein derselben, nichts zu schliessen. Dabei hatte der feurige Jüngling nach Landesart der Schwärmer Einwürfe verschiedener Gattung wie ausländische Truppen in eine Linie gestellt. Ich macht' es nachher nicht besser, als ich triplizierte. Aber er liess mich noch nicht dazu kommen; sondern trug erst diese Möglichkeit gar nach: "Wir kennen nur die äussersten Überzieh-Kleider der Seele, aber nicht ihr letztes und nächstes, ihr Hemde. Unter allen Erscheinungen von Verstorbenen sind z.B. die von eben Verstorbenen oder von Sterbenden am schwersten rein abzuleugnen; die unzähligen Toten der Jahrtausende verhüllen sich uns, aber der Tote der Stunde trägt gleichsam noch Erdenstaub genug an sich, um damit noch einmal im Sonnenstrahl des Lebens vor einem geliebten Auge zu spielen."
Ich wollte beinahe entgegensetzen, warum uns keine verstorbne Tierseelen erschienen, und dass die Erscheinung bloss verwandter Sterbenden und Gestorbenen ja deutlich ihre Ursache und Erklärung, nämlich die Täuschung der Liebe und Furcht ansage, aber ich unterliess den Zweifel; über Geistererscheinungen wurde ohnehin bisher noch nicht mit rechter Religion und Freiheit zugleich geurteilt, und am wenigsten können gegen sie, so wie gegen den tierischen Magnetismus, negative Erfahrungen entscheiden, die eben darum gar keine sind. Mich besticht jeder Gebildete, der Geistererscheinungen glaubt, weil er mich an die religiösere deutsche Zeit erinnert, wo man sie ebenso fest glaubte als aushielt. Ich triplizierte aber nun auf alles vorige: man nehme das Körperkleid so fein gewoben an, als man wolle, so verhalte sichs doch zum Ich wie der unorganisierte Rock zum organischen leib; ein einziger irdischer Nerve sei aber schon der Sperrstrick vor der andern Welt, und ein einziges Erdstäubchen ziehe die ganze Erde, unser ganzes irdisches Treiben nach sich; das Leben nach dem tod sei dann eines vor demselben und der Gestorbene vom Lebenden nur dadurch verschieden, dass er hinter dem Alter alt und aus dem Neunziger ein Millionär werde; wir hiesige Nacht-Raupen verwandeln uns dann nicht in Schmetterlinge, sondern in Tag-Raupen und fressen und kriechen dann bloss im Sonnenschein. "Aber", fuhr ich im Entusiasmus fort, "was wir begehren, und was allein zu beweisen ist, das muss etwas anderes sein; die Welt des moralischen Herzens klingt, wie ein Ton, unsichtbar und zum Wehen unwirksam in der groben der Sinnen;- will denn unsere Liebe, unsere Freude, unsere Gottes-Ahnung etwas, was auf einer harten Körper-Welt, sei es auch die schönste, erscheinen kann? Die schönste, die ich in dieser Art kenne, ist die der Phantasie, dieser rechten Weltschöpferin; und doch muss eben diese allgewaltige Weltseele alle ihre Weltkugeln, damit sie Zauberlicht gewinnen, mit der Morgenröte und Milchstrasse der künftigen Unendlichkeit ahnend umziehen. Wie die Geister-Furcht sich vor wahnsinnigen neuen Schmerzen entsetzt, die nicht vor dem Einflusse, sondern vor der blossen Gegenwart des Gegenstandes beben und die uns gar keine Gestalt dieses Mittaglebens machen oder heilen könnte: so gibt es auch eine Geister-Hoffnung und Geister-Liebe, die nicht Wirkungen, sondern Dasein der Wesen begehrt, und welche keiner irdischen Freude abborgt, sondern