in Parteien geteilt sei, die einander mit dem unverdrossensten Eifer entgegen wirken. Besonders ist in der Demokratie der Wille des Souveräns nicht nur an sich launisch und veränderlich, sondern er wird noch durch die vielerlei Sinne der vielen Köpfe, die ihn bearbeiten, so stark hin und her gerüttelt, so oft aufgehalten, unschlüssig gemacht und in Widerspruch mit sich selbst gesetzt, dass meistens die Zeit der Ausführung schon vorüber ist, bevor man in der Volksversammlung zu einem Beschluss kommen konnte. Ist dieser endlich gefasst, so gehen nun die Hindernisse der Vollziehung an. Keiner der Demagogen, die einander die Regierung des sich selbst zu regieren unvermögenden Souveräns streitig machen, gönnt einem andern als sich selbst die Ehre und die Belohnungen einer gelungenen Unternehmung. Jeder, der entweder einer andern Meinung war, oder bei dem Beschlossenen seine Rechnung nicht findet, bietet alle seine Kräfte auf, die Ausführung zu hintertreiben, oder misslingen zu machen; von allen Seiten nichts als Schwierigkeiten, Fussangeln und Fallgruben; nirgends eine sichre Rechnung auf den guten Willen, den Gehorsam, den Eifer und die Wachsamkeit der Untergeordneten, wovon doch am Ende alles abhängt. dafür geht es denn auch in den Republiken, zumal in denen, wo das Volk zugleich sein eigner Souverän und Untertan ist, gewöhnlich und wenige seltne Fälle ausgenommen, so zu – wie der allgemeine Augenschein zeigt. Von jeher blieb einem volk, um fürs erste immer selbst recht zu wissen was es wolle, und es dann wirklich ausgeführt zu sehen, kein anderes Mittel, als seine höchste Gewalt einem Einzigen zu übertragen, und ihm eben dadurch unbeschränkte Vollmacht zu geben, alles zu tun was er zu Vollziehung des allgemeinen Willens, oder (was eben dasselbe ist) zu Erzielung der Sicherheit und Wohlfahrt des staates, für notwendig und dienlich erkennen würde. Ich konnte leicht merken, dass ich mich der Gesellschaft durch diese Rede nicht sonderlich empfohlen hatte. Da es aber den meisten bekannt war, dass ich ein Ausländer sei, der sich nur kurze Zeit zu Syrakus aufzuhalten gedenke und bei dem sogenannten Tyrannen nichts zu suchen habe, liess ich mich durch das Vorurteil, das einige vielleicht gegen mich fassen mochten, nicht abschrecken, meine Meinung über die Gegenstände, die der Verfolg des Gesprächs herbeiführte, so freimütig zu sagen, als es sich in einer Gesellschaft ziemte, die aus lauter erklärten Freunden der Freiheit zu bestehen schien. Einer von den lebhaftesten hatte sich den Ausdruck entwischen lassen: man müsste zum Sklaven geboren sein, um die herrschaft eines Einzigen, der sich mit Gewalt eingedrungen, geduldig zu ertragen. – Aber wie, sagte ich, wenn ihr selbst ihm die herrschaft, um eurer eigenen Sicherheit und Ruhe willen, von freien Stücken auftrüget? Es wäre wenigstens so viel damit gewonnen, dass ihr nicht nötig hättet, einen Fürsten, unter dessen Regierung der Staat augenscheinlich immer blühender, mächtiger und reicher wird, mit dem verhassten Namen eines Tyrannen zu belegen. – Wie? versetzte jener hitzig; der müsste ein dreifacher Sklave sein, der sich freiwillig einen Herrn geben wollte! – Ich sehe wohl, erwiderte ich mit grosser Gelassenheit, warum du dich so eifrig gegen meinen Vorschlag erklärst. Aber es gibt Mittel gegen alles. Man könnte ihn ja durch eine Grundverfassung, einen von ihm unabhängigen Senat, oder (wie die Spartaner) durch Aufseher einschränken, und sich dadurch gegen jeden Missbrauch der höchsten Gewalt sicher stellen? – Ein Volk, sagte mein feuervoller Gegner, das nicht im stand ist ohne einen Herrn zu leben, wird eben so wenig vermögend sein, seiner Macht grenzen zu setzen, oder sie in denjenigen zurückzuhalten, die er sich vielleicht anfangs aus Politik gefallen zu lassen scheinen wird. – Und was wird das Schlimmste sein, das daraus erfolgen möchte? fragte ich, vielleicht mit einer etwas Attischen Miene, die ich mir (wie ich besorge) unter den Cekropiden unvermerkt angewöhnt habe. – Welche Frage! rief mein Gegenkämpfer halb entrüstet; ist denn irgend etwas Böses und Schändliches, irgend eine ungerechte, gottlose, ungeheure Tat, die ein Mensch, der alles kann was er will, nicht zu begehen fähig wäre? – "Fähig wäre? das geb' ich zu; aber dass er ein so unsinniger Tor sein wird, alles Böse wirklich zu tun, dessen er fähig ist, Böses ohne alle Not oder Herausforderung, bloss um das Vergnügen zu haben Böses zu tun; daran zweifle ich sehr. Einen Wahnsinnigen, ein reissendes Tier, oder einen unter Verbrechen und Schandtaten grau gewordenen Bösewicht, wollen wir freilich nicht zum Hirten des volkes bestellen." Bei einem Menschen, der alles kann (versetzte jener etwas kälter, weil er sich im Vorteil zu sehen glaubte) bedarf es nur einer einzigen leidenschaft, die ihn überwältigt, um ihn, wenn er vorher auch ein Mensch wie andere war, zu allem was du sagtest, zu einem Wahnsinnigen, zu einem Tiger, zu einem Bösewicht der vor keinem Verbrechen erschrickt, zu machen. – Ich bin in die Enge getrieben, erwiderte ich; du hättest die grossen Vorzüge der Demokratie vor der Alleinherrschaft in kein stärkeres Licht setzen können. Um vor allen Gefahren dieser Art sicher zu sein, gibt es also wohl kein besseres Mittel, als dass ein Volk sich selbst regiere? Niemand ist dazu geschickter, und nichts war wohl von jeher unerhörter, als dass eine souveräne Volksversammlung etwas Unbesonnenes oder Ungerechtes beschlossen, oder die Macht, alles zu können was sie will,