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, hiess E s c o b a r . Der Mann hatte ganz das Ansehen eines Vorsitzenden. Der andere, beinahe noch verschrumpfter und schmutziger, war der ehrwürdige Pater L e s s a u . Der dritte aber, an der Spitze einer Somme de pechés, nannte sich Pater B a u n y , und war von einem ziemlich manierlichen Ansehn. Auch fiel sein Korduanband mit goldenem Schnitte Klärchen am meisten in die Augen; denn sie setzte sich mit ihm, sobald er abgestäubt war, mir gegen über auf einen Stuhl.

"Kannten Sie diese gelehrten Männer schon vorher?" fragte ich, indem wir beide ihre Schriften vorläufig überblätterten. – "Es ist zwar," antwortete sie, "das erstemal, dass ich mit ihnen zu tun habe; aber übrigens sind sie mir schon längst als die ersten Stützen unserer geheiligten Religion bekannt; der Herr Propst führt ihre Namen immer im mund, und beruft sich in streitigen Fällen meistens auf sie." – "Nun das ist ja recht gut," versetzte ich: "da haben Sie doch endlich Ihren Willen, und können Sich so gut über Ihre Zweifel belehren, als wenn Sie Ihren Gewissensrat selbst sprächen!" – "Das denke ich auch," antwortete Klärchen kurz abgebrochen, weil sie sich eben mit einer Stelle beschäftigte, auf die sie sehr nachdenkende Augen heftete. – "Haben Sie etwas Sachdienliches gefunden, liebes Kind?" fragte ich neugierig, indem ich selbst in meinem buch auf eine ihrer Bedenklichkeiten stiess, die ich einstweilen zeichnete. – "Ich habe wohl so etwas," dehnte sie, "über die nahe gelegenheitaber" ... "Nun das trifft sich recht gut," rief ich dazwischen: "auch ich habe darüber eine Erläuterung in dem E s c o b a r gefunden, die mir ganz neu ist." – "Nur ärgert es mich," fuhr sie in ihrer Rede fort, "dass mir eben da, wo ich am liebsten fortlesen möchte, eine dumme lateinische Zeile in die Quere kommt." – "Wollen Sie mir wohl Ihren Fund mitteilen, Klärchen?" – "On doit," las sie laut und ohne Anstoss, "absoudre une femme, qui a chez elle un homme avec qui elle peche souvent, si non po" – – – "geben Sie nur her, Kind," unterbrach ich ihr Stottern, "ich will sehen was es ist." – "Sie reichte mir das Buch, und nun las ich mit ziemlicher Verlegenheit, und war froh, dass sie kein Latein verstand: si non potest ejicere aut habet aliquam causam retinendi. – Sie haben wohl Recht, Klärchen, es ist eine dumme Zeile." – "Nun, mein Herr," sah sie mir fragend in das Gesicht, "unter was für einer Bedingung gilt das Souvent?" – "O!" antwortete ich, "hier ist eine vorausgesetzt, die auf uns gar nicht passtUrteilen Sie selbst: Si non potest und so weiterdas heisst: Wenn sie den Herrn nicht zur stube hinaus werfen kann, oder sonst eine Ursache hat, ihn bei sich zu behalten." – "Da ist ja gar kein Verstand darin," sagte Klärchen. – "Beinahe," antwortete ich: "aber nehmen Sie desswegen das Buch nur wieder! Einige Seiten weiter werden Sie die Frage schon deutlicher aus einander gesetzt finden, wenn Escobar, wie wir bald sehen wollen, richtig citiert hat. Horchen Sie recht auf: On n'appelle pas occasion prochaine celle, l'on ne peche que rarement, comme de pecher par un transport soudain avec celle ou celui, avec qui on demeure trois ou quatre fois par an, ou selon Bauny pag. 1802. Schlagen Sie doch einmal nach, Klärchen! une ou deux fois par semaine" – "Die Pagina trifft zu," sagte Klärchen, und reichte mir zugleich das Buch wieder hin. Ich hielt es neben das meinige, verglich die Parallelstellen, und freute mich laut über das freundschaftliche Einverständnis zweier so berühmter Schriftsteller in einer so wichtigen Sache. – "Ist das nicht," wendete ich mich an das Mädchen, "so ganz unser Fall, liebe Kleine? als wenn ihn die Herren hundert Jahre voraus gesehen, und Ihnen die eigenen Worte Ihres Gewissenszweifels aus dem mund genommen hätten? Die süsse Beruhigung abgerechnet," fuhr ich fort, "die Ihnen diese Beweisstelle verschafft, so freue ich mich auch besonders über den kurzen und deutlichen Begriff, den sie mir nebenbei über mein Näherrecht gibt." – "über Ihr Näherrecht?" fragte Klärchen. – "Jawohl," antwortete ich: "das liegt ganz in den Worten, avec qui on demeureune ou deux fois par semaine. Und ohne eins in das andere zu reden, meine schöne Nachbarin, will ich mir doch, da es eben die gelegenheit gibt, Ihren guten Rat in Ansehung meines Quartiers erbitten, das mir immer je länger je besser gefällt. Sie wissen, ich habe es nur auf einen monat gemietet; was meinen Sie, würde mir es Ihre gute Tante nicht eben so gern auf ein Jahr zusagen, wenn ich es voraus bezahlte?" – "Das kann ich Ihnen in der Tat nicht mit Gewissheit sagen," antwortete mir Klärchen mit einer solchen liebenswürdigen Unbefangenheit, dass