Abderiten, wenn man ihn nach der Ursache oder dem Ursprung einer Sache fragte; und wer sich daran nicht ersättigen wollte, wurde für einen stumpfen Kopf angesehen.
"Was ihr Welt nennt, sagte der Vierte, ist eigentlich eine ewige Reihe von Welten, die, wie die Häute einer Zwiebel, über einander liegen, und sich nach und nach ablösen."
Sehr deutlich gegeben, riefen die Abderiten, sehr deutlich! Sie glaubten den Philosophen verstanden zu haben, weil sie sehr gut wussten, was eine Zwiebel war.
"Schimäre! sprach der Fünfte. Es gibt freilich unzählige Welten; aber sie entstehen aus der ungefähren Bewegung unteilbarer Sonnenstäubchen, und es ist viel Glück, wenn, nach zehntausendmal tausend übelgeratenen, endlich eine herauskömmt, die noch so leidlich vernünftig aussieht wie die unsrige."
"Atomen geb' ich zu, sprach der Sechste; aber keine Bewegung von Ungefähr und ohne Richtung. Die Atomen sind nichts, oder sie haben bestimmte Kräfte und Eigenschaften, und, je nachdem sie einander ähnlich oder unähnlich sind, ziehen sie einander an, oder stossen sich zurücke. Daher machte der weise Empedokles (der Mann, der, um die wahre Beschaffenheit des Aetna zu erkundigen, sich weislich mitten in den Crater desselben hineingestürzt haben soll,) Hass und Liebe zu den ersten Ursachen aller Zusammensetzungen; und Empedokles hat Recht."
"Um Vergebung, meine Herren, ihr habt alle Unrecht, sprach der Philosoph Sisamis. In Ewigkeit wird weder aus euerm mystischen Ei, noch aus euerm Bündnis zwischen Feuer und wasser, noch aus euern Atomen, noch aus euern Homöomerien, eine Welt herauskommen, wenn ihr keinen Geist zu hülfe nehmt. Die Welt ist, wie jedes andre Tier, eine Zusammensetzung von Materie und Geist. Der Geist ist es, der dem Stoffe Form gibt; beide sind von Ewigkeit her vereinigt; und, so wie einzelne Körper aufgelöst werden, sobald der Geist, der ihre Teile zusammenhielt, sich zurückzieht, so würde, wenn der allgemeine Weltgeist aufhören könnte das Ganze zu umfassen und zu beleben, Himmel und Erde im nämlichen Augenblick in einen einzigen, ungeheuren, gestaltlosen, finstern und toten Klumpen zusammenfallen."
Davor wolle Jupiter und Latona sein! riefen die Abderiten, nicht ohne sich zu entsetzen, wie sie den Mann eine so fürchterliche Drohung ausstossen hörten. Es hat keine Gefahr, sagte der Priester Strobylus; so lange wir die Frösche der Latona in unsern Mauern haben, soll es der Weltgeist des Sisamis wohl bleiben lassen, solchen Unfug in der Welt anzurichten.
"Meine Freunde, sprach der Achte, der Weltgeist des weisen Sisamis ist mit den Atomen, Homöomerien, Zwiebeln und Eiern meiner Collegen von gleichem Schlage. Einen Demiurg müssen wir annehmen, wenn wir eine Welt haben wollen: denn ein Gebäude setzt einen Baumeister oder wenigstens einen Zimmermeister voraus; und nichts macht sich von sich selbst, wie wir alle wissen."
Aber man spricht doch alle Tage: Dies wird von sich selbst kommen, von sich selbst gehen – sagten die Abderiten.
"Man spricht wohl so, antwortete der Philosoph: allein, wo habt ihr jemals gesehen, dass es wirklich so erfolgt wäre? Ich habe freilich unsre Archonten wohl tausendmal sagen hören: es wird sich schon geben; es wird schon kommen! dies oder jenes wird sich schon machen! Aber wir hatten gut warten! Es gab sich nicht, kam nicht, und machte sich nicht."
Nur allzuwahr, was die Werke unsrer Archonten betrifft; (sagte ein alter Schuhflicker, der für einen Mann von Einsicht beim volk galt, und grosse Hoffnung hatte, bei der nächsten Wahl Zunftmeister zu werden;) aber mit den Werken der natur, wie die Welt ist, mag es doch wohl anders bewandt sein. Warum sollte die Welt nicht eben so gut aus dem Chaos hervorwachsen können, wie ein Pilz aus der Erde wächst?
"Meister Pfrieme, versetzte der Philosoph, zum Zunftmeister soll er meine und aller meiner Vettern stimme haben; aber keine Einwürfe gegen mein System, wenn ich bitten darf! Die Pilze wachsen freilich von selbst aus der Erde hervor, weil – weil – weil sie Pilze sind; aber eine Welt wächst nicht von selbst, weil sie kein Pilz ist; versteht Er mich nun, Meister Pfrieme?"
Alle Anwesende lachten von Herzen, dass Meister Pfrieme so abgeführt war. "Die Welt ist kein Pilz; dies ist klar wie Taglicht, riefen die Abderiten; da ist nichts einzuwenden, Meister Pfrieme!" –
Verzweifelt! murmelte der künftige Zunftmeister; aber so geht es, wenn man sich mit den Herren abgibt, welche beweisen können, dass der Schnee weiss ist.
"Schwarz ist, wolltet ihr sagen, Nachbar."
Ich weiss, was ich gesagt habe, und was ich sagen wollte, antwortete Meister Pfrieme; und ich wünsche nur, dass die Republik –
"Vergess' Er die vierzehn Stimmen nicht, die ich Ihm verschaffe, Meister Pfrieme!" rief der Philosoph. –
Wohl, wohl! alles wohl! Aber Demiurg – das klingt mir bald so wie Demagog; und ich will weder Demagogen noch Demiurgen haben; ich bin für die Freiheit, und wer ein guter Abderite ist, der schwinge seinen Hut und folge mir!
Und hiemit ging Meister Pfrieme davon, (denn der Leser merkt von selbst, dass alles dies in einer Halle von Abdera gesprochen wurde;) und einige müssige Tölpel