1772_Wieland_107_49.txt

, ganz und gar müssig zu sein. Gleichwohl war auch in diesem Falle die Last sie zu füttern keine Kleinigkeit. Denn man rechnete zu Sultan Azors zeiten über zwölfmal hunderttausend Ya-faou, und sie waren überhaupt Leute von vortrefflichem Appetit. – – Es ist etwas Unbegreifliches, dass diese Nachahmer des Affen zu gleicher Zeit der Gegenstand der lebhaftesten Ehrfurcht und der öffentlichsten Verachtung waren. Man trug sich mit einer unendlichen Menge lächerlicher Erzählungen in Prose und Versen, worin man sich mit ihren Sitten und selbst mit ihrem stand die grössten Freiheiten nahm; man sprach und schrieb und sang auf öffentlicher Strasse von ihnen als von dem verworfensten Auskehricht des menschlichen Geschlechtes; man beschuldigte sie ungescheut aller Übeltaten, wozu ihre herumschweifende Lebensart ihnen selbst gelegenheit und ihren Feinden Vorwand gab. Kurz, derjenige würde lächerlich geworden sein, der in guter Gesellschaft ihren Namen mit dem geringsten Zeichen von achtung ausgesprochen hätte; und alles dies zu eben der Zeit, da noch eine Menge von Leuten den Staub für heilig ansahen, in welchen ein Ya-faou seine Füsse gesetzt hatte; da das gemeine Volk sich mit sklavischer Folgsamkeit in allen seinen Geschäften von ihnen regieren liess, und viele nichts Angelegneres hatten, als dafür zu sorgen, dass alles, was von ihrem Vermögen nicht schon bei ihren Lebzeiten von diesen würdigen Leuten aufgegessen worden war, ihnen wenigstens nach ihrem tod nicht entgehen möchte.

Ich kann nicht umhin" (fährt Danischmend fort) "'noch einer Gattung von privilegierten Müssiggängern zu erwähnen, deren Institut, so seltsam es auch beim ersten Anblicke scheint, aus einem gewissen Gesichtspunkt betrachtet, etwas Gemeinnütziges hatte, wodurch es sich über die übrigen Gattungen der Yafaou erhob. Man nannte sie scherzweise die Fruchtbringenden; allein sie selbst legten sich, wegen der Unabhänglichkeit, von welcher sie Profession machten, den stolzen Namen Kamfalu, Könige der Meinungen, bei. Ungeachtet ein altes Vorurteil ihnen einen teil der Vorrechte und des Ansehens der Yafaou beilegte, so scheinen sie doch mehr eine sekte von Freigeistern als wirkliche Bonzen gewesen zu sein, und in ihren grundsätzen sowohl als in ihrer Lebensart vieles mit den Cynikern der alten Griechen, mit den Anhängern des Lao-Kiun in Sina, und mit unsern Kalendern gemein gehabt zu haben. Sie lebten zwar auch auf Unkosten des Volkes wie die Ya-faou; aber sie bezahlten gleichsam dafür mit einer Menge kleiner Talente, wodurch sie sich angenehm und beinahe unentbehrlich zu machen wussten. Sie belustigten die Grossen mit ihrem Witze, und sich selbst mit der Leichtgläubigkeit des Volkes. Die Freiheit, die ihnen ihr Orden gab über alles zu spotten, und ein unerschöpflicher Vorrat von mutwilligen Erzählungen und Anekdoten verschaffte ihnen Zutritt in der schönen Welt; und so gross ist die Macht eines eingewurzelten Vorurteils, dass der Morgenbesuch eines Kamfalu bei einer schönen Frau als eine Sache die nichts zu bedeuten habe angesehen wurde. Aber die Kamfalu kannten den Wert ihrer Vorrechte zu gut, um sich allein auf die vornehme Welt einzuschränken: und wenn sie sich bei der Dame beliebt machten, indem sie ihrem Schosshunde liebkoseten und über ihre Nebenbuhlerin lästerten; so schmeichelten sie sich der jungen Bäurin durch ein sympatetisches Mittel, sich der Treue ihres Mannes zu versichern, ein, oder indem sie ihr aus der Hand weissagten, dass sie fünf- oder sechsmal Witwe zu werden Hoffnung habe. Sie waren im Besitz von einer Menge bewährter Hausmittel gegen alle Zufälle, welche Menschen und Vieh zustossen können; sie schlichteten die kleinen Streitigkeiten zwischen Eheleuten, Verwandten und Nachbarn; und es gab wenig Heiraten unter dem volk, die nicht ein Kamfalu gestiftet hätte. Eine von den Regeln ihres Ordens, die keine Ausnahme zuliess, war, kein Mitglied in denselben aufzunehmen, welches sich nicht durch eine fechtermässige Gestalt und eine blühende Gesundheit zu dieser Ehre legitimieren konnte. Aber was ihnen am meisten Ansehen und Vorteile verschaffte, war der Ruf, ein besonderes Geheimnis wider die Unfruchtbarkeit zu besitzen. Man versichert, dass in den zeiten, da die aufs höchste gestiegenen Ausschweifungen ihre schädlichen Folgen zum Nachteil der Bevölkerung am stärksten geäussert, die edelsten Geschlechter von Scheschian die Erhaltung ihres Stammes lediglich dem geheimen Mittel der Kamfalu zu danken gehabt hätten. Ein Verdienst, wodurch sie, nach dem Urteile der Staatskundigen, sich ein so starkes Recht an die öffentliche Dankbarkeit erwarben, dass selbst der grosse Sultan Tifan, da er alle Arten von herum schweifenden Bonzen gänzlich aufhob, die einzigen Fruchtbringenden, als Leute die dem staat wichtige Dienste geleistet hätten, bei ihrem alten Vorrecht erhielt, auf Kosten ihrer freiwilligen Wohltäter müssig zu gehen."

"Ich finde", sagte Schach-Gebal, "diese achtung des Sultans Tifan für die Verdienste der Fruchtbringenden um so lobenswürdiger, da ich versichert bin, dass die Erben, womit der Adel von Scheschian durch ihre Vermittelung versehen wurde, stärkere Sennen und frischeres Blut in die Familien brachten, und also tüchtig wurden, die Stammväter einer markigern Nachkommenschaft zu werden. Indessen sollte nichts wundern, wenn die Ya-faou nicht aus dem nämlichen grund einiges Recht an die Nachsicht des Königs Tifan gehabt hätten."

"Sire", versetzte Danischmend, "das herbe und abschreckende Aussehen, welches diese letzteren sich gaben, scheint ihnen grössten Teils die gelegenheit, sich um die höhern Klassen des staates verdient zu machen, abgeschnitten zu haben. Vermutlich fehlte es ihnen an gutem Willen nicht; aber da sie aus der feinen Welt gänzlich ausgeschlossen waren, sahen sie sich genötiget, ihn bei den geringern Klassen gelten zu machen,