und die unfähigsten waren doch immer zu irgend einer mechanischen Arbeit gut genug. Ein grosser teil ging als Dienstboten in die Häuser der edlen und Begüterten über; mit einem andern Teile wurden die Fabriken besetzt, welche Tifan in grosser Anzahl angelegt hatte; und diejenigen, bei denen man eine Anlage zu höhern Talenten, oder den Genie irgend einer schönen Kunst entdeckte, wurden in dem gehörigen Alter ausgeschossen, und in andern ihrer Fähigkeit angemessenen Anstalten zu ihrer Bestimmung zubereitet."
"Danischmend", sagte der Sultan, "merke dir, dass wir nächstens das weitere von dieser Sache sprechen wollen. Du sollst mir einen Plan vorlegen, – verstehst du mich? Gute Beispiele verdienen Nachfolger. Für heute haben wir genug."
12.
Der sinesische Übersetzer, ohne der besonderen Unterredungen des Sultans Gebal mit seinem Hofphilosophen, und der Entwürfe oder wirklichen Anstalten, welche vermutlich die Früchte davon waren, weiter Erwähnung zu tun, begnügt sich auf seinem bisherigen Wege fortzuschreiten, und berichtet uns, dass der Sultan des folgenden Abends, da die Rede wieder von Tifan und seiner Gesetzgebung gewesen, das Gespräch auf seinen Lieblingsgegenstand, auf die Staatswirtschaft, gelenkt, und ein grosses Verlangen bezeigt habe, zu wissen, wie dieser Fürst so grosse Ausgaben, als er, nach einigen Proben zu urteilen, sich selbst aufgelegt, habe bestreiten können? Diese Neugier Seiner Hoheit hätte zu einer sehr umständlichen Erörterung der Sache geführt, wovon er, da einem sinesischen Prinzen über diese Rubrik nichts gesagt werden könne was er nicht zu haus eben so gut finde, sich begnügen würde, folgenden Auszug zu liefern.
"Die Schriftsteller", sagte Danischmend, "aus welchen ich meine Nachrichten von Tifans grundsätzen über das Finanzwesen und die Staatsökonomie gezogen habe, erzählen uns davon Dinge, die beim ersten Anblicke sehr seltsam, wo nicht gar unglaublich klingen. Tifan rühmte sich (sagen sie) wenige Tage vor seinem tod gegen seinen Nachfolger, dass er ihm einen Schatz hinterlasse, dergleichen kein einziger von allen Königen Asiens aufzuweisen habe. 'Es ist wahr', sagte er, 'in meiner Kasse wirst du keinen grossen Vorrat antreffen: aber ich hinterlasse dir sechzig Millionen vergnügte, wohl genährte, wohl gekleidete, wohl gesittete, fleissige und unsrer Regierung wohl geneigte Untertanen, welche, sobald du sie zum Besten des staates vonnöten hast, mit allen ihren Fähigkeiten, mit allem ihrem Vermögen, mit allem Blut in ihren Adern, freiwillig dein eigen sind. Ich hinterlasse dir Städte, die von arbeitsamen und geschäftigen Menschen wimmeln, und Landschaften, die einem blühenden Garten ähnlich sind. Wie sehr anders sah dies alles aus als ich König wurde! Aber funfzig Jahre, mein Sohn, sind eine schöne Zeit für einen König, der den Willen hat Gutes zu tun, und der alle seine Untertanen zu Gehülfen zu machen weiss. Auch hoffe ich, du wirst in diesem ganzen Reiche keine verfallene Stadt wieder herzustellen, keinen Sumpf auszutrocknen, keine Einöde zu bevölkern und anzupflanzen übrig finden. Die Provinzen deines Reichs sind wie die Glieder eines gesunden und voll blühenden Körpers; ein gemeinschaftlicher Lebenssaft strömet durch sie hin; jede dient der andern, jede unterstützt die andre; jede trägt das ihrige bei, das Ganze vollkommen zu machen, und erhält vom Ganzen Lebenswärme und Nahrung, und jeden Beistand dessen sie benötigt sein kann. Jede Klasse des Staates ist was sie sein soll, und Ein durch sie alle ausgegossener Geist der Eintracht und Vaterlandsliebe verbindet sie zum allgemeinen Besten. Die Jugend einer jeden Klasse wird zu ihrer künftigen Bestimmung erzogen. Alle eitle Gelehrsamkeit ist aus Scheschian verbannt; die Akademie der Wissenschaften ist in eine Werkstatt nützlicher Erfindungen, in eine Schule der Weisheit, der Tugend und des Geschmacks verwandelt. Nenne mir eine Geschicklichkeit und Kunst, die zum Wohlstand eines Volkes anwendbar ist, und in Scheschian nicht Aufmunterung und Belohnung finde. Und nun, mein Sohn, gestehe, dass dein Vater ein guter Wirtschafter war, und folge seinem Beispiele.'
Die Wahrheit von der Sache war, dass Tifans Nachfolger an dem Tage da er den Tron bestieg, – zwar keine Schulden, aber wirklich kaum so viel Geld in der Schatzkammer fand, als der reichste Kaufmann zu Scheschian in seiner Kasse liegen hatte. Welch eine Wirtschaft!
Bei den meisten andern Fürsten ist nichts willkommner, als ein Projekt, aus hundert Taels, die in die Schatzkammer fliessen, zweihundert zu machen. Bei Tifan würde mit allen Projekten, wobei es darauf ankam die Untertanen ärmer zu machen, nichts als ein Platz im Zuchtause zu verdienen gewesen sein. 'Bringt mir Vorschläge', pflegte er zu sagen, 'die Scheschianer klüger, besser, arbeitsamer, geschickter und glücklicher zu machen! Je mehr sie alles dies sind, desto reicher werden sie sein: und bin ich nicht reich genug, wenn es meine Scheschianer sind?'
Noch eine Seltsamkeit! In allen andern Staaten, oder doch beinahe in allen, pflegen die Auflagen auf das Volk unvermerkt (oft auch sehr merklich) zuzunehmen. Die Bedürfnisse des staates, sagt man, werden immer grösser: und da in den meisten das Vermögen des Volkes in eben der Masse abnimmt wie die Staatsbedürfnisse zunehmen; so kommt zuletzt der Augenblick, wo das Volk, gerade wann der Staat am meisten bedarf, nichts mehr zu geben hat. In Scheschian war dies ganz anders eingerichtet. Tifan verstand die Kunst grosse Dinge mit wenigen Kosten zu tun; welches ungefähr eben so viel ist, als die Kunst