auch eine Verordnung für die Auferziehung eines Tronfolgers, der seinen Vater zu früh verlohren hätte. Persiens Wohlfahrt, sagte er, hängt einzig von der Weisheit und von der Arbeitsamkeit seiner Beherrscher ab: ein so weites Reich muss unumgänglich in eine verderbende Unordnung geraten, wenn es einen unachtsamen, oder unwissenden Kaiser hat. Wenn also Persien verwaisen sollte, so sollen die Häupter der Abteilungen der Staatsverwaltung, mit der Mutter des unmündigen Kaisers, seiner Auferziehung vorstehen: die Mutter wird die Sicherheit des Schwachen beschützen; die Häupter besitzen Weisheit, ihn zu einem würdigen Beherrscher eines grossen Volkes zu bilden. Sie, die auf der obersten Stelle im Reiche stehen, sollen die grosse Beilage heilig bewahren, die ihnen anvertrauet ist. Sie sollen die fähigsten und tugendhaftesten Männer auslesen, die dem jungen Erbfürsten die Tugend, die Liebe zum volk, und die Wissenschaft beibringen, es werktätig zu lieben. Die Häupter sollen wachen, dass die teuren Stunden nicht verlohren gehen, in welchen das zarte Gemüt gelenkt werden kann; sie sollen mit heiligem Abscheu die Schmeichler ansehen, die dem künftigen Kaiser seine Fehler verschweigen, oder ihn dem Unterrichte zu entziehen nachgeben würden. Allerdings wird zu dieser Standhaftigkeit gegen seinen Herrn mehr Mut erfordert, als zu Schlachten und Siegen. Aber ein treuer Sohn seines Vaterlandes soll das Heil desselben seinem Leben vorziehen. Und ein vernachlässigter Fürst wird seinen Vormündern gefährlich, ein zum Guten umgebogener Fürst aber für ihren grossmütigen Ernst dankbar sein.
In der Tat nahm Usong sichtbarlich ab, sein Alter wurde mit einem kleinen Fieber begleitet, das nach und nach seine Kräfte verzehrte. Man nahm einige Monate nachher wahr, dass ein gewisser Nazarener oft um ihn war, sein Nahme war Veribeni. Er war ein Waffenschmied, der von Brescia nach Persien mit dem Tomas von Imola gekommen war. In den Tälern zwischen Frankreich und Welschland war er gebohren, und stunde nunmehr als das Haupt diesen Künstlern vor. Alle Tage besprach sich der Kaiser ganze Stunden mit ihm, und allemal ohne Zeugen. Man merkte nicht, dass Veribeni einige Geschäffte zu betreiben hätte, er verlangte auch niemals einige Gnade: seine Kleidung war seinem stand angemessen, und sein Anstand immer ernstaft, ohne das geringste Gemische von Traurigkeit. Man fand im Anfange dieser Vertraulichkeit, dass Usong trauriger wurde, man sah ihn seufzen, und die Augen gegen den Himmel wehmütig aufheben.
Nuschirwani, deren einzige sorge die Erhaltung ihres erlauchten Vaters war, konnte das geheimnis nicht vertragen, das zwischen ihm und diesem unbekannten Fremdlinge war. Sie wagte es, dem Kaiser ihre Besorgniss zu eröffnen, Veribeni möchte zu dem Unmute beitragen, der an ihrem unschätzbaren Vater merklich wäre, und vor der Zeit seine Tage abzukürzen drohte. Usong umarmte seine geliebte Tochter, aber bat sie, nicht in ihn zu dringen; du sollst wissen, worüber ich mit dem Christen spreche, die Zeit ist aber noch nicht gekommen.
Nach und nach erheiterte sich Usongs Angesicht, er blieb ernstaft, aber mit einer Ruhigkeit, die auf seiner Stirn sich zeigte, und über alles sein Tun leuchtete. Seine Gesundheit wurde nicht besser, aber es schien eine reine und erhabene Hoffnung in seinem Herzen zu herrschen, vor welcher heilsamen Strahlen der Unmut verschwunden war.
Usong hatte längst gefühlt, dass sein Leib einsank, und sich seiner Verwesung näherte: er sah sich durch einen unwiderstehbaren Strom zur Ewigkeit hinreissen. Seine Einsicht war zu gründlich, als dass er sich hätte verbergen können, dass in der Ewigkeit die Zeit der Vergeltung sein würde, wo das oberste Wesen seinen Beifall, oder sein Misfallen, seinen denkenden Geschöpfen zeigen müsste, da er beide in diesem Leben verbirgt, und oft den Tugendhaften leiden, den Bösen aber in einem beständigen Glücksstande hie leben lässt.27
So tugendhaft Usong war, so weislich er Persien beherrschte, so fühlte er doch, dass er mit diesen äusserlichen Tugenden seine Schuld gegen das oberste Wesen nicht abgetragen hatte. Sein Gewissen, durch seine Weisheit gestärkt, hielt ihm seine Fehler vor, und den grössten aller Fehler, dessen sich die meisten, und die besten der Menschen schuldig machen, den Undank gegen Gott, die Kälte in der Liebe und in der Verehrung des Gebers alles Guten, die Anhängigkeit an das gegenwärtige, das heimliche Zutrauen auf das zerstreuende der Eitelkeit.
Mit einem entfremdeten Herzen gegen Gott, mit einem an den vergänglichen Geschäfften des Lebens einzig hängenden Gemüte, hoffte Usong nicht Gott gefallen zu können, dem er sein Herz niemals anders als ungerecht geteilt geschenkt hatte. Und wie sollten seine Fehler vergeben werden. Wer konnte die ewige Gerechtigkeit Gottes abhalten, dasjenige mit Misfallen anzusehen, was ihr Misfallen verdiente, und dieses Misfallen Gottes ist die Hölle.
Lange arbeiteten im Herzen Usongs diese nagende Gedanken, und schlugen alle seine Hofnungen zu Boden. Da er einmal mit tiefem Unmut in die Werkstätte der Waffen kam, und mit abwesenden Augen die sonst ihm so angelegenen Zubereitungen übersah, wagte es endlich Veribeni, der seines gütigen Herrn Schwermut nun schon lange angesehen hatte, und warf sich zu des Kaisers Füssen.
Was bin ich, sagte der alte Ehrwürdige, dass ich mich unterstehe, in des Kaisers Herz sehen zu wollen? Und dennoch kann ich nicht widerstehn, ich muss frech sein, und sollte ich den Tod verdienen, ich muss fragen, was doch für ein Kummer des grossen Usongs Herz einnehme: vielleicht bin ich das geringe, und dennoch das ausersehene Werkzeug, etwas zur Befriedigung seiner Sorgen beizutragen.
Usong antwortete gütig und