liess er die Gefangenen mit ihren Waffen auf den unermesslichen Platz zu Tabris einrücken; sie gingen in geschlossenen Gliedern, mit den Feuerröhren, zwischen zwei Reihen geharnischter persischer Reuter. Das gröbe Geschütz, die Fahnen, die Rossschweife, die Befehlstäbe, und alle Zeichen der kriegerischen Pracht folgeten den Gefangenen. Mitten auf dem platz sass Usong auf einem erhabenen Sofa, das Panier von Persien flatterte über seinem Tronhimmel. Die Feldherren, die Fürsten der Mongalen, die Grossen aus Persien, umringten den Tron in den prächtigsten Kleidungen. Der junge Ismael stunde selbst gewafnet neben seinem grossen Ahnherrn. Vor den Augen des Kaisers mussten die Gefangenen die Waffen ablegen, und wurden abgeführt, um in alle Provinzen verteilt zu werden, auf dass alle Perser die Zeugnisse des Sieges vor ihren Augen haben möchten. Hierauf erschienen diejenigen Krieger vor dem Trone, deren Taten in dem Feldzuge der Kaiser selbst angesehen, oder von denen ihm sonst angezeigt worden war, dass sie zu dem grossen Siege tapfere Werkzeuge gewesen wären. Sie erhielten von dem Kaiser prächtige Geschenke, edle mit dem kostbarsten Zeuge behangene Pferde, Säbel die von Edelsteinen schimmerten, Fahnen die ihren Ruhm bis zu den Nachkommen aufbewahren sollten, Helme mit glänzenden Federbüschen, stählerne Rüstungen, Lorbeerzweige, in welchen kostbare Steine eingestochen waren.
Das grosse Tabris erschallte von einem Triumphgeschrei, das ganze Stunden dauerte: es lebe der neue Cyrus, der Herr der Welt, der Schatten Gottes.
Das Gerücht trug Usongs Ruhm bis in die entferntesten Gegenden. Die durch so viele Gebürge, und durch unermessliche Wüsten von Persien abgesonderten Mongalen, jauchzten über das Glück eines Enkels des Tschengis. Indostan schickte ihm Gesandte, und in den Abendländern stieg die hoffnung auf, der Held sei gefunden, der dem Ehrgeitze der Osmannen grenzen setzen würde.
Der folgende Feldzug war nicht so blutig, aber dennoch siegreich. Usong bemächtigte sich des übrigen Teiles von Karamanien, und erlegte etliche tausende in kleinen Treffen. Aber ihr Feldherr hatte den strengsten Befehl vom Sultan31, eine Schlacht zu vermeiden, und nahm auf den Bergen, womit dieses Land angefüllet ist, solche Stellungen, dass Usong es abermal unmöglich fand, mit seiner von Fussvolk entblössten Reuterei die Feinde anzugreifen.
Aber nun war die Donnerwolke, die sich langsam vom Abend her fortgewälzt hatte, endlich bis zur Gränze von Persien gekommen. Das grosse Heer des nach Rache lechzenden Machmuds war in Karamanien, unter des Sultans eigener Anführung, eingerückt: ein ungläublich grosser Zug von grobem Geschütze folgte dem Heere. Der Kern aller Osmannen, die Jenjitscheri, die europäischen Völker, rückten in fürchterlicher Menge an, die krimmischen und nogahischen Tataren schwebten auf den Flügeln des weit ausgedehnten Lagers, und versicherten seine Seiten. Alles was unter den Türken tapfer war, alle die versuchten Feldobersten Morads, kamen aus ihren Ruhplätzen, und drängten sich unter die Fahne des kriegerischen Sultans.
Usong hatte alle Kräfte von Persien an sich gezogen, nur musste er Tabris und das kaiserliche Haus zu bedecken, ein kleines Heer in dieser Stadt lassen. Was aber den Kaiser am meisten bekümmerte, war die Langsamkeit der venetianischen hülfe. Die Republik hatte allerdings ihre Schiffmacht an die Küste von Cicilien geschickt, wo sie öftere Landungen tat, und etliche Seeplätze einnahm; der Befehlshaber hatte auch zur Vorschrift, alles zu tun, was Usong ihm auftragen werde. Der Botschafter brachte viel güldenes und silbernes Geschirr zum Geschenke, wovon die Arbeit den Wert des Metalles übertraf32; und hundert Büchsenmeister begleiteten das grobe Geschütz unter ihrem Hauptmanne Tomas von Imola. Er brachte einen Ueberfluss an dem Zugehöre zum Gebrauche dieser zu den Belagerungen fester Städte gegossenen Stücke. Es kamen auch zahlreiche Büchsenschmiede, und andere Künstler mit, deren Persien bedürftig war. Aber der Anführer der Venediger war zu langsam gewesen, und diese ganz wichtige hülfe kam erst nach der blutigen Schlacht an, die Asiens Schicksal entscheiden sollte.
Usong zog dem wütenden Machmud entgegen. Der ergrimmte Sultan liess alles verbrennen, und verwüsten. Vor seinem Heere, sagten die Osmannen selber, war das Land ein Paradies, und hinter ihm eine rauchende Wüste. Er rückte bis zehn Tagreisen von Tabris vor, und drohete dieser grossen und blühenden Stadt, in welche Usong alle die Notwendigkeiten verlegt hatte, die zur Unterhaltung eines grossen Heeres erfodert werden.
Gern hätte der kluge Kaiser eine Schlacht vermieden: seine Meinung war unveränderlich, die Osmannen in kleinen Treffen abzumatten, und ihnen die Lebensmittel abzuschneiden. Aber die grössten Männer sind die Bescheidensten. Usong gab endlich dem Rate des feurigen Haiders, des Pir Hamets, der unerschrockenen Nowianen, und der Grossen von Persien nach, die alle ihre Stimmen vereinigten, dem Kaiser vorzustellen, der Verlust von Tabris würde der Untergang von Persien sein. Viele tausende getreuer Untertanen würden jämmerlich ermordet werden, und die Mittel, den Krieg fortzuführen, würden verlohren gehen. Die Eiferer für des Ali Geschlecht entsetzten sich vor dem blossen Gedanken, die heiligen Gräber zu Ardewil möchten von den Sonniten entweiht werden. Mit der Reuterei könnte man keine Zugänge verwehren, keine Stellungen nehmen, wohin die Jenjitscheri nicht eindringen könnten. Sie erinnerten den Kaiser an seine zahlreichen Siege, und baten ihn, an dem Mute der Perser nicht zu zweifeln, davon der letzte sein Blut hingeben würde, ehe dass er Usongs Kriegsruhm würde bestecken lassen.
Der Kaiser gab nach, und rückte gegen den Feind, den er in der Gegend von Arzendgan antraf, in einer grossen Fläche unweit des Euphrats, wo sich die persische Reuterei ausbreiten konnte.
Machmud stand mitten