sagte die Abgeschickte, und ohne die erschrockene Schöne sprechen zu lassen; Sulime' kan von der bekannten Sanftmut der Kaiserin nichts zu besorgen haben; aber die Unterredung ist unvermeidlich.
Die geliebte Sclavin musste gehorchen; sie warf sich vor die Knie der Kaiserin: ich bin des Todes wert, weinte sie: soll die erkaufte Sulime' das Herz eines Fürsten der Erbtochter von Persien streitig machen? denn sie zweifelte an der Ursache nicht, um welche die Kaiserin sie hatte verfodern lassen.
Die schöne Sulime', sagte die leutselige Kaiserin mit ihrer alles bezwingenden Anmut, verbindet mich, indem sie mir ihr Herz eröfnet. Aber ich verdiene auch ihr Vertrauen. Höre mich, Geliebte des Haiders, höre mich, wie man eine liebende Mutter höret.
Sulime' wird nicht erwarten, dass Dschuneid seinem Stamme den Tron des Cyrus entziehen werde, damit sein Sohn eine junge Schöne ungeteilt lieben könne. Die Heirat wird vor sich gehen; die Reitze der einnehmenden Sulime' werden ihr vielleicht eine Zeitlang das Herz des jungen Haiders versichern: aber was wird ihr Schicksal sein? Ganz Persien wird die Zauberkraft ihrer Schönheit hassen, durch welche seine Erbtochter, die Tochter Usongs, unglücklich sein wird. Dschuneid wird ernstaft die väterliche Gewalt anwenden, einen Sohn von seiner Geliebten zu trennen: die ganze Welt wird wider Sulime', und niemand für sie sein, als das Herz eines Jünglings. Wird dieses Herz den Folgen des Genusses, der vereinigten Gewalt der väterlichen, der ehlichen, und der freundschaftlichen Liebe widerstehen? Wenn es endlich so vielen verehrungswürdigen Ratgebern, und dem Wunsche aller Perser nachgiebt, was wird dann Sulime' werden, deren herz die Liebkosungen eines liebenswürdigen Fürsten zur notwendigkeit geworden sind?
Doch Sulime' hat eben so viel Verstand als Schönheit: sie wird einsehen, dass die Liebe eines Jünglings einige Jahre dauert, und dass ihr übriges Leben eine Wüste ohne Trost sein wird. Sie wird dem allgemeinen Glücke eine Liebe aufopfern, die die blosse Flüchtigkeit der unbeständigen Jugend ohnedem so leicht auslöschen kan. Und Persien hat nichts an Ehr und an Glücke, das sie nicht zu erwarten habe, wenn sie das Hinderniss wegräumt, das der Ruhe des Reichs entgegen ist.
Sulime' hörte bedächtlich zu; sie besann sich, doch nicht allzu lange; sie küsste ehrerbietig den Rock der Kaiserin. Was bin ich, sagte sie, dass ich mein Schicksal gegen das Schicksal von Persien abwegen soll? die Befehle der verehrungswürdigen Liosua werden meine Richtschnur sein.
Die Kaiserin behielt sie im Harem, und gab ihr eine angesehene Stelle an ihrem hof. Die Gnade, womit sie die Georgierin überschüttete, sowohl als die Reitze der schönen Sulime', bewogen einen Grossen vom hof, um sie zu werben: sie wurde als eine Freundin der Kaiserin ausgestattet, und ein dauerhaftes Glück war die Belohnung der Aufopferung einer jugendlichen Liebe.
Haider liebte seine Sulime' mit dem Feuer eines Jünglings und eines Arabers. Aber er durfte seine Regungen durch kein Zeichen gegen seinen Vater merken lassen, der das Glück der Aliden, die Ausbreitung des wahren Glaubens, und den Tron seines Sohnes mit einer lebhaften Entzückung sich vorstellte. Haider reichte ohne Widerstand seine Hand der schönen Nuschirwani, und sie machte auch keine Schwierigkeit mehr, den Gemahl anzunehmen, den Usongs Weisheit für sie ausersehen hatte.
Sie bemühte sich, das Herz des jungen Fürsten zu gewinnen, und sie beherrschte es sehr bald uneingeschränkt durch die vereinigten Reitze ihrer Züge, und ihres mit allen den Gaben des Witzes und der Wissenschaften gezierten Verstandes.
Noch einmal brach Usong auf, und durchreisete die östlichen Provinzen, und zumal auch das wichtige Kandahar. Er besah zuerst das wegen seiner Schönen berühmte Yezd, das wie eine fruchtbare Insel mitten in den Sandwüsten liegt. Es bereitet das kostbare Rosenöl, das ein schätzbares Geschenk morgenländischer Könige ist: und verfertigt die reichsten Goldstücke. Usong kaufte eine beträchtliche Menge dieser teuren Stoffe, so wie er überall tat, wo eine gemeinnützige Anstalt zu begünstigen war. Er durchreisete das einsame Segestan, und kam ins Gebürge nach Kandahar. Er empfing Besuche von den Afganischen Fürsten, die ihn freiwillig für ihren Schutzherrn erkannten, doch dass sie unabhängig blieben. Der Kaiser wandte alle die Kräfte seiner angebohrnen Leutseligkeit an, und streute die Zeichen seiner Freigebigkeit häufig unter diese streitbare Barbaren aus. Er liess aber nichts desto weniger Kandahar mit einem dreifachen Umfange starker Mauern befestigen, die den ganzen Raum zwischen den Gebürgen einnahmen, und den Durchgang nach Indien vollkommen beherrschten: er hielt auch ein beständiges Lager von etlich tausend Georgiern zu Pferd in der Nähe der Festung: denn seine Weisheit durchdrang die zeiten, und sah die Gefahr ein, die dem Reiche von diesen wilden Bergleuten bevorstund, wenn jemals der Zepter von Persien in schwächere hände fallen sollte23.
Indostan war damals in der grössten Verwirrung, und es würde dem wohlbewafneten Persien ein leichtes gewesen sein, einige Provinzen dieses geschwächten Reiches an sich zu reissen. Aber Usong dachte beides edler und weiser: er sah überhaupt den Krieg für eine Strafe Gottes, und für den Schauplatz unvermeidlicher Grausamkeiten an: nichts als die notwendigkeit konnte, nach des Kaisers Meinung, einen Fürsten entschuldigen, der so viel Elend unter die Menschen brächte. Er sah dabei Persien für nur allzuweitläuftig an, und die Gebürge machten gegen Osten eine natürliche Gränze aus, die nur ein blinder Ehrgeitz zu überschreiten anraten könnte.
Die Zeit war nunmehr gekommen, da Usong den grössten Unfall leiden sollte, der noch sein Leben betroffen hatte.