, die mehr Mittel sich zu erwerben wussten, als ganze Provinzen. Er belobte in Gilan die Emsigkeit der wohlgebildeten Weiber, die in dieser fruchtbaren Landschaft einen grossen teil der Landarbeit übernehmen. Er folgte dem caspischen Meere, und wandte sich weiter nach Westen; er befahl dem Abgesandten, den äusserst verdorbenen Sitten der Bergleute um Kuawer zu steuren, wo von undenklichen zeiten her die hässlichsten Laster im Schwang gingen, und wo die Einwohner alles Gefühl der Schaam verlohren hatten. An den Schuldigsten wollte er ein Beispiel seiner Abscheu gezeigt, und die übrigen bedrohet wissen, dass sie gänzlich ausgerottet werden sollten, wenn sie fortführen ein Schandfleck Persiens zu sein. Er verlegte auch dahin eine genugsame Macht streitbarer christlicher Georgier, die der Gerechtigkeit hände stärken sollten. Er setzte über den berühmten Araxis, und besuchte Schirwan, und das den Lesgiern zu nah gelegene Schamachie.
Zu Baku hielt er sich auf, und glaubte, es würde keine zu niedrige Beschäftigung sein, wenn er die Wunder der Schöpfung auf der Halbinsel Okesra betrachtete. Er fand ein Vergnügen an allen Seltenheiten der reichen natur. Er besah die ewigen Feuer, die an vielen Stellen aus der Erde hervorbrechen; die Quellen des weissen Naphta, dessen Dunst Feuer fängt, und unauslöschlich fortbrennet; den brausenden See der beständig Bergöl in die Höhe stösst, und den Hügel Jugtopa, aus dessen Spitze ein fetter Leim unaufhörlich hervor dringt, und auch wohl in die Luft, wie ein steigendes wasser, wütend aufsprudelt21.
Das Ziel der Reise des Kaisers war das uralte Derbent. Usong empfieng daselbst die Abgeordneten der Lesgier, und diese streitbaren Bergvölker begaben sich, durch die blosse Verehrung seiner Tugenden gerührt, unter den Schutz des Kaisers: wobei sie ihre niemals verlohrnen Freiheiten vorbehielten. Er liess diese von dem grossen Alexander angelegte Stadt, als den nordlichen Schlüssel von Persien, befestigen, das Schloss in den besten Stand setzen, und einen teil seiner kurdischen Völker dahin verlegen.
Wiederum über unwegsame und über die Wolken sich erhebende Gebürge kam der Kaiser nach dem in blumichten Wiesen erbauten Ardewil zurück, wo viele Ueberbleibsel alter Gräber der geheiligten Aliden sind, und wo die schönsten Schaafweiden von Persien liegen.
Der Kaiser traf bei seiner Zurückkunft seinen Freund Dschuneid an, der seinen ehrwürdigen Vater verlohren, und seine Trauer eben zu Ende gebracht hatte. Er stellte dem Kaiser seinen Sohn, den jungen Haider vor, das Ebenbild der schönen Emete'.
Aber eben damals fing Usongs Glückseligkeit an abzunehmen. Das Verhängniss, das ihn aus der Gefangenschaft auf den Tron von Persien geleitet hatte, wollte nunmehr auch im Unglücke seine Standhaftigkeit prüfen, nachdem er den Glücksstand so würdig ertragen hatte. Kurz nach seiner Zurückkunft brachen die abissinischen Blattern22 mit einer Wut in Schiras ein, die sie seit vielen Jahren nicht gezeigt hatten. Tausende der schönsten Frauen, und unzählbare Kinder wurden weggeraft. Endlich drang die mörderische Seuche in die Burg des Kaisers: Dschuneid und Rustan, seine zwei hoffnungsvolle Söhne, wurden angesteckt. Liosua schätzte die Gefahr ihres eigenen Lebens gering, man konnte die liebende Mutter von dem Lager ihrer Kinder nicht abhalten. Sie wartete ihnen in der eckelhaften Krankheit bis zu ihrem tod ab, sie hauchte den giftigen Dunst der Fäulung, der aus dem ganzen leib der Sterblichen stieg, und wurde zwar nicht angesteckt, aber ihre Gesundheit litt dennoch dabei, und der zärtliche Bau ihres Lebens näherte sich merklich seiner Auflösung.
Usong sah bestürzt die Hoffnung des Reiches aus seinen Armen sinken, ihm blieb kein Erb übrig, als die edle Nuschirwani: er betrauerte seinen Verlust noch mehr wie ein Kaiser, der sein Volk liebte, als wie ein Vater, der die holdesten Kinder begräbt. Er fing an zu befürchten, alle seine Arbeit möchte verlohren sein, und sein Reich in die alte Unordnung zurückfallen; er sah kein Mittel wider ein so grosses Uebel, als die Vermählung seiner Erbtochter.
Da er mit ihrer Hand den Zepter von Persien zu vergeben hatte, so sah er sorgfaltig sich um einen Fürsten um, der ihrer würdig wäre, und von dem er hoffen könnte, dass unter dem Zepter desselben das Glück seiner Völker gesichert sein würde.
Er verwarf alle die Beherrscher eigener Reiche. Persien, das den Kaiser so aufrichtig liebte, sollte keine Provinz eines andern Landes werden, sollte nicht unter die gierigen hände fremder Grossen kommen, die nicht seine Söhne wären, und die es als eine Beute ansehen würden.
Seine eigenen Blutsverwandten, die Tschengiden, schloss der rechtschaffene Herr ebenfalls aus. Die Nowianen seines Hofes hatten sein väterlich gegen sein Volk gesinntes Herz öfters betrübt: diese Mongalen hatten nicht gelernt, ihren Leidenschaften zu widerstehen, und konnten sich nicht unter das Joch der gesetz beugen. Ihr rauher Sinn war des zärtlichen Gefühles unfähig, ohne welches ein Fürst kein Vater seines Volkes wird.
Usongs hoffnung blieb auf dem jungen Haider stehen, einem Enkel des Ali, und des Ismaels, dessen Glauben mit dem Glauben der meisten Perser übereinstimmte, den die Hosseniden, und alle Geistlichen, als ein Geschenk des himmels dem volk anpreisen würden, den Usong durch seinen Unterricht und durch seine Anführung glaubte ausbilden zu können, und bei dessen sanftem Gemüte, und reitzender Bildung, er hoffen durfte, dass Nuschirwani glücklich sein würde.
Er liess zuerst die junge Fürstin von allen Provinzen zur Erbtochter von Persien annehmen. Es war kein Perser, der dem angebeteten Vater etwas hätte abschlagen können. Sie kannten ihn zu wohl, als dass ihnen ein Zweifel hätte übrig bleiben sollen; sobald Usong