dass ich nicht viele Stunden auf einmal verschwende. Aber eben diese Stunden sind gezählt, sie sind Schulden, die ich gegen den Ewigen eingegangen bin, wofür ich Rechnung abzulegen habe. Mich rührt kein Ehrgeitz, meinen Namen zu vergrössern, ich sehe das kindische des Nachruhms nach meinem tod in seiner verächtlichen Kleinheit. Aber jeden Tag will ich anwenden, jede Stunde will ich etwas Gutes verrichten, jeder Gedanke soll das Wohlsein Persiens zum Zwecke haben. So freue ich mich des Morgens, wie die ihrer segnenden Macht bewusste Sonne, den Lauf eines Tages anzutreten, den ich mit einer guten Tat auszuzeichnen hoffe: so freue ich mich jeden Abend, den verstrichenen Tag mit nützlichen Handlungen bestreut zu finden: so werde ich im Alter, wenn die Welt mich verlässt, auf mein angewandtes Leben zurück schauen, und kummerlos sterben: ich werde nicht auf eine mit Müssiggang oder Lastern verdornete Wüste, sondern auf ein Feld zurück sehen, woran ich mühsam gearbeitet, und dessen Früchte ich erschwitzt habe, den Zins, den ich dem Herrn schuldig war, dessen Lehen mein Tron ist.
Der Abgeordnete, den der Kaiser mit dem Zeno nach den Abendländern geschickt hatte, kam endlich zurück. Er brachte Briefe vom Rate zu Venedig, und vom Zeno: sie entielten die Vermehrung der Sorgen, die die Siege der Osmannen erweckten. Ein nazarenischer König hatte mit Vorteil den älternden Morad bekriegt, und ihn zum Frieden gezwungen, den der stille Morad um desto lieber eingegangen war, weil er beschlossen hatte, den Tron seinem Sohne einzuräumen. Der christliche König14 brach den beschwornen Frieden, auf das Anhalten eines mächtigen Priesters, er drang bis ans schwarze Meer. Die Jenjitscheri kannten den jungen Machmud noch nicht, sie glaubten, sein Arm wäre nicht stark genug, des Hunniaden Schwerdte zu widerstehen. Sie erbaten vom Morad, dass er sich an die Spitze der Osmannen stellte. Machmud wich bescheiden, stieg vom Trone, und focht unter seinem Vater. In einer grossen Schlacht wankten die Osmannen, und Morad sah sich dem Untergange ganz nahe. Er rief den Gott an, auf dessen angebetenen Namen die Christen den Frieden beschworen hatten. Er bat, der Himmel wolle doch ein Zeichen geben, dass die Untreu ihm missfiele, und andere Fürsten abschrecken, die Versprechungen zu brechen, welche der Gotteit Namen geheiliget hätte. Der Mut kam bei den wankenden Jenjitscheri wieder, der König wurde erschlagen, und der gefürchtete Hunniade geriet in der Türken Hände15. Morad hatte nach dem Siege den Tron wiederum verlassen, und beide Sultane hatten das in den Morgenländern seltene Beispiel gegeben, dass die kindliche Ehrfurcht so stark als die väterliche Liebe, und beide mächtiger als der Reiz des Zepters sein können.
Der junge Monarch der Türken war im Lager gebohren, und so feurig, als gesetzt Morad gewesen war. Er dürstete nach Ruhm und Siegen. Man zweifelte nicht, seine erste Unternehmung würde der Umsturz des Reiches zu Byzanz sein. Venedig sah den Sturm im fernen donnern, und warnte nochmals den Kaiser.
Man schickte ihm Modelle von neuen Erfindungen die Geschütze furchtbarer zu machen, die kleinern Feuergewehre schneller abzuschiessen, und aus grossen erztenen Mörsern schwere Kugeln, mit innerm Feuer schwanger, über alle Mauren zu werfen. Einige Waffenschmiede von Brescia kamen mit dem Abgeordneten, die Usong in seine neue Schule nötiger Künste aufnahm. Aber die Perser blieben bei ihrem Bogen, den sie am besten von allen Völkern zu verfertigen wissen, und der unterm Cyrus, wie sie meinten, Asien bezwungen, und unterm Nuschirwan Rom zum Zittern gebracht hatte. Das grobe Geschütz war noch weniger nach dem Schwunge des Gemüts dieses Volkes, und keine Aufmunterung war vermögend, sie in dem Gebrauche desselben geübt zu machen.
Eine noch traurigere Zeitung kam aus den Morgenländern. Der alte Hofmeister des ehrwürdigen Liewangs kam nach Schiras, und trat bei seinem Freunde dem Scherin-Kan ab. Ich habe Schriften und Päcke bei mir, die dem Kaiser gehören, aber bereite sein Gemüt, und zumal das Herz der Kaiserin, zu einer traurigen Botschaft.
Usong erlag nicht unter einer sorge: aber der Kaiserin musste geschont werden, deren Gesundheit durch die mühsame Reise nach den Dattelbüschen noch schwächer geworden war. Man sagte ihr, Liewang sei krank. Tod ist er, rief die liebende Tochter, und sank auf ein Soffa halb ohnmächtig hin. Es war umsonst das Uebel verhehlen zu wollen. Liewang war in einem hohen Alter in der Vaterstadt des Weisen gestorben, die auch die seine war. Er hatte vor seinem Hinscheiden seine Ahnentafel an die Kaiserin geschickt; an ihr ist es, hatte er gesagt, den Ahnen die schuldige Ehre zu beweisen, sie ist mir mehr als ein Sohn. Er schickte dem Kaiser einige die Kunst zu herrschen lehrende Schriften des Kongfutsee mit seinen eigenen Anmerkungen, und der Kaiserin einige Seltenheiten aus dem Reiche. Der Tien, schrieb er, hat den Usong zu grossen Dingen ausersehen, wozu hätte er sonst die ausserordentlichen Gaben, und die grösste der Gaben empfangen, die Vorzüge seines Geistes zum Guten anzuwenden. Die Kaiserin versicherte er seiner unveränderlichen Liebe, und ihr Namen war das letzte Wort gewesen, womit sich sein Mund beschäftiget hatte.
Liosua fand, wie zarte Herzen pflegen, ein Vergnügen, sich mit der Ursache ihrer Traurigkeit zu beschäftigen: sie verlangte die Umstände zu wissen, mit denen Liewang aus dem Leben geschieden wäre.
Gelassen und kaltsinnig, wie Kongfutsee, sagte der Hofmeister: er hatte an Kräften nun schon lang abgenommen