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gehabt hätten, die zu einem Vorsteher des Gottesdienstes erfodert wird.

Usong bat den ehrwürdigen Aliden, dass er selbst die Anstalten möglich machen wollte, die er so eifrig anriet. Er möchte unter den frömmsten in Arabien Männer aussuchen, die man bei den Meschiden2 der Hauptstädte dem Gottesdienste vorsetzen könnte. Er möchte auch um Gelehrte sich bemühen, die der Jugend die gesetz des Glaubens und andere Wissenschaften beizubringen fähig wären. Usong erkannte die äusserste notwendigkeit, das Herz und den Verstand des Volkes zu bilden, und zu verbessern. Er verbarg aber dem eifrigen Hassan nicht, dass sein Absehen auf den Dienst eines einigen Gottes, und nicht auf die Zänkereien zwischen den Secten der Gläubigen ginge: und bat seinen alten Freund, auf Männer zu sehen, zu deren Auswahl, des wahren Gottes Kenntniss, und ein gottesfürchtiges Leben die einzige Absicht wären. Er verachtete die unschuldigen Gebräuche, und das gottesdienstliche Waschen nicht, nur dass er für kindisch hielt, Gott mit etwas gefallen zu wollen, das auch von einem bösen Herzen verrichtet werden könnte.

Er liess indessen die Meschiden in den Städten wieder in den Stand setzen, dass die Gläubigen sich in denselben versammeln konnten. Er suchte durch seine Abgesandten ehrbare Männer auf, die an den Feiertagen diejenigen Abschnitte des Korans dem volk vorlasen, die Mollah Abdul von Tabris3, und Mollah Mahomed Raze Emuni, der Schüler desselben, ausgezeichnet hatten: und worinn die grossen Eigenschaften Gottes, die Pflicht sich nach der Vorschrift des obersten Wesens zu bilden, und die Mittel angezeigt wurden, zu diesem heilsamsten der Zwecke zu gelangen. Er erlaubte diesen Vorlesern, aus den allgemeinen Gesetzen der natur, und aus der Sittenlehre, die Beweggründe beizufügen, die im Koran mangeln möchten. Die fünf täglichen Gebete wurden allen Gläubigen anbefohlen.

Allen Dienern des Gottesdienstes wies Usong einen genugsamen Lebensunterhalt an: sie erhielten den zehnten teil der Landsteuer: Usong wollte ihnen aber weder das Richteramt übergeben, wie es bei den Osmannen eingeführt war, noch sie dem gewohnten Richterstuhle entziehn. Er hatte in der geschichte der Abendländer gesehen, was für entsetzliche Folgen der Fehler der nazarenischen Fürsten gehabt hatte, durch deren Schwachheit die Geistlichen zu einem eigenen Orden, und endlich zu einem Reiche erwachsen waren, welches das Volk von Mitteln erschöpfte, alle Freiheit unterdrückte, und den Tron der Fürsten umzustürzen stark genug war, die dem Gehorsam gegen das Oberhaupt der Priester Schranken setzen wollten. Der oberste Mollah an der Meschid des Kaisers war in Persien nicht sowohl das Haupt der Geistlichkeit, als des Fürsten Oberaufseher über dieselbe.

Hassan erfuhr, wie schwer es war, Menschen zu finden, deren Herz von den Wahrheiten durchdrungen wäre, die ihr Mund lehrete. Er tat aber, was ihm das allgemeine Verderben zuliess; er wählte selbst die ehrbarsten Geistlichen aus, er lockte aus den Einöden diejenigen Weisen, die sich ganz der Betrachtung übergeben hatten, und die kleine Zahl, die er hatte auswählen können, schickte er, nachdem sie durch ihn selbst geprüft worden waren, dem Kaiser zu, der ihnen die königlichen Meschiden in den vornehmsten Städten übergab. Die meisten waren Aliden aus dem Geschlechts Hassans, des Propheten, und ihre Nachkommen behielten auch noch lange hernach die oberste Stelle unter der Geistlichkeit.

Mit grösserm Fortgange richtete Usong überall in den Städten schulen auf. Der Perser ist scharfsinnig, und zu den Wissenschaften von natur zubereitet, die zur Sittenlehre, zum Witze, und zur Rechenkunst gehören. Das Reich hatte erhabene Dichter, gründliche Sittenlehrer, und grosse Sternkündiger zu allen zeiten erzeugt. Usong richtete auch obere schulen auf, in welchen anshnlichere4 Männer, auch wohl die Grossen von Persien, die höhere Aemter bedient hatten, der Jünglinge weitere Ausbildung übernahmen, und die Jugend war eben so bereit, die Lehren der Weisheit anzuhören. Des Kaisers gnädige Aufsicht, und seine Aufmerksamkeit, die geschicktesten Jünglinge zu befördern, gab allen Anstalten ein wirksames Leben. Er liess sie in den Wissenschaften, denen sie oblagen, öffentliche und unvermutete Proben über fragen ablegen, die ihnen durchs los vorgelegt worden waren. Er selbst, und wo er nicht sein konnte, sein Abgesandter, waren bei den Proben gegenwärtig: das Verhalten der jungen Leute wurde öffentlich in Gegenwart aller Anwesenden in Bücher eingetragen, und wer dreimal ein rühmliches zeugnis verdient hatte, konnte seiner Beförderung gewiss sein. Usong liess aus solchen Jünglingen Richter nehmen, die drei Jahre bei dem nächsten Gerichtshofe zuhören mussten, und nach einer neuen, aber auch öffentlichen probe, wirklich auf die Bank zu sitzen kamen. Der Kaiser hatte die chinesische Einrichtung gesehen, aber er verhütete, dass Bestechung und Geschenke nicht der Ungeschicklichkeit den Ruhm zukünsteln konnten, der die Belohnung des wahren Verdienstes sein soll.

Usong hoffte von dem Zulaufe der neugierigen Perser, und von ihrem scharfen Witze, welcher der bemerkten Fehler zu schonen nicht gewohnt war, diese öffentlichen Proben würden dem Einflusse der Gunst und der Geschenke vorbeugen. Jeder Richter, jeder Abgesandter des Kaisers musste sich schämen, vor kundigen Zeugen ein Urteil über die Fähigkeit eines Geprüften einschreiben zu lassen, das der Wahrheit entgegen wäre. Die allgemeinen Grundsätze des Kaisers waren, streng zu strafen, wer ihn zu betriegen sich unterstand, und hier konnte der Betrug sich nicht verbergen, eine ganze Stadt hatte über die Proben die Aufsicht. Das los hinderte gleichfalls alle strafbare Begünstigung: es wurde am Abend geworfen und versiegelt, und sobald die Sonne aufging, erfolgten die Proben.

Aber Usong errichtete noch andere schulen, davon Persien kein Exempel bei einem