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tapfer an, aber sein Mut sinkt beim Unglück allzuleicht. Er nahm eine vorteilhafte Stellung, und liess durch seine Reuterei täglich kleine Treffen wagen, worin der persische Säbel, und die bessere Ordnung der Glieder, fast allemal den Sieg erhielt. Er brachte hierdurch seinem Heere ein Zutrauen zu sich selber bei, und machte es dem Feinde fürchterlich. Täglich liess er seine Völker vor dem Lager ausrücken, und sich in Schlachtordnung stellen. Die Aegyptier taten ein gleiches; ehe es aber zum schlagen kam, zog Usong seine Völker ins Lager zurück, das durch verschanzte Anhöhen bedeckt, durch das grobe Geschütz beschirmt war, und keinen Angriff zu befürchten hatte. Zehn Tage nach einander rückte er vor, und zog wiederum zurück, bis endlich die Zirkassen dieser unbedeutenden Bewegungen gewohnt wurden, und es als ein Spiel ansahen, wann schon die Perser in ihrer Schlachtordnung ausruckten. Aber den eilften Tag, da die Mammeluken nunmehr sicher geworden waren, rückte Usong zwei Stunden vor dem Aufgange der Sonne aus, und da dieselbe eben ihre ersten Strahlen zeigte, gab er das Zeichen zum Angriffe. Persiens Sinnbild war die aufsteigende Sonne. Usong rief den Häuptern seines Heeres zu: denkt dass Persien auf euch sieht, eure Taten zählt, und mit ewiger Hochachtung belohnen wird. Das Wort war Persiens Ehre. Die Perser brachen, wie neu beseelt in die unbereiteten Feinde, viele tausende fielen, und die übrigen verliessen ganz Obersyrien und Halep1 dem Ueberwinder.

Usong führte sein siegendes Heer durch die schönsten Provinzen Asiens, gegen Syrien hin: seine Absicht war aber nicht, Aegypten allzusehr zu schwächen, ein Reich, das er als eine Vormauer von Persien ansah. Er erfuhr mit Vergnügen, dass Abgeordnete von Alkahirah kamen, und Friedensvorschläge taten: Usong foderte nach dem Siege nicht mehr, als er zuerst gefodert hatte: der Stattalter von Alep wurde seiner Würde entsetzt, er verlohr seine Stelle unter den vier und zwanzig Fürsten: man suchte die Kostbarkeiten zusammen, die man dem Zeno entwendet hatte, und gab sie zurück. Nur machte Usong es zum Bedinge des Friedens, dass seine Unterhandlungen mit Venedig künftig ohne Hindernis durch die Länder und Häfen des Soldans fortgesetzt, und Leute und Waaren frei durchgelassen werden sollten. Der eroberte teil von Algezira blieb den Persern.

Usong hatte seinen Zweck erreicht, des Reiches Ruhm war behauptet, und die edle Absicht war fast ohne Blut erhalten worden. Er verlangte keine mehrere Länder, da Persien auch für einen grösseren Ehrgeitz weit genug war; er entliess die Gefangenen, und verteilte sein Heer in den Flächen um Tabris. Aber ehe es sich trennte, teilte er angemessene Geschenke und Ehrenbezeugungen unter die Fürsten, unter die Befehlshaber, und unter die Gemeinen aus: er hatte sich genau nach jeder lobwürdigen Tat erkundigt, und liess keine unbelohnt. Er sprach zu den Verdientesten selbst, er dankte ihnen im Namen Persiens, und die Feldherren mussten dem ganzen Heere des Kaisers Vergnügen und Hochachtung bezeugen.

Der Kaiser eilte in die arme seiner Liosua, und fand die chinesische Colonie mit vielen neuen Künstlern vermehrt. Der Abgeschickte war zurückgekommen, und Briefe vom weisen Liewang warteten auf den Kaiser. Der ehrwürdige Zongtu hatte alle seine Aemter niedergelegt, und sich nach Kiosö, in die Geburtsstadt seines grossen Ahnherrn des Kong-fu-tse begeben, wo er, wie er sagte, über den Uebungen der Weisheit den Tod erwartete. Er liess merken, dass das Verderben am hof zunahm. YngZong war ein Kind, die Tataren verwüsteten das Reich, der Kaiser selbst wurde eine kurze Zeit hernach von den Mongalen in einer Hauptschlacht gefangen, und in die Tatarei weggeführt. Liewang sah den Untergang des Reiches, der zwar lange hernach erst vollendet wurde, dessen Ursachen aber schon jetzt wirksam und unheilbar waren.

Von Timurtasch kamen auch Nachrichten, der an den Siegen einen grossen Anteil hatte, die über China errungen wurden. Aber Usongs Wohlstand vergnügt mich mehr als alle Siege, sagte der liebende Vater.

Zu eben der Zeit kam ein angesehener Araber mit einem Schreiben vom ehrwürdigen Hassan: er hatte Befehl es in die eigenen hände des Kaisers abzugeben. Der alte Alide wünschte dem Sohne seiner Liebe zu allem dem Guten Glück, das die Welt an ihm rühmte. Eines fehlete an der Vollkommenheit seiner Einrichtungen; Hasan fände nicht, dass etwas für die Religion wäre getan worden. Die Meschiden waren öde, man hörete kein Wort der Vermahnung. Das Volk verwilderte, es vergässe nicht nur den Propheten, sondern Gott selber.

Usong hatte für das höchste Wesen die aufrichtigste Ehrerbietung: von des Propheten Wundern war er nicht überzeugt, ob er wohl glaubte, die Welt sei dem Mahomet verpflichtet, weil er dem Götzendienste Einhalt getan, und seine Araber den einigen Gott anrufen gelehrt hätte. Er hatte auch den Gottesdienst nicht vergessen; zu wohl wusste der weise Herrscher, dass die Religion das wahre Band der menschlichen Gesellschaft ist, dass sie die sterblichen zu Brüdern macht, und dass sie die Völker am kräftigsten gewinnt, dem Fürsten als dem Stattalter Gottes zu gehorchen. Zu sehr hatte er sich in China überzeugt, dass ohne die Furcht des obersten Wesens die Menschen zwar eine äusserliche Ehrbarkeit beobachten, aber ihren Begierden kein genugsam kräftiges Gleichgewicht entgegen setzen können.

Hassans Klagen waren gegründet. Aber Usong hatte die Unmöglichkeit erfahren, würdige Diener der Gotteit zu finden. Er traf in Persien keine schulen an, wo man ein Lehrer der Religion bilden konnte, und keinen Imam, dessen Wissenschaft und Sitten die Würde