. Sein Herz brannte nach dem edelsten Ruhme, der beste, der weiseste, der rechtschaffenste unter denjenigen zu sein, die man mit ihm auferzog. Er fiel mit eben der Lust auf die Auszierung seiner Seele, die ihn zu den Uebungen des Leibes antrieb. Er las einen teil des Schuking's7, und schrieb die zierlichsten Züge. Sein Herz war gross genug, die Tugenden und die Vorzüge verschiedener zeiten und verschiedener Völker zu fassen.
Unter den Aufmunterungen seiner bewundernden Eltern, war Usong nunmehr vierzehnjährig worden: aber seine Kräfte waren zu einer mehrern Reifigkeit gekommen, als sein Alter zu gestatten schien. Er glühte vor Begierde, in einem wahren Kriege Ruhm und Erfahrenheit zu erwerben, und dennoch hatte er keine Hoffnung, die erlaubnis dazu von seinem liebenden Vater zu erlangen. Seine Mongalen bereiteten sich eben damals zu einem Einfalle in Schensi: die auserlesenste Mannschaft rüstete sich zu diesem Feldzuge wider die alten Feinde der Tschengiden. Usong entschloss sich heimlich diesem Streife beizuwohnen. Er versah sich mit Pferd und Waffen, und einer verstellenden Kleidung, und nahm niemand mit, als seinen vertrauten Scherin, der an Tugenden und Leibesstärke ihm ähnlicher, als sonst kein Mongale, aber etwas älter war. Er gab eine Jagd nach einem Gefilde vor, das von dem Wege nach Schensi am entlegensten war. Er nahm die Zeit in acht, da die nach China bestimmten Mongalen eine Tagreise von den Zelten seines Vaters lagen, und ereilte sie auf dem Wege. Sie nahmen ihn als einen von einer freundschaftlichen Horde ihnen zugezogenen Mongalen an, und der Zug ging vor sich, dieweil der bekümmerte Timurtasch in allen westlichen Gegenden den vermissten Sohn ängstlich suchen liess.
Die Scyten schwammen durch den gelben Fluss, und vermieden die grosse Mauer. Sie streiften durch die Wohnsitze eines reichen und in Sicherheit seinem Gewerbe nachgehenden Volkes, und sammelten eine unermessliche Beute. Aber ein rächender Feind wartete auf sie.
Liewang war Zongtu in Setschuen und Schensi, ein weiser und gerechter Herr, der mit den Vorzügen des Herzens alle Gaben des Verstandes vereinigte: ein würdiger Urenkel des Kongfuzee. Er unterstund sich nicht, der ersten Mut der Mongalen sich entgegen zu setzen. Aber er erwartete ihren Rückzug, wann sie mit einem beschwerenden Gepäcke, in der grössten Sicherheit, und mit der Nachlässigkeit, die die Folge derselben ist, wieder nach ihren Wüsten zurückkehren würden. Er wählte ein enges Tal, zwischen waldichten Hügeln, durch welches der Weg die Scyten führte. Er bot die geübtesten von seinen Kriegsleuten auf, die in dieser bergichten Provinz herzhafter als im südlichen China sind: er nahm eine Menge von denjenigen Kriegern mit sich, die aus eisernen Röhren bleierne Kugeln durch die Gewalt des entzündeten Staubes trieben, ein Gewehr, das weit tödtlicher verwundete, als die Pfeile der Scyten, das die Mongalen nicht kannten, und dem sie nichts gleich mörderisches entgegen zu setzen hatten. Er führte auch grosse metallene Röhren mit sich, die von Pferden fortgebracht wurden, und schwere steinerne Kugeln mit einer Gewalt von sich schleuderten, welcher keine Mauer widerstehen konnte, und die unter einer gedrungenen Schaar eine zernichtende Zerstörung anrichten.
Die ihren Feind verachtenden Mongalen kamen ohne sorge in das unglückliche Tal, wo ihr Untergang ihnen zubereitet war. Sie durchzogen es langsam, wegen der Menge der Gefangenen und des reichen Gepäckes, womit ihr Zug beschweret war. Plötzlich ertönete das Gebürge vom Knallen der tödtlichen Feuerröhre; der Tod regnete auf die tapfern Scyten von den Hügeln und aus dem Gebüsche herab; sie genossen nicht einmal den Trost ihren Feind zu sehen, und fechtend zu sterben. Usong, den sein ungeübter Mut, aus einem angebohrnen Triebe, an die gefährlichste Stelle, und an die Hinterhut geführt hatte, ermunterte die nächsten seiner Freunde. Eilt, rief er, aus dem Tale des Mordes zurück, und fallt dem Feinde in den rücken. Eine geringe Anzahl der kühnsten folgten ihm, und er stiess auf die Leibwache des Zongtu. Der junge Held öffnete sich den Weg mit dem Säbel, und drang auf den vergüldeten Drachen, das Zeichen der obersten Macht des Unterköniges; er schmeichelte ihm selber mit der Hoffnung den Feldherrn selbst zu stürzen, und sich den Weg zum Rückzuge über die erlegten Feinde zu bahnen. Aber die Zahl der kühnen Folger des Fürsten war zu gering, sie wurden umringt, ein teil fand an den Spiessen der Chinesen den Tod, und die übrigen wurden entwaffnet.
Usong war dem Zongtu so nahe gekommen, dass dieser Unterkönig seine Gesichtszüge erkennen konnte. Liewang sah ihn für einen aus dem entfernten Westen entsprungenen Fremden an, und konnte sich nicht entalten, seine Bildung zu bewundern. Er befahl, den schönen Jüngling gefangen zu nehmen, und der Befehl wurde leicht erfüllt, da Usong unter sein erlegtes Pferd zu fallen gekommen war. Man brachte ihn und seinen Freund mit andern Gefangenen nach der Hauptstadt in Schensi, dem unermesslichen Singan, das dem kaiserlichen Sitze zu Pecking an der Grösse nicht weicht. Liewang wurde als der Erretter des Landes empfangen, und das Volk, das so viele Tugenden an ihm bewundert hatte, fand nunmehr an seiner sieghaften Klugheit im Kriege neue Gründe, ihn zu verehren.
Der Lerm der Geschäffte hatte den Unterkönig gehindert, den gefangenen Fremdling zu sprechen; nur hatte er ihn befragen lassen, wie sein Vaterland hiesse, und warum er in das friedliche Reich eingefallen wäre? Usong kannte die mistrauischen gesetz von China; sich für einen Iwen erkennen zu lassen, war ein wider ihn ausgesprochenes Todesurteil. Er