Ungläubigen würgte?
Persien, fuhr er fort, ist mehr als halb eine Wüstenei; die natur hat es gesegnet; es ist am ärmsten an Menschen. Nur arbeitende hände können den Segen der Erde erwerben, und sie zu dem Zwecke bringen, den Menschen zu ernähren, wozu sie erschaffen worden ist. Die Gebern sind friedfertig und geduldig; vielleicht werden viele von ihnen die Wahrheit eines körperlosen und unermessenen Gottes von uns abnehmen, die hingegen Götzen von Erde und Leim anbeten würden, wenn wir sie zwängen, nach Indostan zu fliehen.
Usong kam in die lachenden Gegenden um Mayn, den Sitz der reinsten und reichsten Wasserquellen, durch das uralte Yezdekast, wo die Erde das edelste Getraide hervorbringt, und in das grosse Ispahan. Diese Stadt, sagte er, ist zur Hauptstadt von Persien gebildet: sie liegt fast von allen grenzen gleich entfernt, und der Senderud würde die gesammelten tausende der Perser ohne Mühe nähren, indem er der ganzen Fläche eine unerschöpfliche Fruchtbarkeit mitteilte. Aber die mildere Luft, deren Gelindigkeit der zärtlichen Liosua unentbehrlich geworden war, zog Schiras den Vorzug zu, und die Kriege riefen bald hernach den Kaiser nach Tabris.
Kaschan zog die Augen des Fürsten nach sich, weil es der Sitz der Seidenarbeiter war, die einen teil des Morgenlandes mit den schönsten Stoffen versorgten, und Zeuge verarbeiteten, die ausser seinen Mauern niemand zu verfertigen wusste. Hier nahm Usong die mit menschlichen Bildern durchwobenen Sammte, die er seiner verbündeten Republik schenkte, und die dieser Sitz der abendländischen Künste bewunderte, und eingestehen musste, Venedig hätte keine hände, welche die Geschicklichkeit der Perser nachahmen könnten.
Usong hatte zu Kaschan einen unerwünschten Anlass zu zeigen, dass er wert war, auf des gerechten Nuschirwans Trone zu sitzen. Zeno sah ihn einen Abend ungewöhnlich niedergeschlagen. Was mag das widrige Schicksal so zerschmetterndes im Rüstause seines Zornes haben, dass Usong unter der Gewalt erliegen sollte? Morgen wird mein Freund es sehen, sagte der Kaiser. Er hielt seinen Diwan in der Burg der alten Könige; die Fürsten und die Grossen stunden neben seinem Trone, und ein unzählbares Volk umringte den Pallast. Man rief einen Mustassem, einen Gärtner, der in der Vorstadt von Kaschan wohnte. Sieh dich um Mustassem: kennst du den Beklagten? Der Perser warf sich vor dem Kaiser nieder: hier ist er, sagte er, und wies auf einen Nowian, dessen Namen Kulkas war, und der als einer der Hauptleute einen teil der kaiserlichen Leibwache anführte.
Kulkas, mein Vetter, sagt der Mann wahr? fragte Usong mit einer ernstaften stimme, die kein Perser noch an ihm gehört hatte. Der Nowian sah beschämt auf die Erde, und sein Verstummen bewies seine Schuld.
Kulkas, sagte der Kaiser, wir sind nicht von den Ufern des einsamen Kokonors gekommen, die Perser zu unterdrücken. Gott hat mich auf den Tron gesetzt, sein Stattalter zu sein. Ersetze, was du an der Tochter des Gärtners begangen hast, lass sie dir antrauen, wirf ihr den grössten Wittwenschatz aus, den du einer Fürstin aus dem haus des Tschengis anbieten würdest: morgen sollst du mir Zeugen bringen, dass du gehorcht hast.
Der Mowian warf sich auf die Erde nieder, und ging mit den Geberden weg, die eine völlige Unterwerfung bezeugten.
Den andern Morgen erschien er, und Mustassen mit ihm; hier ist der Ehebrief, sagte Kulkas, hier ist das Vermächtniss.
Ist Mustassen zufrieden? Er verbeugte sich. Aber das Gesetz ist es nicht. Kulkas, rief der Kaiser, Persien hat mich zu seinem Richter berufen. Die Gerechtigkeit ist die grosse Beilage, die Gott mir anvertrauet hat. Sollen freier Männer unbefleckte Töchter unter den Augen des Kaisers geraubet werden, und soll er nicht zürnen? Ich werde das Blut des grossen Tschengis nicht vergiessen. Aber fliech Kulkas, suche Länder, wo die Gewaltsamkeit herrscht, und wo der Mächtige des Schwachen Ehre ungehindert unter die Füsse tritt. Meide meine Augen und Persien. Der Nowian entfernte sich, und floh zu den wilden Usbekken.
Bei der freundschaftlichen Abendtafel erzählte der Kaiser, was Dschneid und Zeno zwar errieten. Ich ritt einsam aus, sagte er, und hörte eine laute Klage aus einem wohlgebauten Garten erschallen, der voll der schönsten Blumen war. Mich wunderte es, vom Spitze der unschuldigen Wollust solches Winseln aufsteigen zu hören. Ich liess die Leute rufen: Herr, sagte der verzweifelnde Vater, der mich für einen Befehlshaber aus der Leibwache ansah, einer eurer Brüder hat meine Tochter mit Gewalt aus meinen Armen gerissen: sie war unbefleckt in der ersten Blüte ihrer Jugend, ich war zu schwach zu widerstehen, und die Schmach wird mein Tod sein.
Ich befahl ihm im Diwan zu erscheinen, und sich durch den Scherin, der mit mir ritt, bei dem Kaiser melden zu lassen.
Nun ermessen meine Freunde, wie mein Herz zwischen meiner Pflicht, und der Liebe, meines eigenen Blutes, beklemmt war. Der Mowian war mir nahe verwandt; ich beleidige vielleicht alle die Mongalen, die der Name eines Tschengiden aus den grenzen der Welt zu mir gelocket hat, und deren Liebe die Stütze meines Trones sein sollte. Und dennoch wie konnte ich anders handeln? Ist ein Nutzen möglich, der der Pflicht vorgeht.
Zeno erwiderte: in meinem vaterland schützt kein Namen wider die gesetz. Ein Zeno, es war mein Ahnvater, war der Retter seines Vaterlandes gewesen, niemand konnte leugnen, dass seine Tapferkeit die siegreiche Macht des