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Gerechtigkeit, die alle Triebe des Kaisers beherrschte. Er sah sich auch noch nicht gerüstet. Seine Perser wollten sich zum Gebrauche der Feuerrohre nicht gewöhnen; sie verabscheuten zu Fuss zu dienen, nicht weil sie die Gefahr fürchteten, sondern weil die Mühe in den heissen Himmelsstrichen das grösste Uebel ist, das die Morgenländer scheuen. Kaum hatte Usong einige wenige Kurden und Perser gewonnen, die unter seiner eigenen Aufsicht in eine Gesellschaft getreten waren, deren Geschäft und Belustigung die Uebung mit dem Feuergewehr war.

Bei seinen Bemühungen für Persiens Glücke, liess der muntere Usong den Mut niemals sinken; mit unablässigem Bestreben hofte er, wird die Hinderniss endlich überwunden, die die ersten Anfälle nicht bezwingen können. Ein Bach bat einen Felsen, sagte er zu seinen Persern, ihm den Durchgang zu gönnen. Stillschweigend widersetzte sich der Fels. Der Bach liess nicht ab, diesen Durchgang zu erzwingen: er arbeitete ganze Menschenleben durch, ehe man eine Rinne im Felsen gewahr ward: aber endlich brach der unermüdliche Strom durch, er nahm den Weg, den seine Standhaftigkeit ihm eröfnet hatte, und umschuf ein dürftiges Gefilde zu den schönsten Wiesen.

Das grobe Geschütz wurde zwar gegossen: aber die Perser zweifelten, dass es durch die engen Wege, und über die steilen Gebürge würde gebracht werden können. Auch liess der Kaiser kleinere Stücke verfertigen, die auf Kameele geladen werden konnten, und die in den Schlachten von einem ausnehmenden Nutzen waren.

Die Werkhäuser der Waffen fanden tausend Hindernisse: alle Künste sind verschwistert, und die eine kan nicht aufblühen, wenn sie den Schutz der andern entbehren muss. Tausenderlei Werkzeuge mangelten in Persien den in Welschland angeworbenen künstlichen Europäern; ein teil von ihnen starb unter einem ungewohnten Himmel, und die überlebenden arbeiteten mit Verdruss, weil die Hoffnung sie nicht aufmunterte, in ihrer Unternehmung zur Vollkommenheit zu gelangen.

Usong verbarg seine Sorgen dem Zeno nicht, und versprach sich von der Republik, sie würde ihm mit kundigen Arbeitern, mit Werkzeugen, und mit Geschütze beistehen. Die itzigen Künstler munterte er mit Geschenken, mit freundlichem Zuspruche, und noch am meisten mit den Proben seiner eigenen Kenntniss auf: denn einen Künstler kan nichts kräftiger aufmuntern, als die Versicherung, für einen Herrn zu arbeiten, der seine Geschicklichkeit zu schätzen weiss.

Die Zeit kam, da sich Usong vorgesetzt hatte sein Reich zu besehen: er nahm diesesmal sich vor, bis nach Eriwan zu gehen, und Irak, Aderbeitschan, Diarbekir und Algezira zu besehen. Dschuneid und Zeno begleiteten ihn mit einer auserlesenen Gesellschaft der aufmerksamsten Perser, und einiger Nowiane, alle zu Pferde, mit kriegerischem Ernste, und ohne dem Pomp der morgenländischen Monarchen. Nirgends liess Usong sich bewirten, er trat bei keinem Grossen ab, und wohnte beständig unter Zelten: er vermied allen Aufwand, der das Volk hätte drücken können, das allemal es schmerzlich fühlt, wenn die Könige prächtige Feierlichkeiten begehen. Das Reich soll seinen Herrscher zu sehen wünschen, und nicht fürchten, sagte Usong; die Pracht eines Hosts würde eine neue Last für mein Volk sein.

Er riss sich aus den liebenden Armen seiner sehnenden Gemahlin, und eilte nach Tschehelminar, dem kaiserlichen Sitze der mächtigen Hystaspiden. Sie hatten sich eine fruchtbare Fläche erwählt, wodurch tausend erfrischende Bäche rannen, und wo die schönsten Blumen, ohne die hülfe der Kunst aufkeimten, und die Augen an sich lockten. Zeno musste den Stolz dieser Schuttaufen bewundern, deren Altertum jenseits aller geschichte hinaufstieg, und, die Ueberreste von Palästen waren, deren Riesengrösse die Kruft der menschlichen hände zu übersteigen schienen. In den Felsen waren die grossen Taten der alten persischen Heiden in kolossalischer Gestalt eingegraben.

Usong fand auf den alten Denkmälern verschiedene Sinnbilder, die er auch in Aegypten wahrgenommen hatte, und zumal die geflügelte Kugel, die er für ein Zeichen der Gotteit hielt. Er sah die von etlichen Männern kaum zu umklafternden Säulen für die Ueberbleibsel des Palastes an, worinn Cyrus seinen Tron gesetzt hatte: und Zeno als ein Kenner, bewunderte zwar nicht den Geschmack der Zeichnung, aber die feinste Ausarbeitung der härtesten Steine. Alle gestunden, kein heutiger Fürst würde solche Gebäude zu unternehmen genugsame Schätze besitzen, und auch bei den erfindsamsten Völkern würden die Werkzeuge mangeln, die ungeheuren Lasten zu verfahren und aufzurichten.

Indem des Kaisers Gesellschaft sich unter dem Marmor und dem Porphyr verweilte, sah Dschuneid auf einem öden Berge ein Feuer aufgehn15. Er fragte, wozu doch auf dem dürren Felsen, ein so grosses Feuer unterhalten würde? Die Perser antworteten, er sähe ein ewiges Feuer der Gebern, das ihnen zum Tempel diente. Dschuneid fühlte, dass ein Alide war, er fuhr auf: ist es möglich sagte er zum Kaiser, dass ein Verehrer Gottes diese Anbeter der Elemente duldet?

Usong lächelte. Diese prachtvollen Ruinen waren der Sitz der Magen, und Cyrus war ein Geber. Persien zu befreien, hat seine erhabene Tugend ein langes Leben in beständigen Kriegen durchgearbeitet, und wir geniessen nach zwanzig Jahrhunderten die Früchte seiner Bemühung. Aber im Ernst, sagte er zu seinem Freunde: sollte Persien viele tausend arbeitsame Hünde missen, die besten Ackersleute verbannen, und ganze Länder zur Wüste machen, weil die armen Gebern in ihrem Gottesdienste irren? Hat Ali, hat Mahomet nicht die Christen geduldet, die er für Götzendiener ansah? Hat Omar selbst nicht des Abu Obeidah mildere Befehle gebilliget, der der Christen Blut schonte, und das siegreiche Schwerdt aus der Faust des unüberwindlichen Khaleds gerissen16, eben weil es allzugierig unter den