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Eine angezogene Glocke, mit der Beischrifft:
Mortis Christianus reminiscitur ære sonante.
Hört ein Christ den Glocken-Schlag,
Denckt er an den Sterbe-Tag.
4.
Ein verdorreter Baum, mit der Beischrifft:
Sic homo marcescit, veluti marcesit & arbor.
Es geht dem Menschen auf der Erden
Wie Bäumen, welche dürre werden.
5.
Ein aufsteigender Rauch, mit der Beischrifft:
Ut fumus transit, sic transit gloria mundi.
Das Leben kan nicht stets bestehen,
Es muss wie Rauch und Dampff vergehen.
6.
Ein toten-Sarg, mit der Beischrifft:
Est ita: mors talem loculum dabit omnibus atra.
Der tot wird allen, die noch leben,
Ein solches haus zur wohnung geben.
An jeglicher Seite der Pyramide in der Mitte war eine grosse Kupfferne Platte eingefügt, und die Nachricht mit goldenen Buchstaben darein geätzt. Die erste Seite gab demnach folgendes im Latein zu lesen:
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Heus! Viator,
gradum siste, lege, luge,
nimirum
hoc in saxeo sepulcro
placide requiescit
ALBERTUS JULIUS I.
supremus hujus Insulæ saxosæ dominus,
natione Saxo, ratione Nestor,
faustus infaustorum fatorum victor,
parens clarisimis parentibus clarior,
nauta, naufragio felix,
Crœsus ex Iro factus,
Rex non nomine, sed omine,
concordium familiarum conditor
juvante
CONCORDIA,
maxime
verus veræ pietatis cultor;
O irreparabile damnum!
quot conspicua boni ordinis specimina
ab incolis hujus insulæ conspiciuntur,
tot testes testantur
ALBERTUM
non fuisse Davum, sed Oedipum
non otiosum, sed negotiosum;
Posteri post sera secula ingemiscent,
JULIUM
vitam cum morte commutasse,
qui inermis rupes robustis hostibus robustiores
vicit,
& de naturæ difficultatibus triumphavit
majori cum pompa
quam si in urbem
Quatuor in niveis aureus isset equis;
migravit
e solo in polum
exemplar virtutum sine exemplo
sapientissimus bonorum morum magister,
acerrimus vitiorum osor,
certa vitæ cynosura,
Senex denique ad aram usque devenerandus
qui in adversis nunquam cogitavit,
nisi semper
qui credidit, ut vixit, & vixit, ut credidit,
hoc est,
vere, pie bene ac sincere;
sed tacet & jacet
cujus anima DEO placet,
postquam
d. VIII. Octobr. cIo Io CCXXX.
sensim sine sensu
animam exhalavit.
Hoc te volebam,
Viator,
nunc ubi, & quoad vivis, vive
in vita feliciter!
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An der andern Seite zeigte sich die Deutsche Schrifft eben dieses Inhalts, und gleichfalls mit güldenen Buchstaben eingeätzt in diesen Worten:
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Höre! mein Wandersmann,
stehe stille, liess dieses
und traure dabei.
In dieser steinernen Grufft ruhet in
guter Ruhe
Albertus Julius der Erste,
der Ober-Herr dieser Felsen-Insul,
von Geburt ein Sachse, von verstand
ein Nestor,
ein glücklicher Besieger der unglücklichsten
Schicksale,
ein Vater, der berühmter ist als viele
der berühmtesten Väter,
ein Schiffer, der durch Schiffbruch erst
glücklich
und
aus einem armen Iro ein reicher Crœsus
worden ist.
Ein König, nicht dem Nahmen, sondern
der Tat nach;
Ein Stiffter vieler einträchtigen Familien,
mit Bei-Hülffe seiner Gemahlin,
CONCORDIA,
sonderlich
in wahrer Liebhaber der wahren Gottes
Furcht.
O unersetzlicher Schade!
So viel herzliche Proben der guten Ordnung
von den Einwohnern auf dieser Insul
bewundert werden,
so viel unverwerffliche Zeugen sind:
dass
Albertus
nicht albern, sondern klug,
nicht ein Müssiggänger, sondern ein mehr
als zu fleissiger Arbeiter gewesen sei.
Dessen Nachkommen werden nach späten
zeiten noch klagen, dass
JULIUS
das Leben mir dem tod verwechselt;
welcher ohnbewaffnet die stärcksten Felsen
bezwungen,
die mehr als starcke Feinde zu schaffen machen,
auch über die Schwierigkeiten der natur
einen Triumph gehalten;
der prächtiger ist,
als wenn er in die Stadt Rom auf einem mit
weissen Pferden bespanneten güldenen
Wagen triumphirend eingezogen wäre.
Nun
hat das Irrdische mir dem Himmlischen
verwechselt:
ein unvergleichliches Muster der Tugend,
ein weiser Sitten-Lehrer,
ein abgesagter Feind der Laster,
eine gewisse Lebens-Regel,
ein Ehr-würdiger Greiss,
der im Unglück, an das Glück,
und im Glück, an das Unglück,
niemals
als allezeit gedacht
Der so geglaubt, wie er gelebt,
und so gelebt, wie er geglaubt;
das heist:
wahrhafftig, gottselig, wohl und aufrichtig.
Aber
sein Mund ist nun verschlossen,
er liegt,
dessen Seele sich in GOtt vergnügt,
nachdem er
im Jahr 1730. den 8ten Octobr.
ohne Empfindlichkeit, allmählich Atem
zu holen aufgehöret hat.
Dieses verlangte ich von dir,
Mein Wandersmann!
Nun gehe hin, und lebe, so lange du lebest,
glücklich.
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An der dritten Seite der Pyramide war eben diese Gedenck-Schrifft in Englischer Sprache zu lesen, und an den drei Seiten des Fuss-Gestelles der Pyramide noch dieses, ebenfalls in dreierlei Sprachen:
Albertus Julius
ward gebohren Ao. 1628. d. 8. Januar.
entdeckte diese Insul Ao. 1646. d. 8. Septembr.
hat also auf der Welt gelebt: 102. Jahr
9. monat,
auf dieser Insul zugebracht 84. Jahr
1. monat.
Leichen-Text:
Der 23ste Psalm.
Der HErr ist mein Hirt, mir wird
nichts mangeln, etc. etc.
Es gab diese Pyramide unsern Gottes-Acker eine nicht geringe Zierde, weswegen wir manchen Spatzier-gang dahin taten, und selbigen niemals leer von Leuten antraffen, sonderlich lieffen die Kinder fast täglich Hauffen-weise dahin, weiln aber auch die unvernünfftigen und wilden Tiere darauf herum lieffen, so beschlossen wir,