All_Enlightenment_67.txt

wollt, ist gut; dass ihr unsere Götter sein wollt, ist nicht gut. Warum wollt ihr euch doch nicht entschliessen, zu uns herabzusteigen, die ersten unter Gleichen zu sein? Die Weltregierung gelingt euch nicht; ihr wisst's. Ich mag euch hier nicht - mein Herz ist zu gerührt - die Fehlschlüsse vorrücken, die ihr bisher alle Tage gemacht habt, euch nicht die weit aussehenden Pläne vorrükken, die ihr mit jedem Vierteljahre verändert habt, euch nicht auf die Leichenhaufen der Eurigen hindeuten, die ihr im Triumphe zurückzubringen sicher rechnetet. - Einst werdet ihr mit uns einen teil des grossen sicheren Planes überschauen, und werdet mit uns staunen, dass ihr durch eure Unternehmungen blindlings Zwecke befördern musstet, an die ihr nie gedacht habt. Ihr seid gröblich irregeleitet; Glückseligkeit erwarten wir nicht aus eurer Hand, wir wissen's ja, dass ihr Menschen seid - wir erwarten Beschützung und Rückgabe unserer Rechte, die ihr uns doch wohl nur aus Irrtum nahmt.

Ich könnte euch beweisen, dass Denkfreiheit, ungehinderte uneingeschränkte Denkfreiheit allein das Wohl der Staaten gründe und befestige; ich könnte es euch durch unwiderlegbare Gründe einleuchtend dartun; ich könnte es euch aus der geschichte zeigen; ich könnte euch noch gegenwärtig auf kleine und grosse Länder hindeuten, die durch sie fortblühen, durch sie unter euren Augen blühend wurden; aber ich mag das nicht tun. Ich mag euch die Wahrheit in ihrer natürlichen Götterschöne nicht durch die Schätze anpreisen, die sie euch zur Morgengabe bringt. Ich denke besser von euch als alle die, welche dies taten. Ich traue es euch zu; ihr höret gern die stimme der ernsten, aber biedern Wahrheit.

Fürst, Du hast kein Recht, unsere Denkfreiheit zu unterdrücken: und wozu Du kein Recht hast, das musst Du nie tun, und wenn um Dich herum die Welten untergehen und Du mit Deinem volk unter ihren Trümmern begraben werden solltest. Für die Trümmer der Welten, für Dich, und für uns unter den Trümmern wird der sorgen, der uns die Rechte gab, die Du respektiertest.

Was wäre denn auch die Erdenglückseligkeit, die ihr uns hoffen lasst, wenn ihr auch wirklich sie uns geben könntet? - Fühlt in eure Busen, ihr, die ihr doch alles geniessen könnt, was die Erde an Freuden hat. Erinnert euch der genossenen Freuden. Waren sie eurer Sorgen vor dem Genüsse, waren sie des Ekels und des Überdrusses wert, der dem Genüsse folgte? Und noch einmal wolltet ihr euch, um unsertwillen, in diese Sorgen stürzen? O, glaubt es doch, alle die Güter, die ihr uns geben könnt, eure Schätze, eure Ordensbänder, eure glänzenden Zirkel, oder der Flor des Handels, die Zirkulation des Geldes, der Überfluss an Lebensmitteln - ihr Genuss, als Genuss, ist des Schweisses der edlen, ist eurer Sorgen, ist unsers Dankes nicht wert. Nur als Instrumente unserer Tätigkeit, als ein näheres Ziel, nach dem wir laufen, haben sie in den Augen des Vernünftigen einigen Wert. Unsere einzige Glückseligkeit für diese Erde - wenn es doch ja Glückseligkeit sein soll - ist freie ungehinderte Selbsttätigkeit, Wirken aus eigener Kraft nach eigenen Zwecken mit Arbeit und Mühe und Anstrengung. - Ihr pflegt uns ja auch auf eine andere Welt zu verweisen, deren Preise ihr aber meist auf die leidenden Tugenden des Menschen, auf passives Dulden und Tragen aussetzt. - Ja, wir blicken in diese andere Welt, die nicht so scharf von der gegenwärtigen abgeschnitten ist, als ihr glaubt, deren Bürgerrecht wir schon hier tief in unserer Brust tragen und es uns von euch nicht wollen nehmen lassen. Dort werden uns die Früchte unseres Tuns, nicht unseres Leidens, schon jetzt aufbewahrt; sie sind schon an einer milderen Sonne, als dieses Klima hat, gereift; erlaubt, dass wir uns hier auf ihren Genuss durch strenge Arbeit stärken.

Über unsere Denkfreiheit habt ihr demnach gar keine Rechte, ihr Fürsten; keine Entscheidung über das, was wahr oder falsch ist; kein Recht, unserem Forschen seine Gegenstände zu bestimmen oder seine Grenzen zu setzen; kein Recht, uns zu verhindern, die Resultate desselben, sie seien nun wahr oder falsch, mitzuteilen, wem oder wie wir wollen; ihr habt in Rücksicht ihrer auch keine Verbindlichkeiten; eure Verbindlichkeiten gehen bloss auf irdische Zwecke, nicht auf den überirdischen der Aufklärung. In Rücksicht dieser dürft ihr euch ganz leidend verhalten; sie gehört nicht unter eure Sorgen. - Ihr möchtet aber vielleicht gern noch mehr tun, als ihr zu tun schuldig seid. Wohlan! Lasst uns sehen, was ihr tun könnt.

Es ist wahr, ihr seid erhabene Personen, ihr Fürsten; ihr seid wirklich Stellvertreter der Gotteit - nicht wegen einer angeborenen Erhabenheit eurer natur - nicht als beglückende Schutzgeister der Menschheit, - sondern wegen des erhabenen Auftrages, die Rechte derselben zu schützen, die ihr Gott gab, - wegen der Menge schwerer und unerlässlicher Pflichten, die ein solcher Auftrag auf eure Schultern legt. Es ist ein hehrer Gedanke: Millionen von Menschen haben mir gesagt - siehe, wir sind vom Götterstamme, und das Siegel unseres Ursprungs ist an unserer Stirn - wir wissen die Würde, die uns dieses gibt, die Rechte, die wir zu unserer Ausstattung aus dem väterlichen haus mit auf diese Erde brachten, nicht zu behaupten, - wir Millionen nicht: wir legen sie in Deine hände; sie seien Dir heilig um ihres Ursprungs willen, behaupte