dasjenige in Schriften, die für den grossen Haufen bestimmt sind, zu vermeiden, was durch Missverstand und falsche Deutung die einmal daseiende Unruhe und Gärung leicht verstärken und Übel ärger machen könnte.
Vor allen Dingen scheint es mir unter Umständen dieser Art nicht bloss ratsam und der Klugheit gemäss, sondern selbst höchst nötig zu sein, dass die Regierung solche Schriftsteller, die ihres persönlichen und schriftstellerischen Charakters wegen schon dem ganzen Publikum verächtlich geworden sind, oder sich durch Unbesonnenheit, wilde leidenschaft, Mangel an Geist, Geschmack und Talent lächerlich gemacht haben, auf alle schickliche und wirksame Weise abhalte, sich nicht öffentlich zu verteidigen und zu Schutzrednern der Fürsten und ihrer Recht aufzuwerfen.
Es ist ein leichtes, solche Menschen zum Schweigen zu bringen. Es bedarf oft weiter nichts, als dass ihrer Eitelkeit oder ihrer Geldgier der schnöde Lohn, um den sie buhlen, versagt wird. Ein ernstlich bezeigtes Missfallen oder eine unter der Bedingung des Schweigens dem hungrigen Schreier zugeworfene geringe Summe Geldes würden vollends allem Übel abhelfen.2 Doch dies letztere ist nicht einmal nötig und möchte in anderer Rücksicht selbst nachteilig sein - es ist an dem ersten schon genug.
Die Sache an sich selbst aber ist viel wichtiger, als man vielleicht glaubt.
Ein schlechter, verächtlicher und verachteter Verteidiger kann der besten Sache den grössten Nachteil tun - das ist allgemein wahr und trifft in diesem Fall ganz besonders und in vorzüglich hohem Grade zu.
Man urteile doch selbst darüber, nachdem man sich die Sache, wie sie ist, vorgestellt hat. Wenn ein Mensch die offenbarsten historischen Unwahrheiten ungescheut vorträgt, alle natürlichen Grundsätze des Rechts, der Vernunft und Sittlichkeit ohne Scheu verkennt und ableugnet, den Fürsten eine Gewalt zueignet, die ihnen durchaus nicht zukommt, und auf die kein Verständiger unter ihnen Anspruch macht, ihre wirklichen Gerechtsame und Vorzüge aus falschen Gesichtspunkten darstellt und ihre offenbaren Irrtümer und versehen als erhabene Weisheit und Tugend ausposaunt - muss ein solcher Mensch nicht äusserst widrige Eindrücke machen, die bei dem nicht sehr einsichtsvollen und in seinem eigenen Urteil befestigten Leser gar leicht auf die Vorstellung von der Sache selbst und auf deren Beurteilung nachteiligen Einfluss haben können?
Wenn nun ein solcher Mensch noch obendrein ein elender Schriftsteller ist, pöbelhaft schimpft und lästert, die angesehensten Männer der Nation als Feinde der Fürsten verschreit und also dem Publikum das Ansehen und das Interesse der Regenten durch seine falsche Vorstellungsart nicht bloss im allgemeinen Streit mit der Autorität der Vernunft, sondern auch im besonderen mit der Autorität der besseren und edlen, allgemein verehrten Menschen zeigt - muss das nicht einen höchst widrigen und unglücklichen Erfolg haben?
O edle deutsche Fürsten, hütet Euch, dass solche Menschen Euch nicht überraschen und nur das kleinste Merkmal Eures Beifalls erschleichen!
Sie sind Eure gefährlichsten Feinde, täuschen Euch selbst und erbittern gegen Euch die Herzen der verständigen rechtlichen Bürger, sobald dieselben Euch in Verbindung und Gemeinschaft mit ihnen glauben.
Das wahre Interesse der Regierung erfordert durchaus, die einsichtsvollen, gebildeten, freimütigen und edlen Menschen im Staat auf ihrer Seite zu haben. Diese geben, wenn auch nicht immer in dem gegenwärtigen Moment und auf eine auffallend merkliche Art, doch gewiss über kurz oder lang und mittelbarerweise den in der Nation herrschenden Ton an.
Auf alle Fälle wissen sie am besten, was zum Wohl des Landes und des Fürsten gehört; haben dafür das reinste und stärkste Interesse und sind zuverlässig und brauchbar. Die Heuchler und Schmeichler sind ein verderbtes Gesindel, welches niedere Eigensucht treibt, und das nicht liebt die Wahrheit und das Recht, den Fürsten und das Land.
Den Schmeichler zu verscheuchen und den freimütigen Mann zu hören, ist des Fürsten, der es redlich mit dem Volk, das er beherrscht, meint, erste und heiligste Pflicht - und redlich es mit dem Volk zu meinen, war von jeher der Fürsten wahre, und ist in unseren zeiten die einzige Politik.
Der Verfasser dieses Aufsatzes hält es für diensam, sich in Rücksicht desselben noch über einige Punkte gegen seine geneigten Leser zu erklären.
Zuvörderst scheint es ihm nicht überflüssig, zu bemerken, dass er in seinem ganzen Leben in Rücksicht seiner selbst nie eine nahe oder entfernte äussere Veranlassung gehabt hat, über den verhandelten Gegenstand nachzudenken. Er ist so glücklich gewesen und ist es noch, unter Regenten zu leben, während deren Regierung es niemand, soviel er weiss, nur eingefallen ist, Aufruhr erregen zu wollen oder Verbote dagegen ergehen zu lassen. Soweit er die allgemeine stimme in diesen Ländern, unter diesen Regenten, kennengelernt hat und darüber zu urteilen imstande ist, würde dieselbe einen Aufrührer mehr für blödsinnig oder verrückt, als für einen Bösewicht und gefährlich erklärt haben. Von Beschränkung der Pressefreiheit, von verbotenen oder konfiszierten Büchern, von Untersagung freimütiger Reden über Staatsangelegenheiten usw. hat er in den beiden Staaten, solange er Mitbürger derselben war und ist, nicht einmal reden hören; und er selbst hat bei einer sehr lebhaften Freimütigkeit und sorglosen Offenheit nie irgendeine Unannehmlichkeit von seinen Oberen erfahren. Er ist von seinen höchsten und nächsten, von ihm verehrten und geliebten Vorgesetzten von jeher auf die alleredelste und gütigste Art behandelt und ihm keine auch noch so starke freimütige Äusserung seiner Überzeugungen übel ausgelegt worden.
Er ist selbst in den zeiten grosser Gärung und bürgerlicher Unruhen durch mehrere europäische Länder gereist, ohne dass ihm seine Freimütigkeit auch nur das kleinste Missvergnügen zugezogen hätte.
Es ist also, wie gesagt, durchaus keine persönliche Veranlassung oder irgend etwas von Privatunlust, Absicht usw., das ihn zum Schreiben bestimmt hat. Es sind die