und Galeeren, wie es der Wüterich verdient. Schwache Fürsten glänzen bloss im Zirkel ihrer Schmeichler. Reisst die Hand des Todes das Diadem von ihrem Haupt, so nennt die Nachwelt ihre Namen mit Verachtung. Philipp der Zweite und der Helfershelfer seiner Intoleranz, ein Teufel in der Gestalt eines Herzogs von Alba, würgen Hunderttausende; was tun sie anders, als sie graben den Stempel, womit die Nachwelt ihr Andenken brandmarkt? Was anders, als sie legen den Grund /u ihrer ewigen Schande, solange die geschichte das Gedächtnis ihres Namens erhält? Wohl dem Land, das einen König hat, der die Religion liebt, aber niemanden verfolgt, der ein guter Bürger des staates ist; der seinen Hofpredigern ihre Meinungen lässt und den, der anders denkt wie sie, mit ihnen schützt; der die Aufklärung liebt und sie nicht hemmt; der lieber über vernünftige Menschen als über stupide Dummköpfe herrscht, die oft gefährlicher sind als reissende Tiere. Wohl dem Land, das der Aufklärung seinen Joseph II. zu verdanken hat; und jedem Königreich, das ihr gute Fürsten, gerechte gesetz, edle Handlungen und jedes Glück schudig zu sein glaubt, das sie bewirkt.
Auch dem menschlichen Verstand ist Aufklärung ein Bedürfnis. Jede Entwicklung seiner Kräfte, jede Berichtigung seiner Ideen, jede Verfeinerung seiner Kenntnisse und jede Vervollkommnung seiner Fähigkeiten ist Aufklärung. Ohne sie gibt es keine berichtigten Prinzipien des menschlichen Denkens; keine Wahrheit in den Empfindungen; keine Richtigkeit im Urteilen; keine Verbesserung in der Spekulation und keine Vervollkommnung der Grundsätze der Philosophie. In dem Reich der natur hat sie Wunder getan wie in der Weisheit. Ruhig hören wir durch sie die Donner brüllen; sie zeigte uns sogar den Weg, die Blitze zu bändigen. Die grossen Auftritte der natur erhielten durch sie Majestät, da sie ohne dieselbe, in der Hand des Aberglaubens, Werkzeuge göttlicher Rache waren. Sie zeigte den Menschen Mittel, in den schrecklichsten Stürmen des Meeres sicher und gefahrlos durch Wogen zu schiffen, die ihre Erfindung bändigte. Sie lehrte uns die Fruchtbarkeit der Erde vermehren und zeigte dem Landmann Wege zur leichteren Erhaltung. Sie fand Hindernisse an Vorurteilen; aber sie besiegte sie - zwar nur allmählich, aber desto mächtiger.
2. Wie weit geht die Aufklärung? Hat sie Grenzen oder hat sie keine?
Diese Frage ist wichtig. Von ihrer Erörterung hängt das ganze Urteil ab, ob sie nützlich oder schädlich und ob sie oder Täuschung besser sei.
Besteht die Aufklärung in Berichtigung der Begriffe nach Prinzipien reiner Wahrheit, so begeht der, welcher ihr Grenzen setzt, ein Verbrechen. Je weiter sie ihre herrschaft ausbreitet, je glücklicher macht sie den Staat und seinen Beherrscher. Wir wollen dies in Hinsicht der Staatsverwaltung und der Religion überdenken und dann urteilen.
Verliert der Staat durch Aufklärung oder gewinnt er? - Verliert oder gewinnt die Religion durch Aufklärung? - Ist überhaupt Täuschung nötig und nützlich?
3. Verliert oder gewinnt der Staat durch Aufklärung?
Die Aufklärung zieht gegen Täuschung und Vorurteil zu feld. Was verliert also der Staat, wo sie siegt? Täuschung und Vorurteile.
Vom Regenten an, den die Aufklärung zum Vater seines Landes macht, bis zum Geringsten seiner Untertanen, den sie tugendhaft machen will, geht diese Untersuchung.
Der Regent, der blossen Gehorsam fordert, ist ein Despot. Alles, sein ganzer Staat, ist ihm sein Eigentum. Die Gedanken seiner Untertanen, die er fürchten muss, tyrannisiert er. In Siam nimmt der Despot alles in Anspruch. Wenn die Bedienten seiner Tyrannei einen Baum mit schönen Früchten sehen, so sagen sie dem, der ihn pflanzte und wartete: die Früchte sind für den Kaiser. Der Kaiser der Osmanen, wenn er einen reichen Minister hat, nach dessen Schätzen ihn dürstet, schickt die Stummen mit der Schnur, und der Minister reicht gehorsam seinen Hals dar. Hört er von einer Schönheit, sie sei die einzige Tochter eines Muselmans, so entreisst er sie den Armen des Vaters und der Mutter zu seinen Lüsten. Der Kaiser in China setzt seine Mandarins auf Esel; der Regent in Japan befiehlt ihnen, sich den Bauch aufzuschneiden; der König in Spanien übergibt seine Untertanen der Inquisition; und kleinere Despoten usurpieren Rechte über die Gewissen. Ist der Monarch, der so handelt, aufgeklärt und durch seine Vorurteile und Täuschung glücklich? Die Kaiser von Siam, von Stambul, von China, von Japan und fast alle Beherrscher des griechischen Kaisertums, wurden sie entweder nicht alle ermordet oder verstümmelt oder geblendet, oder sonst auf eine Art erwürgt? Alles Folgen des Despotismus, der entsetzlichsten Täuschung nach jener in der Religion.
Regenten, die ihre Staaten wie Väter beherrschten: waren diesen ihre Völker weniger untenan, als jene der Despoten? Hatten ihnen ihre aufgeklärten Prinzipien von Staatskunst nicht die Liebe ihrer Untertanen erworben, nicht die Treue ihrer Völker geschützt; haben für sie zu sterben ihre Untertanen nicht für Pflicht gehalten? Und wenn tugendhafte Regenten fielen, wenn Ravaillac einen Heinrich den Vierten ermordete, war es die Aufklärung oder der Mangel an aufgeklärter Religion und ihrer Diener? Welcher von Preussens Monarchen bedurfte einer Leibwache gegen seine Untertanen? oder konnte unter ihnen nicht frei, wie ein Vater unter seinen Kindern, wandeln? Und Preussen ist doch unstreitig der aufgeklärteste Staat der Welt; und in der Residenz der Aufklärung ist das Leben des Monarchen sicher, die Wohlfahrt der Untertanen durch das weiseste Gesetzbuch aller Nationen, so wie die Rechte ihres Gewissens und bürgerlichen Freiheit bis jetzt, und wollte Gott! sie