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in der Hand eine brennende Kerze ...

Auch ein aus Neapel hereingebrachter "waldensischer Geistlicher" und ein Laienbruder des heiligen Franciscus, der eines unsteten, abenteuerlichen Lebens angeklagt: war, mit ihnen ein Geistlicher, welcher trotz seiner Klausur in einem Strafkloster dennoch zu mehreren von jenem Geistlichen verführten ketzerischen Seelen hielt, endlich ein alter Hirt aus Calabrien hatten allerdings so noch im vorigen Jahr vor einem Gericht der dortigen Inquisition gestanden ...

Das heilige Officium von Neapel lieferte sie auf höhere Weisung nach Romwohin drei von ihnen vor kurzem angekommen waren ... Verschmachtet der Einenicht infolge der an ihm verübten Martern oder peinlicher Entbehrungen, sondern durch die Jahre ... Die beiden andern gedrückt durch Kummer und sorge um diesen ihren greisen Mitgefangenen ... Negrino wurde in den Silaswald zurückgeschickt ...

Einen Tag vor ihrer Abreise von Neapel standen sie alle vier vor dem dortigen Gericht zum letzten mal – ... Den Bruder Federigo mussten schon da die Laienbrüder der Dominicaner tragen ... Was ihnen allen zur Last gelegt wurde, hatten die Gefangenen eingestanden ... Der Spruch war nicht zu hart ... Die Jesuiten wollten das Verderben dieser Leuteso trotzten die Dominicaner ... Das ist die innere hierarchische Welt ... Hubertus sollte zu seinem gleichfalls in Alarm gebrachten Orden zurück in die Strafzellen auf San-Pietro in Montorio ... Federigo sollte seinen Spruch in Rom empfangen ... Paolo Vigo hatte geloben müssen, Italien zu verlassen ... Negrino wurde auf einige Jahre excommunicirt und unter polizeiliche und kirchliche Aufsicht gestellt ...

Die Oberaufsicht über die Gefängnisse der Inquisition hat nicht der General der Dominicaner allein, sondern mit ihm ein Maestro del Sacro Palazzo, gleichfalls ein Dominicaner, zu gleicher Zeit Haushofmeister des Papstes, nach unserm Sprachgebrauch Kammerherr und Oberhofmarschall ... Die Aufsicht im Inquisitionspalast selbst führt ein einfacher Prälat des Officiums ...

Dieser war keinesweges erstaunt, in so eiliger Hast zwei Cardinäle vorfahren zu sehen ... Der General, – dieser war es, der dem Cardinal Ambrosi geschriebenhatte bereits auch ihn instruirt ... Der Erzbischof von Coni hatte ordnungsgemäss die seelsorgliche Competenz für den ehemaligen Eremiten von Castellungo ... Waren vollends beide Deutsche, so konnte der Besuch ganz in der Ordnung erscheinen ... Im Vatican waren Bonaventura und Ambrosi gerngesehen; der Maestro del Sacro Palazzo, Hofmarschall Pater Tommaso hatte schon seit längerer Zeit zu allen, jene Ketzer aus dem Silaswald betreffenden Wünschen Ambrosi's seine Zustimmung gegeben ...

Cardinal Ambrosi stieg zuerst aus und erklärte mit bewegter stimme, Monsignore d'Asselyno wünsche Einlass in die Zelle des sogenannten Frâ Federigo ...

Der Prälat setzte der Erfüllung dieses Wunsches nichts entgegen und machte dem noch im Wagen sitzenden Cardinal d'Asselyno die Anzeige, der General und Pater Tommaso hätten bereits die entsprechenden Befehle gegeben ...

Bonaventura stieg aus – ... Seine Caudatarien mussten ihm aus dem Wagen helfen ...

Ambrosi kannte Hubertus von ihrem Zusammenleben im Kloster San-Pietro in Montorio her ... Nicht auffallen durfte es, wenn auch er wünschte, solange zu einem der Gefangenen gelassen zu werden ... Hubertus war ein Mitglied des Ordens, dem er selbst angehörte ...

Der Prälat erklärte, dass Hubertus und Paolo Vigo versprochen hätten, sich bis auf weiteres nach SanPietro in Montorio zu begebenaber der Aelteste der Gefangenen, Frâ Federigo, wäre bedenklich erkrankt und schiene seinem Ende nah ... In Ambrosi's Antlitz zuckte es schmerzlich aufer wollte die vielleicht letzte Begegnung zwischen Vater und Sohn nicht stören ... Obschon selbst von mächtigster sehnsucht nach seinem alten Lehrer ergriffen, liess er Bonaventura den Vortritt ...

Der Prälat führte seinen hohen Besuch über den Hof eine Stiege hinauf, wo sich die Cardinäle trennen mussten ... Noch geleitete Ambrosi den halb ohnmächtigen Freund bis vor die Zelle, die er bat für diesen aufzuschliessen ... über ihr standen die grausamen Worte aus dem 109. Psalm: "Der Satan muss stehen zu deiner Rechten!"4... Wie auch die Jesuiten alles aufboten, die Dominicaner zur Ausübung ihrer alten Gerechtsame zu zwingen, doch konnte man sagen: Der Katolicismus dieser Form ist tot und das AlGesú kann und wird ihn nicht wieder lebendig machen ...

Die Tür steht offen! sprach der Prälat ... Zwei Väter sind beschäftigt, dem Unglücklichen die letzten Tröstungen zu geben ... ärzte hat er abgelehnt ... Doch sind deren in der Nähe ... Sie geben keine Hoffnung – ...

Die letzten Tröstungen! – sprach für sich Ambrosi und setzte laut hinzu: Ueberlasst die Vorbereitung seinem Oberhirten! ... In der Stille der Einsamkeit wird die Seele des Armen seinen Mahnungen zugänglicher sein ...

Der Prälat, einverstanden und verbindlich sich verbeugend, öffnete ohne Argwohn die Tür ...

Zwei weissgekleidete Mönche sassen in einem dunklen Vorgemach und lasen mit lauter stimme im Brevier ... Der Prälat winkte ihnen aufzuhören und ihm zu folgen ... Sie traten mit ihm hinaus ...

Bonaventura's Seele drohte den Körper zu verlassen ... Bewusstlos hob er den Fuss über die SchwelleDie Tür wurde leise hinter ihm angelehnt ... Hinter dem dunklen Vorgemach folgte ein Zwischenzimmer ... Es wurde durch eine Lampe erhellt, die in einem dritten Raum,