prunkend verzeichnet stehen, auf die mangelhafte Polizeiverwaltung, auf das ungeregelte Passwesen bei Vagabunden – die ehrlichen Leute werden genug damit geplagt – erntete aus dem mund des der Hochzeit Olympia's wehmütig gedenkend dahinschreitenden Priesters nur die einzige Erwiderung:
Si! Si! Si! ... Quest' un' teatro antico ... Il teatro di Marcello! ...
Selbst die Erwähnung Castellungo's schien der Pater Vincente überhört und von dem Pilger nichts verstanden zu haben ... Und doch war es wohl nur Frà Federigo, sein Lehrer, ein Deutscher, jener Mächtige, vor dessen Lehren er einst geflohen war und der fast schon den Bruder Hubertus zu seinen Anschauungen hinübergezogen zu haben schien ...
Sebastus hörte nichts von alledem ... Der starrte nur den im Schatten liegenden antiken Trümmerbau an ...
Hier aber war es lebhafter geworden ... Einzelne vergoldete Kutschen mit prächtigen Livreen jagten vorüber, die Pferde aufgeputzt mit hängenden roten Troddeln am Ohr und mit bunten Geschirren ... An die Rennbahn der Alten liess sich denken ... Sebastus dachte, da er vom Marcellusteater hörte – an die alten Tage von Göttingen – Seltsame Ideenverbindung! An den auch von Doctor Püttmeier verherrlichten "Quincunx" – das Schenkenzeichen! ... Denn die "Goete-Kneipe" musste ja hier in der Nähe liegen, Goete's Campanella, jetzt nur noch berühmt durch ihr Fremdenbuch und ihren schlechten Wein ... Die Trümmer des Marcellusteaters waren in Hütten und Paläste verbaut ... dicht in der Nähe lag der Palast der Beatrice Cenci ... Auf alles das besann sich Klingsohr aus seiner alten "klassischen Zeit" ...
Aber auch die "romantische" wirkte mächtig ... Schon begegnete man im sich mehrenden Strassenleben andern Mönchen, die mit Körben und Säcken gleichfalls zur Porta Laterana liefen ... Kapuzinern in langen Bärten, Franciscanern aller Grade, Augustinern, Karmelitern; selbst die vornehmen Dominicaner erinnerten sich, dass sie das Gelübde der Armut abgelegt hatten; auch sie schickten ihre "Brüder" auf die Hochzeit der Nichte des Cardinals ... Kein Trupp stand dem andern Rede ... Kein Lächeln hatten sie oder nur eines, das nicht im mindesten die phantastischen Gestalten als in einer tollen Mummerei begriffen und sich (Augur augurem!) erkennend darstellte ... Nur der Gewinnsucht galt es und dem Vorsprung, den ein Kloster vor dem andern suchte ... Die beiden Deutschen sahen ihre Mitstreiter im römischen Lager ... Welche Welt! ... Und hier nun doch noch so spät ein Leben und Bewegen? ... Da noch wird gekocht und geschmort auf offener Strasse? ... Da noch werden Melonen ausgeschrieen? ... Noch Citronenwasser? ... Frische Kirschen? ... Klingen nicht sogar Geigentöne? ... Lacht nicht ein Policinell im Kasten? ... Das alles heute in der Hochzeitnacht Olympiens! ... Roms Saturnalien! ...
Noch haftete Sebastus' Phantasie, wie das in Rom so geht, bald an Goete, bald an Winckelmann, bald an Ovid, bald an Horaz, die den Marcellus besungen haben, den Neffen des Kaisers Augustus, dem dies Teater da gewidmet ... Da erscholl plötzlich ein fernes Klagegeheul und ein hundertstimmiges Miserere ...
Es kam, wie Pater Vincente erläuterte, von der "Bruderschaft des Todes", den Begleitern der Leichen, die in Rom bei Nacht begraben werden ...
In wilder Hast, als wenn der tote die Pest verbreitete oder als wenn Christen einen eben gerichteten Märtyrer in die vor den Toren gelegenen heimlichen Begräbnissstätten flüchteten, trugen Männer in langen, schwarzen oder weissen, über den Kopf gezogenen Kutten, die nur den Augen zwei kleine Lücken liessen, wie Gespenster einen Sarg dahin ... Andere dazu schwangen fackeln ... Neben den fackeln liefen Bursche und sammelten in Schalen das tröpfelnde Wachs, das sich wieder brauchen liess ... Schnuphase hätte sich niedergeworfen wie alle – er schon vor solcher heiligen Sparsamkeit ... Mönche und Bruderschaften, einen Priester mit seinem Akoluten und Messknaben umringend, sangen: Miserere! in nicht endender Litanei ... Vor dem klingelbegleiteten Sanctissimum, das der Priester hoch in den Fackelqualm emporhielt, warf sich alles nieder ... Aber immer weiter, weiter, wie auf rasender Flucht, ging der Zug dahin ... Pater Vincente sagte – um die Leiche in eine Kirche jenseits der Tiber zu stellen, von wo sie erst der gewöhnliche Leichenwagen abholt ... Der Todtenkopf des "Bruder Abtödter" war Leben gegen die Vorstellung, dass unter allen diesen weissen und schwarzen Kutten und Kapuzen Skelette wandeln müssten ... Aus den kleinen Oeffnungen vor den Augen dieser Männer glühte es wie leuchtende Kohlen ...
Nehmen wir den Weg über das Capitol! sagte Pater Vincente, als sich die Mönche mit den andern wieder erhoben hatten und der wilde Zug vorüber war ... Ihn schien er nicht erschüttert, nicht so zur Eile gedrängt zu haben, wie den Pater Sebastns ... Zur Eile! ... Musterte eben die "Braut von Rom", wie ein Schmeichler die junge Fürstin heute besungen, oder der Cardinal oder die Herzogin von Amarillas die Reihen der Mendicanten, die an der Pforte der Villa Rucca standen – er war ja dessen gewiss, dass San-Pietro in Montorio vor allen