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gebundener Rede. Man traute eben ehedem der Poesie Grösseres und Praktischeres zu als jetzt. – Vieles an den Formeln ist sinnlos geworden, namentlich die geheimnisvollen Worte am Beginn und Ausgang. Sie haben einst, ihre Bedeutung gehabt; imposanter wurden sie, wie manches andere, wohl von der Zeit an, wo man sie nicht mehr verstand. Wie feierlich klingt das "daries, dardaries, astaries, Disunapiter!" mit dem Catos Verrenkungsspruch sich einleitet, wie rätselvoll das "alau, tahalaui, fugau!" in dem lateinischen Spruch, der die verirrten Klosterschweine segnend zurückbeschwören soll! (Sanktgallische Handüberhaupt Grimm, Mytologie, cap. 38. 215 Lex Alamannorum tit. 45, de rixis, quae s a e p e fieri solent in populo. 216 "Dem Schröter, den es mit Donner und Feuer in Bezug setzt, mag das deutsche Volk besondere Ehre angetan haben." Grimm, Mytologie (3. Ausg.), p. 657. S. auch p. 167 über die Bedeutung dieses und anderer Käfer. 217 Über die Einrichtung der Sendgerichte vgl. J.v. Arx, Geschichten des Kantons St. Gallen I, 257. 218 Maiores locorum de quibus scriptum est, "quia servi, si non timent, tume n t " , scuta et arma polita gestare incoeperant; tubas alio quam ceteri villani clanctu inflare didicerant, canes primo ad lepores, postremo etiam non ad lupos sed ad ursos et ad tuscos, ut quidam ait, minandos aluerant apros. Ekkeh IV, casus S. Galli, cap. 3. bei Pertz, Monum. II, 103. 219 P e r H a d e w i g a e , a i t , v i t a m ! sic enim iurare solebat... Ekkeh IV, casus S. Galli, c. 10. 220 ich hoere ein sueze stimme

in mînem huobet singen

die hoere ich gerne klingen ...

Der Weinschwelg, v. 268 u. ff.

221 Elpentrötsch, tölpentrötsch, trilpentrisch, hilpentritsch usw., ein linkischer einfältiger Mensch, dem die Elbe (Elfen) etwas angetan haben. S. Grimm, Mytol., 412. 222 Der Kuckuck ist bekannt als der Orakelverkünder im frühlingsgrünen wald. Viel merkwürdige Traditionen über ihn s. bei 25 Grimm, Mytologie, 640 u. ff. Eine sehr alte Sage erzählt, er sei ein verwünschter Bäcker oder Müllerknecht, der armen Leuten von ihrem Teig gestohlen, und trage darum fahles, mehlbestaubtes Gefieder. 223 S. das Ausführliche über die abergläubischen Vorstellungen bei Verfinsterung des Mondes, die nach Tacitus Annal. I, 28 schon die Gemüter der aufrührerischen pannonischen Legionen beunruhigten, bei Grimm a.a.O., p. 668. – Es ist ein bemerkenswerter Zug der germanischen Vorzeit, dass sie sogar dem Mond in seinen vermeinten Nöten durch Geschrei abzuhelfen bestrebt war. 224 huob er ûf unde tranc

ein hundert slundigen trunc;

er sprach "daz machet mich junc".

Der Weinschwelg, v. 197.

225 ... Salutem et profectum in doctrina! Brief Meister Ruodperts von St. Gallen bei Wackernagel, Altdeutsches Lesebuch, p. 138. 226 ... si fugae, inquit, copiam haberem, iuvenum optimi, profecto fugerem, nunc antem in vestris quia velim nolim sum manibus, mitius mecum quidem vos condecet agere. S. die ganze Schilderung von Rudimanns nächtlichem Einschleichen und Ertappung bei Ekkeh. IV, casus S. Galli, c. 10. Pertz, Mon. II, 124. 227 Die damaligen Studien erstreckten sich auch auf die Sternkunde. In der sanktgallischen Handschrift Nr. 18, p. 43 findet sich das Bild eines Mönches, der durch ein Fernrohr nach den Gestirnen schaut. Notker Labeo beschreibt ausführlich einen im Kloster aufgestellten Himmelsglobus. Die astronomischen Schriften der Alten, z.B. Aratus, kannte und las man. Vgl. J.v. Arx, Geschichten etc. I, 265. 228 ... Antipodes nulla ratione credenti sunt, quia nec solitidas patitur, nec centrum terrae, sed neque hoc ulla historiae cognitione firmatum, s e d h o c poetae quasi ratiocinando conject a n t . Wörterbuch des Bischofs Salomo. 229 Diese berühmte Disputation beschreibt ausführlich der fränkische Mönch Richer im dritten Buch seia i g e n g e b e n h a n t , den gibt man ains mannes schaten von der sunnen etc. Landrecht des Schwabenspiegels. 235 ... dabei ein schönes Gärtelein,

darum gehet ein seiden Faden.

Laurins kleiner Rosengarten.

236 "Was soll ich aber von ihren abenteuerlichen Schuhen sagen? Denn in dieser Hinsicht sind die Mönche so unvernünftig, dass ihnen der Nutzen einer Fussbekleidung grossenteils entgeht. Sie lassen sich nämlich ihre Schuhe so eng machen, dass sie darin fast wie in den Stock geschlossen, am Gehen gehindert sind. Auch setzen sie denselben vorne Schnäbel, an beiden Seiten aber Ohren an und tragen grosse sorge, dass sie sich genau dem fuss anschliessen; halten auch ihre Diener dazu an, dass sie mit besonderer Kunst den Schuhen einen spiegelhellen Glanz verleihen." Dritte Ereiferung des Primas auf der Synode zu Mont NotreDame bei Richer III, 39. 237 Hildebrandslied, v. 70 u. ff. – Noch Prätorius († 1680) in seiner Weltbeschreibung erwähnt "närrische Gaukelerszelte, wo der alte Hildebrand und solche Possen mit Docken gespielt werden