den Dichtern und den Weisen und von den Göttern verehrt. Und sie war die Anadyomene der Tiefe.
Leben! Erscheinung! Gestalt! Wie drängt sich Alles danach, was ist! wie stürmen alle Elemente auf diesen Frieden, wie strömt die ganze Unendlichkeit auf diese Gränze zu! Und auch ich bin ein Wesen, das erschienen ist, ich bin ein Körper, der erscheint! Ich bin Fleisch geworden, und die Tiefe in mir drängt nach Licht, und das Licht schimmert sehnsuchtshell in die Finsterniss. Ich, der ich eine Erscheinung bin, ich bin die Einheit von Licht und Finsterniss, denn sonst könnte ich nicht erscheinen. Licht gibt es nicht ohne Finsterniss, und Finsterniss nicht ohne Licht, ohne beide aber keine Farbe und kein Bild. Ich bin ein Bild der Welt, und zwei Verschiedenheiten sind in mir in die Einheit vergangen, sonst wäre ich nicht Bild, und freute mich nicht meiner Erscheinung. Ich fühle mich als ein Ganzes in meiner Trennung, und ich fluche Dir, Ascet, der du mich wieder auflösen willst in meine getrennten Bestandteile! Ja, ich fluche der Trennung von Geist und Leib, von Diesseits und Jenseits, denn ich fühle mich e i n E i n e s ! Ich bin eine gesunde Weltnatur, ich bin ein Concretes, und fasse mich als einen kräftigen Organismus zusammen, so lange ich mit ruhiger Pflichterfüllung über die Erde schreite. In mir ist Diesseits und Jenseits, in mir ist Licht und Finsterniss. Und hier sage ich mir wieder, dass das Licht nicht ist ohne die Finsterniss, und die Finsterniss nicht ohne das Licht. Der Geist ist nicht ohne den Körper, und der Körper ist nicht ohne den Geist, sondern beide in einander sind das Bild, als das ich erscheine. Darum bin ich gesund, ich bin heiter, weil ich ein Bild bin, und ich würde krank sein, wie ganze Jahrhunderte krank waren, wenn ich auseinanderfiele in Geist und Leib, in Diesseits und Jenseits! Gott im Himmel könnte mir nicht helfen, denn ich habe mich aus der Bewegungslinie des Werdens herausgehoben, sobald ich mich abtrenne von der Verbundenheit, in die mich Gott selbst gefügt. Ich kann nicht mehr w e r d e n , weil ich auch aus Gott herausgetreten bin, wenn ich heraustrete aus mir selbst. Die Trennung von Fleisch und Geist ist der unsühnbare Selbstmord des menschlichen Bewusstseins.
Und doch, wie viele Jahrhunderte solcher Zerwürfnisse des ganzen Geschlechts rollen sich auf vor meinen Blicken, selbstmörderische Jahrhunderte, wo der Mensch seine Pflicht und seine Andacht darin suchte, das Dasein nur als ein Zersplittertes zu fassen! Das Christentum, durch das G o t t in die W e l t gekommen, war es aber gerade, das diesen Zwiespalt zwischen G o t t und W e l t aufbrachte und immer unheilbarer befestigte. Jene zeiten der christlichen Ascetik brachten den Begriff der Weltentsagung hervor, und die Kasteiung und Geisselung des Fleisches sollte zu Gott führen, der jenseits der Welt angebetet wurde. Diese gottlose Verzerrung des christentum war jedoch die reine Lehre nicht selbst, sondern eben die aus dem Missverstand der zeiten geborene Caricatur, in welche sich der ausgetriebene Teufel des Fleisches noch einmal hineinzuretten versuchte. Denn in der Zerwürfniss wirkt gerade der Teufel am mächtigsten, und daher die heimlichen Laster, in welche das der Welt sich gegenüberstellende Mönchtum ebendesshalb verfiel. Aber wie falsche Propheten seid ihr gewesen, ihr Saint-Simonisten, wenn ihr verkündigt habt, das Christentum sei ausgelebt und bedürfe e u e r e r Umgestaltung, weil es noch lehre, dass das Reich Gottes nicht sei von dieser Welt. Zwar hat die réligion st.-simonienne das unendliche Verdienst, zuerst wieder darauf hingewiesen zu haben, dass die W e l t in G o t t sei, und G o t t in der W e l t , und ich habe mich geärgert, dass einer meiner Bekannten, Veit, in seinem buch über den St. Simonismus diese Lehre von der Wiedereinsetzung des Fleisches so flach und ohne alle tiefere und weltistorische Beziehung zu nehmen vermocht hat. Dennoch aber sind der St. Simonisten religiöse Meinungen verdammenswürdig, weil durch ihre Lehre von der Materie, die Alles ist und auch Gott, nur ein heidnischer Panteismus herauskommt, und selbst die R e l i g i o n zur I n d u s t r i e wird, weil die Welt zu einem Verarbeitungsartikel der Technik wird. Falsche Propheten seid ihr gewesen, ihr St. Simonisten! sage ich. Denn wenn ihr predigt, Gott sei Geist u n d Fleisch, so betet den menschgewordenen Gott in Christus an! Eure mit unreinen Schlacken gemischte Lehre ist im Christentum längst und ursprünglich als etwas Reines und in eine grosse Zukunft Hineindeutendes entalten. Ich meine, dass ich an eine Perfectibilität des christentum glaube, ja dass ich sie weiss an mir selbst. Das Christentum bedarf keiner künstlichen Umgestaltung, keiner systematischen Revolutionen, aber es ist fähig einer entwicklung bis in alle Ewigkeit der zeiten hinein. Aus den Kirchen, aus den Klöstern, aus dem Kämmerlein der Betenden, hat sich das Christentum in die G e s c h i c h t e hinein entwickelt, und steht nicht mehr wie eine abgelegene Zelle der Andacht, in die man sich vor dem Geräusch der Welt flüchten könne, da. Das Christentum ist geschichte geworden, es ist nicht mehr bloss ein Asyl der Armen und Kranken, sondern es