, mitten im Frieden den Krieg spielt und denen der Hunger und die sehnsucht nach ihren väterlichen Hütten aus den Augen blicken? Was kann geschmackloser sein als eure Feste, eure Cour- und Gala-Tage, an denen kein Herz teilnimmt, wo ihr dem Zwange und der Langeweile Stunden opfert, die ihr so nützlich, so segenvoll, so selig verleben könntet?
Gebet euren Untertanen das erste Beispiel in aller Art Tugend und Ehrerbietung gegen natürliche und konventionelle gesetz, in Mässigkeit, Arbeitsamkeit, Treue, Wahrheit und Häuslichkeit! Respektieret das echte Verdienst; zeiget Abscheu gegen Ränke und Kabalen, gegen Ausspäher und Anbringer und suchet das moralische Gefühl eurer Mitbürger zu veredeln!
Machet euch nicht zu Nachahmern, zu Dienern, zu Sklaven fremder Fürsten, indes ihr selbst zu haus den Genuss der süssesten herrschaft, der väterlichen herrschaft über vernünftige und freie Menschen, die euch lieben, in vollem Masse schmecken könnt!
Entsaget der törichten Eroberungssucht und überzeuget euch, dass hundert Menschen glücklich und froh zu machen unendlich ehrenvoller sei, als Millionen mit Gewalt an das verhasste Joch des Despotismus zu binden!
Verschanzet euch nicht in euren langweiligen Residenzen gegen den armen, durch die Unterdespoten gemisshandelten Landmann, der euch gern seine Not klagen möchte! Reiset in die Provinzen; sehet mit eignen Augen, höret mit eignen Ohren und verlasset euch nicht auf die Berichte derer, die euch die Augen verbinden!
Ehret alle nützlichen Stände und leidet nicht, dass sich gewisse Klassen privilegiert glauben, durch Hochmut, Unwissenheit und Müssiggang sich über fleissige und bessere Menschen zu erheben! Verbannet auf immer den Wahn, dass Verdienste, persönliche Vorzüge und das Recht auf Ehrenstellen und Staatsbedienungen vererbt und angeboren werden können!
Glaubet den schmeichlerischen Buben nicht, die euch für Stattalter Gottes, ja für Halbgötter ausgeben, den Heuchlern, die euch wahrheitsliebende Leute verdächtig machen wollen! Sie zittern aus Furcht, entlarvt zu werden, und hinter eure Majestät wollen sie sich verkriechen, damit man ihre Schelmenstücke nicht an den Tag bringe. Sie dürfen den bessern Mann nicht aufkommen lassen, damit ihr das wahre Verdienst nicht kennenlernet und sie nicht ihr Ansehn verlieren.
Ehret den Mann und danket ihm, der euch bittre Arzeneien gibt! Wer euch sagt, dass ihr die ersten Diener des staates seid, dass ihr eure Macht aus den Händen des volkes erhalten habt (ein Satz, den der gute Kaiser Joseph selbst öffentlich bekannte), der meint es redlicher mit Befestigung eures Trons, der ist ein treuerer Diener als eure kriechende Sklaven. Jenen ist der Stellvertreter der Nation heilig, diese würden euch noch heute verlassen, wenn ein andrer Tyrann euch die Krone vom haupt risse.
Rücket mit fort in der Kultur; leset die Werke der Geschichtschreiber und Philosophen, damit nicht unerwartet Wahrheiten in Kurs kommen, worauf ihr nicht vorbereitet seid, an deren Missbrauch, wenn ein solcher Missbrauch zu fürchten wäre, niemand schuld sein würde als ihr, berufene Erzieher des volkes!
Allein glaubet nicht, dass man durch Zwangsmittel und Edikte Meinungen lenken und Aufklärung hindern könne! Erlaubet immer, dass jedermann laut rede, und seid versichert, dass niemand weniger zu fürchten ist als der Schwätzer! Je mehr die Menschen plaudern, desto weniger handeln sie. Widerstand reizt, Einschränkungen erbittern. Verbote von der Art sind das sicherste Kennzeichen einer schwachen Regierung, erwecken den sehr gegründeten Verdacht, dass eure Schritte nicht sicher sind, dass eure Grundsätze das Licht scheuen. Was nicht in Teutschland gedruckt werden darf, wird auswärts verlegt, und was nicht öffentlich genossen werden darf, wird heimlich um desto gieriger verschlungen. Wenn die allgemeine Meinung zu eurem Vorteile spricht, wenn soviel Herzen von Liebe und Verehrung für euch erfüllt sind, wenn man euren guten Willen sieht und euren Einsichten trauet, was kümmert euch dann das Geschrei einzelner Schwindelköpfe? Und ist das nicht der Fall, so gebet die Rolle ab, die ihr nicht zu spielen verstehet! Wenn die Wahrheit reift, so trägt sie ihre Frucht, und alle Welt sieht, dass von dem Baume gut zu essen und dass er lieblich anzuschaun ist. Dann seid weise und stellet euch an die Spitze der Aufleser, damit es fein ordentlich dabei hergehe! Verbietet ihr die Frucht, so fallen sie euch bei Nacht und Nebel darüber her, und wer ist dann schuld an der Verwirrung und an den blutigen Köpfen?
Fühlt ihr nun die notwendigkeit, bald eure Systeme, eure Maximen, eure Verfassung zu ändern (und wer von euch sollte die nicht fühlen?), murrt sogar schon heimlich euer Volk, so berufet die Landesstände; berufet frei gewählte Repräsentanten aus allen Klassen der Bürger; leget ihnen eure Wünsche, eure Klagen, eure guten Entschlüsse vor; überleget gemeinschaftlich mit ihnen, wie zu helfen sei; verheimlichet ihnen nichts! Ihr seid ihnen Rechenschaft schuldig; gebet sie freiwillig, ehe man sie euch abnötigt! Sie werden euch das zum Verdienste anrechnen, und ihr gewinnt dadurch an Macht und an Würde. Entwerfet bestimmte gesetz, die dem Genius des Zeitalters angemessen sind, und entsaget aller willkürlichen Gewalt, die niemand verantwortlich sein will! Oh! versuchet es und glaubet, ihr werdet euch glücklicher und grösser dabei fühlen als jetzt. Aber eure Wesire, eure Paschas, die sind es, die euch dahin nicht kommen lassen wollen – trauet ihnen nicht!
Ich bin ein schlichter Mann, freilich ehemals bei des Kaisers von Abyssinien Majestät kein unbedeutendes Subjekt gewesen, aber jetzt Notarius caesarius publicus in Bopfingen, und nichts weiter. Meinetwegen