herunter!
Aber Freund, warum kann der Verstand den Körper nicht umändern, wenn er ungestaltet, hässlich oder krank ist? warum nicht verjüngen?
Wolken, lieber Demetri, nichts als Wolken und metaphysische Träume! Nehmen wir lieber doch noch die gewöhnliche Meinung an, die Ihr kurz vorhin verwarft. Ich glaube, dass, so wenig sich der Mensch jetzt selbst hervorbringt, er von Ewigkeit sich nicht selbst hervorgebracht hat. Er ist! aber es muss allezeit ein mächtiger Wesen ihm den ersten Stoss und die Bequemlichkeit zum vollen Dasein verschaffen.
Die vier Aristotelischen Elemente allein werden nie in allen möglichen Zusammensetzungen mehr als die vier Aristotelischen Elemente sein; es gehört gewiss noch etwas anders zu meinem Ich und deinem Du.
Wenn wir etwas ohne fernern Grund annehmen, warum sträuben wir uns, alles, was wir nicht anders erklären können, ohne fernern Grund anzunehmen? Jedes Individuum ist von Ewigkeit der Form nach da in der natur und von allem andern unterschieden; und keine Urform lässt sich weder schaffen noch zerstören. Nur gehört ein höher Wesen dazu, sie in die Bequemlichkeit zu setzen, dass sie sich in ihre höchste Fülle verbreite. Wie unendlich vieles wird bloss Blüte oder Frucht, ohne zum Baume zu gedeihen!
Auch gibt Aristoteles selbst nicht undeutlich zu verstehen, dass er derselben Meinung anhange; die menschliche Seele oder überhaupt der Mensch, dessen Form sie entält, ist ihm eine von Ewigkeit fertige Vollkommenheit. Und so war jedes lebendige Ding der Form nach oder in seinem ersten Keime unzerstörbar von Ewigkeit da, und die Sonnenwärme, oder sein Gott, löst es nur von den Banden und setzt es in freie Wirksamkeit, wo es so lange geniesst und leidet, als es sich mit seinem neuen Umkreis halten kann oder bis es die umgebenden Kräfte wieder in seinen unzerstörbaren Punkt zurückdrängen. Deswegen sagt der Weise auch, es gibt nur wenig Menschen, die göttlichen Verstand haben. Und gewiss, denen, in deren Urkraft er nicht liegt, kann denselben keine Bildung und Erziehung geben. Wer fühlt dies nicht durch all sein Wesen, wenn er einen ursprünglichen Laffen und Toren vor sich hat? Er war von Ewigkeit Tor, und weder Sparta noch Rom wird ihn je zu einem Brutus oder Leonidas umschaffen. Teophrast konnte sich in seinem neunundneunzigsten Jahre noch immer nicht genug verwundern, woher unter demselben Himmelsstriche und bei derselben Erziehung die Menge von verschiednen Charaktern herkäme. Sobald man dies annimmt, hört die Verwunderung auf oder verliert sich in die Unbegreiflichkeit alles Daseins, des grössten aller Geheimnisse.
Wir sind, was wir sind und werden nie etwas anders werden. Wohl dem, der edel und herrlich ist! Er bleibt es ewig.
Demetri. Erhaben; wenn's nur wahr wäre und nicht dieselben Schwierigkeiten stattfänden! Anaxagoras hätte schon klüger deswegen in der Verzweiflung alles: Knochen, Haare, Nägel, Klauen, für von Ewigkeit fertige Vollkommenheiten gehalten, wenn dem Stagiriten bei der Seele so etwas in Sinn gekommen wäre, als Ihr von ihm meint. Schwerlich kann ein arabischer Hengst je in Dänemark wiedergeboren werden und ein Epaminondas in einem grossmogulischen Serail! Inzwischen wird dieser bezaubernde stolze Glaube an persönliche Unsterblichkeit, die man freilich alsdenn auch jedem Wurm wie Alexandern und Cäsarn zuerkennen muss, noch lange herrschen.
Jedoch es ist Zeit, von diesen Dunkelheiten auf den Aristotelischen Gott zu kommen, den König der Elemente, der alles auflöst und aus seiner Trägheit in die Freiheit, zu handeln, setzt.
'Eine Bewegung', sagt der Weise, 'muss die erste oder muss ewig sein, die durch keine andre hat können hervorgebracht werden. Sie bedarf der Regung nicht von etwas anderm, sondern ist selbstständig, immer in Wirklichkeit und nie bloss in Möglichkeit, sonst würde aller Grund von Leben und andrer Bewegung fehlen. Sie ist schlechterdings notwendig, und man muss sie an und für sich annehmen.
Wir können uns keine andre Bewegung in sich selbst ewig denken als die kreisförmige, und kreisförmig ist sie der Vernunft und der Tat nach.
Sie bewegt, von nichts bewegt, für sich das Begehrliche und Verständliche.
In ihr schwebt der Himmel und die natur. Ihr Leben ist das beste, so wie wir es nur kurze Zeit haben; denn sie bleibt immer dieselbe, welches uns unmöglich ist. Ihre Wirksamkeit ist Wollust; durch sie ist das Wachen, die Empfindung, das Denken das erfreulichste. Hoffnungen und Erinnerungen stammen davon.
Das Denken an und für sich selbst gehört zum Besten an und für sich selbst und das abgezogenste zum Vortrefflichsten. Der Verstand denkt sich aber durch Annehmung von Verständlichem; und verständlich wird er berührend und denkend, so dass Verstand und Verständliches dasselbe; denn das Fassende des Verständlichen und des Wesens ist Verstand. Er wirkt im Haben, so dass jenes mehr als dieses, was der Verstand Göttliches zu haben scheint, und die Betrachtung ist das Erfreulichste und das Beste.
Wenn also Vollkommenheit ist, wie wir zuweilen beschaffen sind, so ist Gott immer verehrungswürdig; wenn Höheres, noch verehrungswürdiger. Und so verhält es sich.
Auch herrscht wahrhaftig Leben in ihm; denn Wirksamkeit des Verstandes ist Leben, und er ist die Wirksamkeit. Die Wirksamkeit aber an und für sich ist sein bestes und immerwährend Leben. Und wir sagen, dass Gott ein immerwährend bestes lebendiges Wesen sei, so dass Gott Leben und beständige immerwährende Dauer hat. Denn das ist Gott. –
Das Gute und Beste ist aller natur Zweck. Sie gleicht einer Armee mit ihrem Feldherrn,