wenig von derselben übrigbleiben und wir alsdenn erkennen würden, dass sie, samt allen Tieren, Pflanzen und Bäumen, nur ein runder Klumpen Kirchhof gewesen sei, wo die Lebendigen von den Toten assen. Und ist's nicht augenscheinlich, dass immer ein neu gesundes Paar aus den Früchten von wenig Hufen Landes alle andre Zonen bevölkern könnte?
Kurz, jedes Einzelne ist nur durch die zusammengesetzte Form das, was es ist; jede Art von Wesen ist sich übrigens gleich. Und die Form entsteht durch die innre Proportion verschiednen Wesens mit hülfe der äussern Dinge.
Ardinghello. Also könnte die Erdkugel möglicherweise zu ebenso ungeheuern Scharen Eseln, Maulwürfen, zu einem unendlichen Mückenschwarm werden als zu unzählbaren Völkern von Menschen; und Mann und Weib sind weiter nichts als Anlass zu neuen Männern und Weibern, wozu sich die Elemente von selbst bilden? Der Mensch zum Beispiel ist also nur eine gewisse Proportion verschiedner Elemente? Ein Knabe von dreissig Pfund bestünd ungefähr aus sechzehn Pfund Erden und Salzen, dreizehn Pfund Wassern und einem Pfunde Lüften und Feuern; und der einzige Unterschied zwischen ihm und einem Kälbchen wäre, dass dies etwa nur ein halbes Pfund Lüfte und Feuer zu seinen Bestandteilen habe! Dies allein veränderte die Form und machte Sokraten und Platone zu Kälbern und Kälber zu Platonen und Sokraten?
Der Schluss daraus, ist er nicht, dass alle Geschöpfe die Gegenstände nur nach ihrer Form empfinden und beurteilen und wir so vielerlei Wahrheit von demselben Dinge haben, als verschiedne Gattungen schon von Tieren sind? Jedes handelte und dächte nach seiner Form und hätte nach derselben seine Begierden; und es gäbe überhaupt keine allgemeine Wahrheit, und die ganze Welt sei ein Tollhaus? Also wär es wohl keine Fabel mehr, dass Medea einen Greis in kleine Stücke zerhacken und wieder jung machen könnte, wenn sie nur den gehörigen Grad der Wärme träfe, wodurch sie sich wieder zu einem harmonischen Ganzen zusammenzögen?
Demetri. Richtig, mein Freund, wenn sie den gehörigen Grad der Wärme träfe und wieder hinzubrächte alle Augenblicke, was vom gehörigen Wesentlichen abdünstete, wie im Mutterleibe geschieht, und die vorige Lebenszeit schon abgedünstet wäre.
Die zusammengesetzte Form ist nur das Mittel: das Wesen selbst erkennt, wie vom Urbeginn, die Wahrheit. Alle Sinnen fassen nur einseitig: Verstand das Ganze, und der reinste Verstand am vollständigsten. Die Tiere sind nur dadurch verschieden, wie der Mensch, dass sie mehr oder weniger, vollkommen geläutert oder minder vollkommen, davon besitzen. Und eben dieser ist die erste gegebne Proportion ihrer ganzen Zusammensetzung.
Ardinghello. Aber wieder alle Gattungen von Tieren und Pflanzen, Paar und Paar von dem Grashälmchen an bis zum Menschen? Männchen und Weibchen, wie wollt Ihr dies erklären?
Macht der Verstand in den Elementen allein Mann und Weib, so muss einmal, nach dem komischen Einfall des Aristophanes beim Plato, Mann und Weib bei allen Gattungen zusammengewachsen gewesen sein und ein Ganzes gebildet haben: sonst bleibt's unerklärlich, wie die Geschöpfe sich aus sich selbst so verschieden und doch paarweise sollten geformt haben.
Demetri. Man kann gewiss leichter über diese Dinge schreiben als ein Gespräch führen! Dort lässt man solche fragen aus, und ich habe noch bei keinem Weisen hierüber eine Antwort aus blosser Vernunft gefunden. Weil ich aber einmal, wie einst der Platonische Sokrates, die Löwenhaut umgeworfen habe, so will ich aushalten.
Alles, was ich darauf sagen kann (fuhr er lächelnd fort), ist folgendes: Wenn ich keine Menschen- und Eselelemente, keine Nasen- und Lippen- und Lefzenelemente anzunehmen ursache finde, so find ich es eher notwendig, männliche und weibliche Elemente in der natur anzunehmen. Der Mann ist der vollkommenste, der ganz aus männlichen Elementen zusammengesetzt ist, und das Weib vielleicht das vollkommenste, welches nur gerade so viel weibliche Elemente hat, um Weib bleiben zu können; so wie der Mann der schlechteste ist, der gerade nur so viel männliche Elemente hat, um Mann zu heissen.
Männliche und weibliche Elemente machten ausserdem am begreiflichsten die natur lebendig und erklärten die ewige unaufhörliche Bewegung und den wütenden Trieb zur Begattung, welche Aristoteles für die Bestimmung jedes einzelnen Dinges hält, am besten. Liebe, Hochzeit, Ehe und Ehescheidung: daraus bestünde die Welt. Ferner wäre das Rätsel aufgelöst, welches noch niemand, soviel ich weiss, berührt hat, warum von jedem Geschlechte, fast durch alle Tiere, ungefähr soviel von dem einen als andern geboren würden.
Wem dies nicht gefallen sollte, der könnte jedoch noch immer annehmen, dass zu einem Ganzen ein Paar gehört und dass der Verstand von Anfang an alles paarweise hervorgebracht hat, ohne dass eben das Zusammengewächs mehr als jetzt nötig war: in einer solchen bequemen Lage von Materialien zu Schaffung seines mächtigen Ganzen befand er sich.
Ardinghello. Ihr geht wie ein echter Kretenser, Zögling des Minos, mit dem schönen Geschlecht um! Ich glaube, dass ein Mädchen wie ein Mann immer ein unnatürliches Ding sei und dass die tapferste Amazone selbst unter einer Phryne stehe. Ich will Euch hierüber zu keiner neuen Hypotese treiben; wiederholen wir noch einmal Euer Hauptstück.
So von allem Wirklichen abgesondert mag es wohl endlich leicht sein, zu denken, Verstand des Menschen hat den Menschen hervorgebracht, und ebenso, Verstand jedes Dinges hat das Ding hervorgebracht, durch hülfe einer Kraft, die allem Raum schafft, sich nach Willkür oder Verlangen zu bewegen; allein sich die Sache auch nur einigermassen sinnlich vorzustellen ist gewiss ohne Vergleich schwerer.
Nehmen wir einmal