, um ihrer Streitkunst eine stattliche Übung zu verschaffen, als in der Muttersprache, um gemeinnützige Wahrheiten in die Gemüter aller Einwohner eines Landes zu verbreiten.
Sebaldus, der die Arbeit liebte, erbot sich in kurzem selbst, seinem Wirte in dessen Beschäftigungen behilflich zu sein. Er tat dadurch zugleich seiner vorzüglichsten Neigung Genüge, Ideen, die ihm wichtig waren, zu entwickeln und auszubilden.
Der Kollegiant hingegen musste einen Mann bald liebgewinnen, dessen Neigungen mit den seinigen so sehr übereinstimmten. Sie arbeiteten über verschiedene Materien im Anfange gemeinschaftlich, bald aber blieb die Arbeit dem Sebaldus allein überlassen, da die Krankheit des Kollegianten schnell zunahm. Der rechtschaffene Mann ward immer schwächer und starb nach einigen Monaten. Vorher noch vermachte er seinem Freunde den Vorrat und das Verlagsrecht seiner sämtlichen Werke, besonders der gelehrten Zeitschrift, welche anfing aufsehen zu machen und daher sehr viel gelesen ward.
Sebaldus beweinte von Herzen den Tod seines Freundes und Wohltäters. Ob er gleich dessen Umgang sehr vermisste, so war doch nun sein Zustand ganz seinen Wünschen gemäss. Er hatte durch den Verkauf der ihm vermachten Werke und durch die Fortsetzung der periodischen Schrift ein zwar sehr mässiges, aber für ihn hinlängliches Auskommen, war unabhängig, konnte seine Lieblingsneigung, die Spekulation, befriedigen, konnte in Frieden seiner Überzeugung gemäss Gott dienen und war noch nicht wegen Religionsmeinungen angefeindet worden.
So wünschenswert nun diese Lage war, so schien es doch Sebaldus' Schicksal zu sein, dass er, wenn er am meisten Nutzen zu schaffen glaubte, durch einen gering scheinenden Zufall selbst gelegenheit geben musste, seinen Zustand zu verschlimmern.
Er hatte schon beim Leben seines Wohltäters sich in der holländischen Sprache festzusetzen gesucht. nachher trieb ihn die Einsamkeit langer Winterabende auf die Lesung engländischer Bücher, die er schon in seiner Jugend geliebt hatte. Er fand unter andern ein Buch70, dessen Inhalt ihm grösstenteils so wohl gefiel, dass er auf den Gedanken kam, es zu übersetzen, weil er meinte, dass es auch den Holländern nützlich sein könnte.
Er beschäftigte sich einige Monate lang mit dieser Arbeit; und da er meist damit fertig war, ging er zu Mynheer van der Kuit, dem Buchhändler, der bisher den Verkauf der sämtlichen Werke des verstorbenen Kollegianten und auch des gelehrten Tagebuchs besorgt hatte, um ihm diese Übersetzung zum Verlage anzubieten.
Van der Kuit unterliess nicht, die gewöhnlichen Schwierigkeiten zu machen: dass er mit Verlag überhäuft, dass der Handel gefallen sei, dass Druck und Papier immer teurer werde, dass man vorher etwas von dem Werke sehen, dass man es allenfalls gelehrten Leuten zur Prüfung übergeben und besonders dass man, der Kunstrichter wegen, erforschen müsse, ob nicht wider die Reinigkeit der holländischen Sprache gefehlet sei.
Auf diese Erklärung zog Sebaldus einige Hefte seiner Übersetzung aus der tasche. Indem dieses geschah, trat Domine de Hysel, ein gelehrter reformierter Prediger, herein, welchen Sebaldus kannte, weil er ihn oft im Buchladen gesehen hatte. Sebaldus erbot sich also, beiden etwas von seiner Arbeit vorzulesen. Sie traten sämtlich in die Schreibstube des Buchhändlers, und der Übersetzer las wie folget:
Sechster Abschnitt
"Dass viele Prediger alle Neununddreissig Artikel71 beschwören, ohne sie alle zu glauben, liegt am Tage, und man muss es entschuldigen. Wer ein Hausvater ist und sich und seine Familie um ungerechter Formalien willen nicht in die bitterste Not stürzen will, sei von mir nicht verdammt. Verdamme ihn ein harterziger Rechtgläubiger, wenn er's vermag!
Aber wie steht's um die Wahrheit? Muss die noch immer weg den Neununddreissig Artikeln nachstehen? Wäre es nicht die Pflicht der gesetzgebenden Macht, zu sorgen, dass durch keine Formulare die Ausbreitung der Wahrheit gehindert werde, und sollten die Bischöfe nicht selbst die Hand dazu bieten? Wenn jene Artikel die Kette sind, welche die äusserste Weite misst, worin der Verstand eines Geistlichen sich bewegen darf, so ist es vergeblich, nach Wahrheit zu forschen."
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"Ist's nicht höchst seltsam, dass man denjenigen, welche sich über die Strenge der Neununddreissig Artikel beklagen, vorsagen will, ihre Klage sei ungerecht? Denn, heisst es, nachdem sie die besten Jahre ihres Lebens angewendet haben, um sich zu einem geistlichen amt geschickt zu machen, dürfen sie ja nur kein geistliches Amt suchen oder es niederlegen, wenn sie es schon angetreten haben.
Dies ist also die Gnade, die man uns anbietet? Die Uniformitätsakte verursachte, dass im Jahre 1662 am Bartolomäustage an zweitausend dissentierende Prediger auf einen Tag ihr Amt niederlegten, daher zweitausend Familien ohne Brot und zweitausend Gemeinden ohne Gottesdienst waren. Einen solchen Bartolomäustag für England, so traurig als für Frankreich die Bartolomäusnacht, wünscht Ihr also wieder, die Ihr so kalt daherplaudern könnt: damit gar kein Gewissenszwang da sei, wäre nur nötig, dass jeder, der nicht nachbeten will, sein Amt niederlege. Das nennt Ihr Schonung der Dissenter? Das nennt Ihr Toleranz und Sanftmut?
Bei Gott, diese Sanftmut der Verteidiger der Neununddreissig Artikel gemahnt mich wie die Schonung der Rabbinen, die dem Verurteilten nur neununddreissig Streiche geben. Wahrlich, ob er gleich den vierzigsten nicht bekommt, so schmerzt doch deshalb keiner von den neununddreissigen weniger."
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"Die Schriftgelehrten – gleich den scholastischen Philosophen – haben von jeher ihre Lehrgebäude so künstlich angelegt, dass jeder das seine trotz aller Widerlegung beweisen kann. Sie gleichen Bergschlössern, die noch dazu mit hohen Wällen und tiefen Graben umgeben sind, so dass derjenige, der darin ist, sich ewig