ein Mittel zur Verbesserung des Nationalzustandes werden konnte, durch die eifrigste Beförderung des Aberglaubens, der Dummheit und einer knechtischen Unterwürfigkeit der Geister unter das Joch sinnloser Vorurteile, den Fortgang alles Guten in Scheschian gehemmt; ihre Grundsätze, ihr Beispiel und ihre Bemühungen vereinigten sich, dem gesunden Menschenverstande, der Tugend und den Sitten auf ewig den Zutritt in dieses unglückliche Land zu versperren; – – und Tifan sollte sie dulden? Nein, bei allem was heilig und gut ist! Sie sollen verschwinden aus unsern Grenzen, und ihre Stätte soll nicht mehr gefunden werden! – Aber' (setzt der weise und menschenfreundliche Gesetzgeber hinzu) 'verhüte der Himmel, dass, indem wir die ganze Gesellschaft der Ya-faou zum Nichtsein verdammen, wir gegen die einzelnen Mitglieder derselben ungerecht sein sollten! Ohne Zweifel gibt es Männer von Verdiensten, eines bessern Namens und Platzes würdige Männer, unter ihnen, würdig des Schutzes der gesetz und der achtung ihrer Mitbürger, denen sie nützlich zu sein eben so fähig als willig sind. Fern sei es von uns, diese Rechtschaffenen das Schicksal oder die Zusammenkettung von Zufälligkeiten, wodurch sie unter die Ya-faou sich verirret haben, entgelten zu lassen! Sie sollen aus einer Gemeinschaft, die ihrer so unwürdig ist, heraus gehoben, und in einer Gestalt, worin sie den übrigen Bürgern von Scheschian ähnlich sehen, an Plätze gestellt werden, wo sie ihre Fähigkeiten und Tugenden ungehindert, unverfolgt vom Neid und von der Dummheit ihrer Mitbrüder, in völliger Tätigkeit zum gemeinen Besten anwenden können. Auch den übrigen, wofern sie lieber in die Zahl der guten Bürger zurückkehren, als sich freiwillig aus ihrem vaterland verbannen wollen, soll der Eintritt in irgend eine für sie schickliche Klasse unbenommen sein. Es soll ihnen frei stehen, ob sie den Karst, oder die Axt, oder den Hammer ergreifen, ob sie graben, weben oder spinnen wollen; wozu uns immer die Stärke ihrer Gliedmassen oder die Beschaffenheit ihres Geistes sie am tüchtigsten macht. Aber Bürger sollen sie sein, und gute Bürger, oder Scheschian hat weder Luft noch Erde für sie!'"
"Danischmend", rief der Sultan in völliger Entzükkung, "lass deine erste sorge sein mir das Bildnis dieses unvergleichlichen Mannes zu verschaffen. Dies nenn ich einen König! Ich muss schlechterdings sein Bildnis haben. Ich will es in allen ersinnlichen Grössen und Stellungen malen lassen; es soll in allen meinen Zimmern stehen; es soll mir aus Marmor gehauen und von Golde gegossen werden; ich will es in meinem Ring und in meiner Beteldose tragen; ich will es auf meine Kleider sticken und sogar in meine Schnupftücher wirken lassen" –
"Vortrefflich", dachte Danischmend; "und noch besser wär es, wenn Ihre Hoheit den Mut hätten, selbst ein Tifan zu sein."
"Der anbetenswürdige Mann!" rief Schach-Gebal von neuem. – "Aber wie gebärdeten sich die armen Ya-faou dabei? Gab es keine Bewegungen zu ihrem Vorteil? Es soll mich sehr wundern, wenn Tifan eine so schwierige Unternehmung ohne gewaltsame Erschütterung des staates ausführen konnte."
"Er hatte seine Massregeln so gut genommen", sagte Danischmend, "dass die Aufhebung des ganzen Ordens nicht mehr Bewegung machte, als wenn alle Raupennester in Scheschian auf Einen Tag vernichtet worden wären. Alles war dazu vorbereitet. Die Klassifikation aller Einwohner des Reiches war gemacht, und einer jeden Klasse ihr gehöriger Rang und ihr eigener Kreis der Wirksamkeit angewiesen. Die Scheschianer fingen jetzt von selbst an, die Betrachtung zu machen, dass die Ya-faou entbehrliche Leute sein könnten; und nun war es leicht, sie nach und nach auf die Bemerkung zu bringen, dass diese entbehrlichen Geschöpfe nicht nur sehr beschwerlich, sondern wirklich sehr schädlich wären. Die Verachtung, welche sie schon seit den zeiten Azors und Isfandiars drückte, erleichterte die natürliche wirkung aller dieser Bemerkungen. Kurz, die Nation wurde gewahr, dass das, womit sie so lange gebunden gewesen, keine Fesseln, sondern nur eine Menge einzelner Faden waren: indem man einen nach dem andern entzwei riss, fand sich – zu allgemeiner Verwunderung – dass man frei war; und nun erstaunte man erst, wie man so lange hatte warten können, sich selbst diese Erleichterung zu verschaffen."
"Freund Danischmend", sprach der Sultan, "so ein weiser Mann du bist, so wollt ich doch wetten, dass du dir nicht einfallen lässest, wie viel das was du eben sagtest, zu bedeuten hat?"
"Ich dächte doch", wollte der Philosoph zu antworten anfangen, wenn ihm Schach-Gebal Zeit gelassen hätte – –
"Alles was du willst, Danischmend; aber gewiss nicht, dass dir diese Bindfaden, die du mich zerreissen gelehrt hast, die Stelle meines Itimadulet eintragen würden? Sultanin", fuhr Seine Hoheit zu der schönen Nurmahal fort; "ich bin schon seit etlichen Wochen in Verlegenheit, den Mann zu finden, der für einen so wichtigen Platz gemacht ist: und nun geht es mir gerade wie den Scheschianern; mich wundert, wie ich nicht schon lange gewahr wurde, dass er bereits gefunden ist."
"Ihre Hoheit hätten keine Wahl treffen können, welche Ihrer Regierung mehr Ehre machte", erwiderte die Sultanin.
"Beim grossen Propheten", rief Danischmend, indem er dem Sultan zu Füssen fiel: "ich beschwöre Ihre Hoheit, zu bedenken was Sie tun wollen! Ich – Itimadulet? Ich zittre vor