durch alle Wege, und das Beispiel seines grossen Ahnherrn spornte ihn zur Vollkommenheit an.
Usong liess ihn die jährlichen Reisen unternehmen, die nunmehr dem Kaiser zu beschwerlich waren. Ihm wurden auserlesene Begleiter mitgegeben, die seine Aufmerksamkeit auf alle würdige Gegenstände richteten. Er tat selber den Vortrag an den Kaiser, und brachte die Anmerkungen über alles an, was er in den vier Abteilungen wichtiges gesehen hatte. Das Volk liebt allemal seine jungen Fürsten, und ein günstiges Vorurteil entsteht in allen Herzen, wenn sie mit der Blüte der Jahre die Keime der Weisheit vereinigt finden. Leutselig wie sein Ahnherr, fähig wie Nuschirwani, schön wie Haider, gewann Ismael aller Herzen, und frohlockete über die Zeichen der Liebe, mit denen man ihn überschüttete.
Usong war zu gross, eifersüchtig zu sein; er wollte, dass Ismael auch im Kriege sich üben sollte. Die Aufruhr einiger Balluschen, eines wilden Bergvolkes, das ein Stamm der Patanen ist, aber weiter nach Süden wohnt, nötigte den Kaiser, ein kleines Heer wider sie auszuschicken. Der erfahrne Scherin führte es an, und Ismael ging als ein Freiwilliger mit zu feld. Scherin zeigte ihm die Absicht eines jeden Befehls, den er gab, und eines jeden Schrittes, den das Lager tat.
Der Khan drang sehr vorsichtig in die Gebürge, machte sich allemal aller Anhöhen Meister, ehe das Hauptlager vorrückte, und das Feuergewehr, so wenig er desselben hatte, machte ihn sehr bald den halb ungewaffneten Wilden so fürchterlich, dass sie sich unterwerfen mussten. Sie legten vor einem Rasenhügel die Waffen nieder, worauf Ismael in einer prächtigen Rüstung stunde, und gaben Geisel. Man führte an den nötigsten Orten einige Befestigungen auf, die man besetzte, und ein fliegendes Lager blieb einige Jahre am Eingang der Gebürge stehen. Ismael kam voll jugendlicher Freude wieder, seinem Ahnherrn die begebenheiten des Feldzugs zu erzählen: sein Herz wallete vom mächtigen Gefühle des ersten Sieges. Usong umarmte den liebenswürdigen Erbfürsten, und zog ihn nunmehr zu den Versammlungen der vier Abteilungen; er fragte ihn zuweilen um seine Meinung, billigte sie, oder brachte ihn liebreich zurechte, und bog ihn unter die Last, die ihm nunmehr nach dem Laufe der natur bald auffallen musste.
Nuschirwani war unermüdet besorgt, die anwachsenden Jahre ihrem grossen Vater angenehm zu machen. Bald liess sie wilde Tiere mit einander streiten, womit sich der Kaiser belustigte, weil doch allemal, wie er sagte, ein Räuber starb. Sie liess die seltensten Tiere zusammenbringen; man fand an Usongs hof den mit einer Mähne dem Löwen sich nähernden Baburat, dessen rötlichter Pelz17 mit schwarzen Flekken beworfen war. Die ätiopische Giraffa, mit dem Kameelhalse und den Pamherflecken zeigte in der fremdesten Gestalt die mildesten Sitten. Bald liess die Erbfürstin die verschiedenen Leibwachen sich in den Waffen üben: bald erschien eine Menge Arbeiter, deren jeder die Waaren trug, die er verfertigt hatte, und wobei Nuschirwani allemal etwas neues und unerwartetes anzubringen wusste. Bald wurden dem Kaiser indische Edelsteine gebracht, deren Wert und Fehler er sehr wohl kannte, und mit denen er in einer müssigen Viertelstunde sich beschäfftigte. Bald liess man Dichter kommen, die ihre Gesänge ablasen. Sie liess auch einige Kämpfer um Preise streiten, ohne einander zu verletzen; andere Preise wurden dem schnellsten Läufer, und auch wohl dem flüchtigsten Pferde ausgeteilt. Diese letzteren Kämpfe hielt Usong für nützlich, weil sie die Perser anfrischeten, ihre edle Pferde mit arabischen Hengsten zu verbessern, die man den persischen noch vorzieht.
Usong sah wohl, dass diese Veränderungen lauter Künste der sorgfältigen Liebe der klugen Nuschirwani waren; er zeigte auch eben deswegen ein mehreres Vergnügen an allen diesen Schauspielen, als wie er wirklich fühlte. Er hatte seine Munterkeit niemals wieder erhalten, nachdem er seine gemahlin verlohren hatte: obwohl er mit der Trapezuntischen Despoina als ein liebreicher Gemahl lebte, und sie um desto glücklicher zu machen suchte, je härter, auch wohl Usongs wegen, ihres Hauses Schicksal gewesen war. Auch die Gesundheit hatte bei seiner ehemaligen Krankheit gelitten. Er fühlte seine Kräfte abnehmen, und ein allgemeiner Eckel gewann bei ihm die Oberhand. Man sah ihn oft des Nachts nach dem Grabmahle der Liosua sehen, und ob er wohl zu gütig war, mit seinem Kummer seine gemahlin zu betrüben, so merkte man doch wohl, dass er nicht mehr lang von seiner Verstorbenen getrennt zu bleiben hoffte.
Eine neue Gesandschaft von Venedig unterbrach des Kaisers Schwermut. Joseph Barbaro, ein Edler, wurde von Venedig abgeschickt, um des Kaisers beharrliche Freundschaft anzusuchen. Er brachte wiederum Kriegsvorrat und Leute mit, die in der Verfertigung der Waffen, und im Gebrauche des Geschützes erfahren waren. Ihn begleitete Nicolo Crespo, Herzog einiger Inseln im ägeischen Meere, ein junger und liebenswürdiger Herr, der die Anmut der europäischen Sitten mit den grössten Vorzügen der Bildung verband.
Zeno lebte noch; er schickte seinem durchlauchtigsten Freunde eine Anzahl Bücher, die nach der nicht mehr seltenen Erfindung mit zinnernen Buchstaben abgedruckt waren. Die besten Geschichtschreiber von Italien, und vom alten Rom waren unter der Zahl derselben. Der edle Zeno bezeugte sein Vergnügen, dass er unter den ersten gewesen wäre, die innere Grösse des jungen Usongs zu kennen, und ihn zu lieben.
Die gemahlin des Kaisers genoss alle Freiheit, die sie bei den morgenländischen Christen würde gehabt haben: sie hatte eine eigene Kirche, worinn sie ihre Andacht verrichtete. Ihre jüngere Schwester, die schöne Eudoxia, begleitete sie bei einer der grossen Feierlichkeiten der Christen. Crespo