Hamet mitgab, und die bald mit einer Menge Karamanier verstärkt wurde, die ihrem Fürsten frohlockend zufielen. Usong hatte den jungen Fürsten gewarht, er hatte sogar befohlen, keine Feldschlacht mit den Osmannen zu wagen. Pir Hamet war eine Zeitlang glücklich: das ganze Land war wider die Feinde, und keine Hand blieb, die sich nicht für ihren Fürsten wafnete. Er hatte bald ein zahlreiches Heer, und schlug verschiedene Schaaren der Osmannen. Der alte Achmet nahm bei Tocat eine vorteilhafte Stellung: er lagerte sich auf einem gelinden Hügel, der das Gefild übersah, und den er mit dem Geschütze fürchterlich bepflanzte. Unter ihm gingen bis in die Fläche abhangende Weinberge mit schmalen Strassen durchzogen: auch diese Zugänge besetzte er mit seinen Jenjitscheri. Hinter ihm lag das grosse Tocat, und versicherte seinen rücken.
Pir Hamet war so blind, so voll jugendlicher hoffnung, dass er glaubte, auch in dieser Lage würden die Osmannen ihm nicht widerstehen. Er griff wütend mit der Reuterei die Weinberge an. Ein Hagel von tödtlichem Blei regnete von der Höhe, und von jeder Mauer; die kühnsten blieben, die übrigen Karamanier flohen, und litten im Rückzuge noch sehr vieles von dem Donner des groben Geschützes. Der Unfall benahm den ungeübten Untertanen des Pir Hamets den allzugeschwind gewachsenen Mut, sie zerstreuten sich. Ihr Fürst musste sein Lager und seine Erblande verlassen, und floh mit den wenigen übriggebliebenen nach Tabris, wo ihn die Schaam so sehr niederschlug, dass er es nicht wagen wolle, vor dem Kaiser zu erscheinen.
So weislich Usong die Gefahr zu vermeiden hatte, so unerschrocken war er, wann sie ihn umringte. Er hiess den Pir Hamet an den Hof kommen, und sprach ihm Mut ein. Mein Freund, sagte der Kaiser, hat erfahren, dass die gerechte Sache auch die schwächere sein kan; ich hoffe aber, er soll wiederum ein Zeuge sein, dass das Glück sich durch die Geduld lenken lässt.
Usong drang in Karamanien ein; Bajazid und der alte Achmet waren triumphirend zum Machmud gestossen, und der feurige Vater freute sich, da er hoffen durfte, der Osmannen Ruhm würde unter seinem Sohne nicht abnehmen. Ein andrer Feldherr, Morad27, ein abgefallener Christ, aus dem kaiserlichen Geblüte der Paleologen, führte die Osmannen an. Ehrgeitz und Jugend hatten den ehemaligen Fürsten von Byzanz verleitet, seinen Glauben zu verlassen, und eben dieser Ehrgeitz machte ihn niederträchtig genug, dem Zerstörer seines Hauses zu dienen.
Der Kaiser von Persien befolgte seinen Entwurf: er teilte sein Heer, das in blosser Reuterei bestand, in viele Haufen. Alle Nächte gab er dem haupt eines jeden Haufens seine Vorschrift, wohin er eilen, und wo er wieder zu andern Haufen stossen sollte. Die Perser waren aller Orten, und doch konnten die Osmannen sie nirgends antreffen. Usongs Reuter hieben alles nieder, was von dem Haupteere sich entfernte. Wollte der Seraskier eine Zufuhr von Kriegsnotdurft an sich ziehen, so stiessen drei persische Haufen zusammen, übermannten die Bedeckung, erschlugen die Osmannen, und nahmen den Vorrat weg. Ging Morad auf sie los, so zerstreute sich das persische Heer in mehrere Haufen, und die vortreflichen Pferde brachten sie sehr bald aus den Augen der Osmannen. Ein jeder Karamanier wurde ein Ausspäher, kein Schritt der Feinde war den Persern unbekannt, dieweil Morad in einer beständigen Ungewissheit blieb.
Die Osmannen wurden täglich auf diese Weise abgemattet, und Morad, der den Tod eben so sicher zu Byzanz, als in den Flächen von Tocat, vor sich sah, fasste den verzweifelten Entschluss, an allen Orten, wo er ihn nur anträfe, den Kaiser anzugreifen.
Usong vernahm die Verlegenheit, und den Entschluss des Seraskiers, augenblicklich. Nun ist es Zeit zu schlagen, sagte er zu Pir Hamet. Er rief alle die geteilten Schaaren seines Heeres zusammen, in eine Fläche, die hinter seiner itzigen Stellung lag. Der Zurückzug des Kaisers vermehrte den Mut des abtrünnigen Feldherren: er drang mit aller Beschleunigung auf die weichenden Perser.
Da die Osmannen noch zwei Farsangen28 weit von der Perser Hintertreffen waren, so liess der Kaiser plötzlich den allgemeinen Befehl ergehen, ohne kriegerisches Spiel, und mit dem wenigsten Geräusche vorzurücken. Da er an Völkern nunmehr überlegen war, so teilte er sie in drei Teile. Zwei Flügel umringten die Osmannen auf den Seiten, und Usong griff den Seraskier vor der Stirn an. Er befahl, seine Völker sollten, ausser der Macht des Feuergewehrs, sich in Ordnung stellen, und dann mit verhängtem Zügel, und mit dem Säbel in der Faust, auf allen drei Seiten einbrechen. Die Osmannen sahen ihren Untergang vor Augen, und den Tod auf allen Seiten an sie dringen. Sie riefen verzweifelnd, es ist das Schicksal29, und verlohren allen Gebrauch ihrer Kräfte. Sie wurden im Augenblicke zertrennt, viele tausende niedergemacht, und die übrigen bis auf wenige Flüchtlinge gefangen, die am wenigsten verdient hatten, dem tod zu entgehn. Morad sand den Tod minder fürchterlich, als den zornigen Anblick seines Herrn, er suchte ihn auf der Wahlstadt30. Persien erkaufte den grossen Sieg mit so wenigem Blute, dass Usong sagen konnte, sein Triumph koste keine Tränen.
Er kam nach Tabris triumphirend zurück, nachdem sich fast ganz Karamanien in seine arme geworfen, und die osmannischen Besatzungen aus den meisten Städten verjagt hatte. Der Kaiser fand es der Weisheit angemessen, hier eine Pracht zu zeigen, die sonst weit unter seinem Gemüte war. Der Perser Mut zu erhöhen,