in seinem Ausschreiben versicherte, er wäre von der Fähigkeit und von der Tugend seiner Tochter so überzeugt, dass er, unbesorgt für das Glück seines Volkes, sie als seine Erbin vorschlüge. Er versprach zugleich; er würde bei ihrer Vermählung eine solche Wahl treffen, wie sie des Reiches Wohlfart erfoderte. Er liess bei allen Gerichtshöfen, und in allen den verschiedenen Abteilungen der Rechte, des Kriegswesens, der Policei und kammer, und der Religion sie als Erbfürstin des Reiches nächst seinem eigenen Namen den Büchern des Staates einverleiben.
Er eröfnete hiernächst seine Gedanken, indem er sie innig umarmte, der noch immer traurenden Liosua, und bat sie, die Fürstin zu der beschlossenen Verehlichung zuzubereiten, auch es so einzurichten, dass Nuschirwani, ohne sich bloszusetzen, den edlen Anstand des jungen Aliden selber bemerken könnte.
Das letztere geschah, indem einige Ritterspiele in den inneren Höfen der kaiserlichen Burg unter den Söhnen der Grossen veranstaltet wurden, die eben die Festsetzung der Erbfolge zum Vorwand hatten, wodurch Persien Usongs Tochter zu seiner Beherrscherin angenommen hatte.
Nuschirwani war in ihrem dreizehnten Jahre, ihr Leib und ihr Verstand war weit besser ausgebildet, als es dieses Alter sonst verspricht. Sie hatte ein fühlendes Herz und lebhafte Empfindungen. An dem jungen Fürsten war nichts, das nicht liebenswürdig war, sein Alter übertraf das Alter der kaiserlichen Schönen um vier Jahre.
Die Kaiserin nahm die Zeit wahr, ihrer Tochter die grosse Veränderung zu eröfnen, die ihr erhabner Vater für sie beschlossen hatte. Nuschirwani, sagte die liebreiche Mutter, wäre würdig und fähig selber Usongs Zepter zu tragen. Aber die Vorurteile der Völker erfodern Nachsicht. Usong hat einen Fürsten ausersehen, der die Last der Regierung der Erbfürstin erleichtern soll; seine Wahl vereiniget alles, was Persien, und was das Herz seiner Tochter wünschen kan.
Nuschirwani errötete, sie schwieg einige Augenblicke, warf sich vor ihrer vortreflichen Mutter auf die Knie, küsste ihre Hand, benetzte sie mit einigen Tränen, und bat sich, in einer Sache, von welcher ihr Schicksal, und das Glück von so vielen tausenden abhienge, einige Bedenkzeit aus.
Liosua hatte ein viel zu durchdringendes Auge, als dass sie diesen Aufschub für eine blosse wirkung einer jungfräulichen Zurückhaltung hätte ansehen sollen; sie sah, dass etwas im Herzen der Erbfürstin herrschete, das sich wider dieses Band auflehnte.
Sie wollte doch diese Bedenkzeit der über die Kindheit längst erhabenen Fürstin nicht misgönnen. In acht Tagen wird Nuschirwani sich erklären; aber nimmermehr will ich von ihr hoffen, dass sie einen andern Willen haben werde, als den Willen eines weisen und liebenden Vaters, der ihr Kaiser ist.
Die acht Tage waren für die verlegene Fürstin allzugeschwind vorbei. Sie kniete nochmals vor ihrer liebreichen Mutter nieder. Meine Hand und mein Leben ist des Kaisers; wenn er verlangt, dass ich beide ihm aufopfere, so bin ich zum Gehorsam bereit.
Und warum spricht Nuschirwani von ihrem Leben? Weil ich es nicht zu behalten hoffe, wenn ich meine Hand an den Haider vergeben muss.
Die Kaiserin kannte an ihrer Tochter eine Entschlossenheit, dadurch sie ihrem standhaften Vater gleich kam: Liosua verlangte zu wissen, was der Fürstin an dem jungen Haider missfallen könnte.
Nuschirwani unterdrückte lang ihren geheimen Widerwillen, sie konnte aber der Liebe ihrer Mutter nicht widerstehen, und endlich gestund sie: wenn sie sich vermählen sollte, so würde sie ihrem Gemahl ihre ganze Liebe uneingeschränkt gewähren: sie erwarte aber eben auch ein ungeteiltes Herz von einem Gemahl: sie kenne die Freiheiten wohl, die in den Morgenländern der Gemahl sich heraus nehme: sie sei aber von Kindheit an gewohnt, den Kaiser niemand neben der sein ganzes Herz verdienenden Liosua lieben zu sehen: sie hätte immer angemerkt, wie sehr das Glück der Kaiserin auf diesen so rühmlichen Vorzug sich gründete, und sie selbst würde ohne eben dieses Glück die elendeste Fürstin der Welt, und um so viel unglücklicher sein, je zärtlicher ihre Empfindungen für ihren Gemahl sein würden.
Sie hatte von einer ihrer Frauen von dem jungen Aliden sprechen gehört, noch eher als Haider sich hatte schmeicheln dörfen, um die Hand der edlen Nuschirwani zu werben. Sulime', hatte sie vernommen, eine Georgierin, deren Schönheit vollkommen, und deren Gemüt eben so anmutig als ihre Bildung ist, besitzt Haiders Herz unumschränkt. Selbst in der Gesellschaft seines Vaters hat er sie mitgebracht, weil er ohne sie nicht leben kan. Ich denke meinen Gemahl zu lieben, fuhr die Erbfürstin fort: ohne diese hoffnung würde der Brautkranz mir schwerer als eiserne Fesseln sein. Ich kan die Erwartung nicht vertragen, die eckelhafte Frau eines überdrüssigen Gemahls zu sein, dessen Herz bei einer andern sein würde, dieweil er mich zu umarmen sich zwänge. Eben so wenig kan ich es als ein erträgliches Schicksal ansehen, wenn ich meiner Rechte eingedenk, mich rächen, und die Feindin desjenigen sein sollte, den man mir als das Werkzeug meines wahren Glückes vermählt hätte.
Die Kaiserin war betreten, sie entliess die junge Fürstin. Man wird trachten, sagte sie mit freundlichem Ernste, dass der Nuschirwani Gehorsam nicht ihr Unglück werde: sie wird sich aber auch erinnern, dass Usongs Aussichten grösser sind, als dass sie den Bedenklichkeiten weichen sollten, die einer fräulein vergönnt, aber für die Erbtochter von Persien zu jugendlich wären.
Liosua liess den Kaiser glauben, Nuschirwani setzte dem Rate ihrer Mutter Verzüge der Schamehaftigkeit entgegen, und schickte ihre Vertrauteste zur schönen Sulime': die Kaiserin verlangt die Zierde Arabiens zu sprechen,