es dahin, dass die Untertanen18 die Gegenwart der Kriegsvölker für ein Glück hielten, die sonst in andern Ländern fast so verderblich als die Feinde sind. Der persische Kriegsmann konnte von seinem Solde reichlich leben, ein edler Stolz hielt ihn von allen Gewalttaten ab. Er würde sich als entehrt angesehen haben, wenn er eine Frucht ohne erlaubnis vom Baume abgerissen hätte. Lasst die Osmannen ihr eigenes Volk berauben, wir sind Persiens Beschützer.
Nuschirwani war nunmehr in ihrem zehnten Jahre. Usong befahl, dass sie eben die Auferziehung erhalten sollte, die für ihre jungen Brüder bestimmet war, wenn sie die zärteste Jugend würden überstanden haben. Sie wurde in der geschichte, in den Gesetzen, in der Kenntniss des Landes, und der Früchte der Kunst und der natur, in den Einrichtungen, wodurch die öffentliche Sicherheit, der Ueberfluss, und die Gerechtigkeit gesichert wird, und in allen Tugenden eines Fürsten unterwiesen. Die junge Kaisertochter hatte die Standhaftigkeit ihres Vaters, und eine Bildung, die eine Aehnlichkeit mit dem sanften Gemüte der Liosua mässigte. Ihrem verstand war nichts zu schwer, und Usong sah mit entzückendem Vergnügen, dass, auf welchen Tron das Schicksal seine Tochter führte, sie für ihr Reich ein Geschenk des himmels sein würde.
Er rüstete sich zu einer neuen Reise, und ging mit seinem vertrauten Gefolge nach Persiens nordwestlichen Provinzen ab. Aller Orten liess er sich die Bücher der Gerichte vorlegen, und selten fand er Ursache zu ändern. Er musterte sowohl die ordentlichen Kriegsvölker, als die gewaffnete Landmacht Persiens: beide fand er, mit Ausnahme der Feuerrohre, geschickt und geübt. Er besah die Werkhäuser der Künste, und liess sich von den Bergwerken, von den Stahlgruben in Masanderan, von den Türkissen des berges Firuzkuh, und von andern Quellen des persischen Reichtums, die genaueste Nachricht erteilen. Er erfreute sich über die vermehrten Maulbeerbäume, und über die neuen Gärten und Wiesen, die er in allen Provinzen antraf. Ueberall sah er neue Häuser, und in allen Städten den Schutt weggeräumt, den die ehemaligen Zerstörer verursacht hatten: und neue Gebäude stiegen aus den erödeten Plätzen auf. Von seiner Strengigkeit liess er wenige und unvermeidliche Spuren, von seiner Gnade und Freigebigkeit unzählbare nach sich.
An einem einsamen Orte, auf dem Wege nach Masanderan, entfernte er sich mit Fleiss von seinem Gefolge, und ritt einer mit Stroh bedeckten Hütte zu, die vom Wege entfernt auf einem Hügel lag. Dieser Hügel war durch kleine leimerne Mauren in Stuffen abgeteilt, und jede Höhe war mit den dazu sich schickenden Gewächsen bepflanzt. Den Kaiser befremdete der Anblick des Hügels in der Ferne, der Fleiss des Bewohners zog ihn an sich, es war eine Nachahmung der chinesischen Aemsigkeit. Ein uralter Greis sass unter seinen Enkeln, und gab ihnen seine Räte bei der Arbeit, an welcher sie mit einem freudigen Eifer sich beschäftigten. Guter Alter, sagte Usong, wieviel sind deiner Jahre? Herr, ihrer sind viele, ich habe auf dem feld, von dem du kömmst, Timurs Gezelt gespannt gesehen. Wie waren die ehemaligen zeiten? wie gefallen dir die itzigen? Das Rohr, sagte der Alte, wird nicht ausgewurzelt, weil es sich beugt. Ich habe den Timur gesehen: er herrschte wie der Löwe, er griff nur den Raub an, der ihm widerstehen konnte, der Schwachen schonte er. Es folgten Fürsten, sie herrschten wie die Schakalen19, sie zerrissen auch den, der nicht widerstund, der wie ein Todter alles leiden musste. Nun dünkt mich, herrscht der Elephant, der von den Geschenken der Erde lebt, der niemand beraubet und dennoch gross ist. Timurs Kriegsleute nahmen uns die Lebensmittel: aber unter seinen Enkeln war die Unschuld unsrer Kinder vor ihrem Raube nicht sicher. Jetzt sind die Kinder, das Vieh, und die Früchte meines Schweises alle mein. Wenn Usong lebt, soll dieser ganze Hügel ein Garten, und diese Hütte ein Dorf werden, das meine Enkel einzig bevölkern. Der Greis war ein Mongal, der als ein Gefangener nach China geführt worden war, und daselbst den vollkommenern Bau der Erde gelernt hatte. Usong lächelte vergnügt, und hinterliess dem glücklichen Alten Zeichen seiner Güte. Der Tartar vernahm niemals, dass der Beherrscher von Persien unter seine demütige Hütte abgetreten war.
Usong eilte nach Masanderan, um im Frühlinge diese Provinz durchzureisen, zu einer Zeit, da sie durch die vielen Bäche erfrischt zum Paradiese wird. Die Blumen, die Tulpen, die die Gärten der Osmannischen Herrscher zieren, die Hyacinten, die Pracht der abendländischen Gärten, allen Schmuck der Erde gibt die natur hier ungesäet und ungewartet hervor. Die Weinstöcke schlingen sich aus eigenem Triebe an die Bäume, sie kennen das Schneidemesser und die Hacke nicht, und tragen dennoch die edelsten Trauben, woraus man den besten der Weine presst. Schattichte Wälder bekränzten die Hügel, wo sonst in Persien eine traurige Dürre herrscht. Usong fand die fruchtbare Provinz in der jugendlichen Pracht der schönsten Jahreszeit.
Er nahm einen grossen Umweg, die Wüste zu vermeiden, die er mit Bedauren einen beträchtlichen teil seines Reiches einnehmen sah20: er ging über Caswin, und musste dennoch die beschwerlichsten Gebürge, durch die gefährlichsten Wege, übersteigen, ehe er nach Estrerabad kommen konnte. Er liess daselbst einige Festungswerke aufführen, und erwählte einen Standort für eine genugsame Zahl Reuter, die sowohl die zur Unruh geneigten Hirkanier, als die benachbarten wilden Truchmannen in den Schranken halten sollten. Er rühmte den Fleiss der Bürger des blumichten Reschd