die Bonzen verhasst waren. Der Zongtu nahm mich unter seine Freunde auf, und ich war der Gefährte seiner Abendstunden. Er glaubte aber selbst an den Tien nicht; und nach seiner Meinung war kein Richter der Menschen, und kein Unterscheid des Guten und des Bösen. Er hielt mich für einen Anhänger des Laokings16. Da ich aber nicht verbergen wollte, dass ich den Tien verehrte, und die Tugend dem Laster vorzog, so verlohr ich auch diese Stelle: der Zongtu erniedrigte sich so weit, dass er in harten Ausdrücken wider mich schrieb, ob er wohl meine Schriften niemals gelesen hatte.
Ich kam nach Peking, und wurde in Staatsgeschäften gebraucht: es wurden Schriften mir anvertraut, die von der grössten Wichtigkeit waren; ich musste des Reiches Rechte zu den Inseln Liu Kiu verteidigen, die Nipon in Anspruch genommen hatte. Nun, dachte ich, hab ich das Vertrauen meiner Obern erworben: aber meine Eitelkeit wurde sehr bald bestraft. Ich hatte Nipons Rechte nach allem meinem Vermögen entkräftet, und man rief, er ist ein Niponier.
Ich warf mich in den Schoos der Wissenschaften, und suchte bei ihnen meinen Trost; ich fand ihn, und erfreute mich über einen Schatz, der zu meinem Glückke zureichte, und den mir niemand rauben konnte. Aber auch diese Zuflucht wurde mir abgeschnitten. Man setzte sich mit Nipon; die Höflinge, die für dieses Reich waren, verfolgten mich nunmehr, weil ich Taisings Rechte verfochten hatte, und ich empfand bei allen Gelegenheiten ihren Hass.
Der Tien, sagte ich endlich, spricht zu den Menschen durch keinen Mund eines Sterblichen. Der Herold seines Willens ist seine Verfügung; er befiehlt mir China zu meiden, dem ich auf keine Weise mich gefällig machen kan. Und wohin würde ich geflohen sein, als zum grossen Muster der Weisheit und der Güte; denn Liewang, der ihm sein geliebtes Kind anvertrauet hat, verheelte mir seine Hochachtung für den Sohn seiner Wahl nicht.
Usong antwortete: bei den Sterblichen die Belohnung der Tugend suchen zu wollen, ist ein eiteles Verlangen: die Weisen eifern täglich über der Menschen Leidenschaften und über ihre Laster, und wie können sie sich verwundern, wenn sie erfahren, dass ihr Gemälde dem Urbilde ähnlich ist? Ich bin dem Oel-fu verpflichtet, der gehoft hat, hülfe bei mir zu finden. Usong brauchte den Chinesen zu geheimen Bedenken: er übergab ihm Geschäfte zu entwickeln, die er niemand gern vertraute: und weil der Kaiser diese Aufsätze selbst durchlas, so erkannte er einen brauchbaren Diener am Oel-fu, an dem man in China so viele widersprechende Laster gefunden hatte. Aber Usong hatte selber aus des Oel-fu Unglücken auf seine Tugenden geschlossen. Oel-fu war beständig seiner überzeugung gefolget, und hatte dadurch wechselsweise die einen oder die andern beleidiget, die nicht das gemeine Beste, sondern ihre eigenen Absichten zu befördern suchten. Die Mächtigen lieben nur denjenigen, der allemal mit ihnen dahin sich umlenket, wohin ihr Vorteil führet.
Der Kaiser beschäftigte sich unermüdet mit der Wohlfahrt seines Reiches. Die weisen Männer, denen er die Arbeit aufgetragen hatte, waren mit der Uebersetzung der gesetz Nuschirwans fertig geworden. Der Kaiser durchsah sie mit der grössten Aufmerksamkeit, und suchte alle Worte so richtig zu bestimmen, dass sie niemals zweierlei Deutung haben könnten. Er sorgte, dass sie einfach wären, dass sie aus den allgemeinsten Fällen durch ordentliche Treppen auf die besonderen herunter stiegen, dass sie mit einander in ein harmonisches Ganzes übereinstimmten, und dass sie viele Fälle entschieden, ohne dieselben einzeln zu nennen. Der Gesetzgeber muss alle einzelne Fälle sich vorstellen, und sein Gesetz so einrichten, dass es sie alle entscheidet, und über dasjenige spricht, das allen Fällen gemein ist. Usong gab allen Gesetzen einen Hang zum Besten der Armen, der Waisen und des Untertanen. Des Kaisers Zepter ist ein Schwerdt, sagte er; des Grossen Macht ist sein Schild; das Gesetz muss für die Wehrlosen sorgen. Er versah, dass niemand von diesen Gesetzen sollte ausgenommen sein: die Priester, die Kriegsleute, des Kaisers eigentümliche Landgüter und seine Vorrechte, waren eben den Gesetzen unterworfen, denen sich ein Bauer unterziehen musste. Die Ordnung die Streitsachen zu entscheiden, war auf gewisse Tage eingeschränkt: sie bestund in wenigen Klagen und in kurzen Zwischenzeiten. Die Geschenke waren bei Strafe der Entehrung den Richtern untersagt. Der Kaiser fuhr fort, zwei Tage in der Woche dem obersten Gerichtshofe beizuwohnen.
Kurz hernach gab Usong die Kriegsgesetze aus; sie bezogen sich bloss auf die Geschäfte der Waffen, und auf die Kriegszucht: in andern Streitigkeiten und in allen Fehlern gegen die gemeine Sicherheit, setzte er die besoldeten Kriegsleute unter die gemeinen Richter. Die Obermacht der Krieger ist, zumal auch in den Morgenländern, zu gross, und würde unerträglich, wenn man Kriegsleute vor Kriegsleuten belangen müsste. Auf den Gehorsam gegen die Befehle, auf die Entaltung von aller Vergewältigung, auf die Standhaftigkeit in der Gefahr, wurde mit der grössten Strengigkeit gehalten. Wenn der Feldherr selbst das Panier von Persien nicht zurück rief, so war ein Weichender des Todes schuldig: und das Zerstreuen von der Fahne wurde auch beim befohlenen Rückzuge mit dem tod geahndet. Usong wusste, dass selbst die freiesten Völker in den Abendländern sich durch die Strenge ihrer Kriegszucht unüberwindlich gemacht hatten, und dasjenige, was allemal und ohne Schonen gestraft wird, endlich nicht mehr in den Gedanken der Menschen aufsteigt, und nicht mehr widerfährt17.
Der Kaiser brachte