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Usong wechselsweise seinen Freunden gab, bat ihn Scherin, von einem aufrichtigen Diener eine Frage anzuhören.

Was kan Usong vom Scherin nicht anhören? was kan er ihm versagen? bin ich so klein geworden, dass mich der Stolz undankbar mache? Scherin neigte sich: wir danken dem Tien, der uns den Trost Persiens wieder schenkt: der auch dem Usong Erben seines Trones gegeben hat, von denen wir die Tugenden des Usongs und des Tschengis erwarten können. Aber die Ruhe der Welt beruht auf wenigen Augen. Wie bald können durch die abissinische Krankheit die jungen Blumen verwelken, ehe ihre Zeit kommt, für Persien Früchte zu tragen. Warum entzieht sich der Kaiser in seiner muntersten Jugend das Recht, das alle Beherrscher der Morgenländer schon vor dem Cyrus genossen haben? warum schränkt er die hoffnung der Erde auf eine einzige Gemahlin ein? warum unterstützt er das Haus, nicht mehr des Tschengis, sondern des würdigern Usongs, nicht mit mehrern Söhnen, die ihn die natur hoffen liesse?

Mein Scherin, lächelte der Kaiser, gibt mir ein Zeichen seiner echten Freundschaft, er wünscht den Usong so glücklich zu sehen, als er selbst ist. Doch Usong ist es schon: er findet mehr Vergnügen im Umgange mit einer einzigen Geliebten, die Reitze genug für ihn hat, aber deren Sitten, deren Auferziehung, deren Witz, und deren Wissenschaft, sie zum Umgange angenehmer machen, als erkaufte Sclavinnen, die nichts als die leichte Kunst zu buhlen gelernt haben.

Aber Scherin kennt die chinesische geschichte, er weiss das Ende der Enkel des furchtbaren Timurs, er hat mit mir den Schutt des Palastes der Kalife zu Bagdad besehen; er ist auch in den Abendländern mit mir gewesen. Scherin wird sich erinnern, dass seit Jahrhunderten ein einziges königliches Haus unter den Nazarenern durch das Schwerdt ausgelöscht worden13 ist, das war aber eine Tat des unversöhnlichen Hasses eines gekrönten Priesters. Sonst sterben die herrschenden Häuser auf dem Trone ihrer ersten Ahnen aus, oder stehen, wie die Capetiden, viele Jahrhunderte durch unerschüttert.

Oft habe ich überdacht, warum in China, in dem gesitteten, in dem gelehrten China, der ein und zwanzigste Kaiserstamm herrsche; warum so manches vergöttertes Haus mit allen seinen Zweigen, durch das Schwerdt ausgerottet worden sei; warum es einem verwegenen Bonzenknechte so leicht gewesen sein möge, die Enkel des Tschengis vom Trone zu verdrängen. Ich wiederhole eben die Frage bei den Kalifen, bei den Gasnewiden, bei allen königlichen Stämmen in Asien, davon noch keiner zweihundert Jahre im Besitze des Trones geblieben ist.

Die Enkel der Helden, die ihren Stamm durch ihre grossen Eigenschaften auf den Tron erhoben, sammlen sich ein Harem, sie finden in den Armen der Schönen eine Glückseligkeit, die leichter zu erwerben ist, als die schwere Kunst, seiner Untertanen Wohlstand zu ersorgen. Ein Kaiser fängt an schläfrig zu werden, noch erwacht er zu zeiten, und hat den Mut, seinen Schönen zu entgehen. Sein Sohn schläft tiefer, und der Enkel erwacht nicht mehr. Der Monarch bleibt auch im Alter ein Jüngling, was seine Veränderung sein sollte, wird sein Geschäfte. Die Verschnittenen, die Wazire, die Häupter der Leibwache herrschen für ihn, tausenderlei Unterdrückungen nehmen unter dem Schutze Gaben nehmender Grossen überhand. Der leidende Untertan findet keine hülfe, er hat sein ganzes Leben durch den Kaiser nicht gesehen, und seine helfende Hand nie gefühlt. Eifersucht und Furcht rät an, die Beschützer des Landes selber zu stürzen; die schwachen Regenten verlangen nicht mehr kriegerische Feldherren, die ihnen gefährlich sein könnten. Alle arme der Regierung werden gelähmt: das Herz des Volkes ist verlohren. Hier wird ein Türke, eine Buide, der erbliche Oberherr der angebeteten Kaliffen: dort stürzt ein Tschu den unentschlossenen Tauwang Timur vom ersten Trone der Welt, und treibt ihn in die Wüsteneien Scytiens. Unter den streitbaren Usbecken reiben die Enkel des mächtigen Timurs einander grimmig auf. Musste nicht Ulugbeg, der weise, noch neulich von den Händen eines Vatermörders sterben? Wo ist nun der Vorzug der vielen Frauen, der zahlreichen Enkel?

Usong hoffet, der junge Dschuneid werde durch den Unterricht weiser Männer, und durch die Ermahnungen seiner vortreflichen Mutter, zu einem Fürsten erwachsen, bei dem die Völker den Usong vergessen. Er schmeichelt sich sein Stamm werde frei vom Brudermorde bleiben: und eine gute Auferziehung ist, nach seinen Gedanken, die wahre Stütze eines herrschenden Erbhauses.

Scherins Herz ergab sich nicht, das sanfte Gift der Wollust hatte ihn bezaubert, aber sein Verstand fand keine Antwort.

Doch wagte er noch einen Angriff auf seinen erhabenen Freund. Ist es möglich, sagte er, dass Usongs Kräfte der Arbeit widerstehen, deren er sich unterzieht? wird er nicht an den Jahren eines abgekürzten Lebens mehr Stunden verlieren, als er jetzt sich selber, seiner billigen Erquickung missgönnt? Ist denn der Tron ein Ort der Strafe, wovon die Ruhe verbannt ist, wo kein Lust dem erschöpften Herrscher sich nähern darf?

Das sollten mein Freund und ich überlegt haben, als wir von Anah auszogen, unsere Hoffnungen bis zu Persiens Trone sich schwingen hiessen, und die Besorgung so vieler Millionen Menschen ehrsüchtig übernahmen. Jetzt ist es zu spät, sich der Mühe zu entziehn, die zur Pflicht geworden ist. Doch ich öfne dir mein Herz. Ich fühle keine Last, mir ist der Zepter nicht schwer. Ich sehe jede Stunde wie eine Gnade an, die das oberste Wesen auf mich fallen lässt, tropfenweise fallen lässt, auf