man daselbst verfertigte.
Er hatte hier einen Streit zu schlichten, der zwischen seinem Abgesandten und den Benjanen entstanden war. Der Abgesandte foderte dieses älteste unter den Völkern auf, in seiner Reihe die Waffen zu tragen, und sich in denselben zu üben. Die Benjanen verabscheuten alles Blutvergiessen, und folglich die Werkzeuge des Krieges, die Waffen. Usong erinnerte sich, dass sie die nützlichsten Untertanen von Persien waren; er wollte sie zu nichts zwingen, das ihr Gewissen beleidigte. Nimmermehr, sagte der Gütige, muss man die Menschen in die Versuchung setzen, zwischen dem zeitlichen und ewigen Wohl zu wählen. Er entliess die Friedliebenden vom Tragen der Waffen, gegen eine kleine Auflage, die man auf jeden Kopf legte, und die unter die Perser verteilt wurde, die allein die Last der Waffen tragen sollten. Die Benjanen warfen sich zu des Usongs Füssen, und verehrten den Nachfolger des Cyrus und des Gustasps10.
Usong eilte von Kerman durch eben dergleichen öde Sandfelder nach Gomron. Er sah die Hengisehstaude, und den geduldigen Geber täglich eine neue Scheibe von der entblösseten Wurzel abschneiden, deren Saft zu einer in Indien hochgeschätzten Waare wurde, und eine Quelle des Reichtums der Perser war. Aber die Kräfte des zu allem Ungemach abgehärteten Usongs reichten doch nicht zu, der schwülen Luft, dem schlechten wasser, und den giftigen Dünsten der Erde zu widerstehen: er fiel zu Gomron an einem gefährlichen Fieber krank, da er eben die Perlenfischerei zu Bahrein selbst besehen wollte. Man trug den schmachtenden Kaiser unverweilt in die Palmenwälder, die am fuss der Berge Genau und Gerun liegen, wo die Luft gesund ist, wo die reinsten Bäche die Erde erfrischen, und ein beständiger Frühling herrscht. Er kam kaum noch atmend in diese glückselige Gegend; aber die erfahrnen ärzte von Lar11 setzten dem tödtlichen Fieber die Zitronen dieser heissen Gegend, und der kühlenden Melonen labendes wasser entgegen: und die Veränderung der Luft dämpfte langsam das Feuer, das Usongs Lebenskräfte verzehrte.
Im ganzen Reiche erscholl die Gefahr des Kaisers, und das eilfertige Gerücht kündigte bald darauf seinen Tod an. Ganz Persien zitterte über den unersetzlichen Verlust: das Reich hatte vieler Menschen Leben durch unter bösen Fürsten gelitten, kein Greiss konnte sich an einen Herrscher erinnern, der nicht ein Tyrann gewesen wäre. Und nun sollte es den Herrn verlieren, dessen erste Jahre das Reich nur für die Morgenröte hielt, die vor dem fruchtbarn Tage herging, in welchem eine segenreiche Sonne mit vollem Glanze über Persien ihre Strahlen ausschütten würde. Die Mütter riefen ihre Kinder zum Flehen auf; wir müssen vor euch sterben, aber nun stirbt auch der, der nach unserm tod euer Vater gewesen wäre. Man schrie, der Gerechte, der Gütige, der Weise, der Sieghafte, das Ebenbild Gottes wird uns entzogen, wer wird ihn ersetzen! Hundert eilende Läufer rannten von allen Teilen des grossen Reiches, eine Nachricht vom Zustande des Kaisers einzuholen, nach welcher man mit Zittern verlangte. Die stimme der Freude wurde nicht mehr gehört. Die hände der Arbeit stunden still, der Liebe Spiele verstummten, ein banges Erwarten herrschte durch das erschrockene Persien, wie vor dem allgemeinen Gerichte.
Man konnte die entsetzliche Zeitung der kaiserin nicht verheelen. Ich will gehen, rief sie aus, und mit ihm sterben. Niemand kennte sie abhalten, die gefährliche Reise zu unternehmen, die kein Dienst der Menschen erleichtern konnte. Sie liess sich auf einen Palankin bringen, da weder Pferde noch Kameele die unwegsamen Gebürge ersteigen können. Sie eilte, ohne sich einige Ruhe zu gönnen, mit abgewechselten Trägern, über das Gebürge, an entsetzlichen Abstürzen, wo der schmale Steg über den Felsen, und über die in der Tiefe kaum sichtbarn Schlünde hängt: sie trank das bittere wasser, das die natur sparsam hergiebt: sie achtete die schwülen Winde um Lar nicht, die oft wie feurige Schlangen den Reisenden im Augenblicke tödten: sie hauchte die heissen und erstikkenden12 Dünste, die aus der Erde steigen, und atmete die gesalzene Luft, die einen unauslöschlichen Durst verursachet: sie setzte zu Kurestun über den gefährlichen Bendemir, der oft wie ein Meer sich plötzlich ergiesst, und in wenigen Stunden das ganze Land einnimmt: sie langte in unglaublicher Eile in den Dattenwäldern an, und warf sich in die arme ihres schwachen Gemahls. Nun, rief sie, will ich leben, da ich meinen Usong wieder sehe.
Des Kaisers fühlendes Herz vernahm nicht ohne Rührung die Liebe seines Volkes, und sah nicht ohne die innigste Empfindung die alle Gefahren verachtende Treu seiner Gemahlin: ihre Umarmungen, ihre holde Pflege, ihre unermüdet sorgende Bemühung, ihm einige Erquickung zu schaffen, schienen ihm Kräfte zu geben; er genas, wiewohl langsam, und liess sich noch schwach und verfallen nach Schiras tragen.
Hier versammelte sich ganz Persien. Alle Provinzen schickten ihre angesehensten Männer, dem wieder auflebenden Kaiser die Verlängerung der Tage anzuwünschen, die Persiens güldene zeiten waren: sie brachten die wahren Opfer der getreuen Herzen der Untertanen, und ihre Rührung strahlte aus den mit Tränen glänzenden Augen. Tausend Freudensbezeugungen waren das allgemeine Geschäfte aller Perser, und von den Tempeln so vieler verschiedenen Glaubensgenossen stieg ein allgemeiner Dank zu dem obersten Wesen auf.
Scherin, der Freund der Jugend Usongs, hatte mit dem Glücke der Perser Sitten angenommen. Er hielt sich ein zahlreiches Harem, das mit den teuersten Schönen aus Georgien bevölkert war, und fand in ihrem Genusse seine Glückseligkeit. Innigst liebte er den Kaiser; an einem der Abende, die