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Karlowingen. 2 Das Neujahrsfest. 3 Dieses wurde im 17. Jahrhunderte von einem weisen Wazir für ein allgemeines Unglück gehalten. 4 In Persien eilten noch im vorigen Jahrhunderte, nach einer allgemeinen Landplage, die Landleute an den Hof, und legten dem Kaiser die ledigen Aehren und die Heuschrecken vor, von denen ihre Aecker waren verwüstet worden. Sie erhielten allemal eine Nachlassung. 5 Ich glaubte, wie ich dieses schrieb, dem Herrn Poivre in seinem Voyageur philosophique, China kenne keine andere Auflage als die Landsteuer. Aber P. Navarette, der lang in China gelebt, und die Sprache verstanden hat, belehrt mich nunmehr eines andern. Man hat in China eine Kopfsteuer, man bezahlt Zölle, und andre Auflagen. Nur in Indostan ist freilich die Landsteuer die einzige Auflage, die aber unter den jetzigen fremden und harten Herrschern bis auf sieben Zehntel der ganzen Landesfrüchte gestiegen ist, und dennoch die Höhe noch nicht erreicht hat, auf welche die Landsteuren in verschiedenen Provinzen Frankreichs gebracht worden sind. 6 Ein Fluss im Koromandel, mit welchem man die Reissfelder wässert. 7 Nach einer mässigen Berechnung Omina belaufen sich diese Einkünfte auf 1,500,000 Mark Silbers. 8 In einem land dessen Einkünfte durchgehends in den Früchten des Landes bestehen, kan die einzige Steuer angehn: In Holland, wo die Manufacturen einen eben so grossen teil der Steuern aufbringen müssen, wäre die Landsteuer unzureichend. 9 Ist der grosse Cosroes der Griechen, der Ueberwinder des Belisarius, dessen Siege, aber die Perser minder verehren, als seine Gerechtigkeit. 10 Die Abendländer nennen anstatt der Kurden die Turkumannen. Diese wilden Räuber scheinen aber der Kriegszucht unfähig, und die Kortschi waren lange die tapfersten Völker von Asien. Saladin und Kelaun, zwei Stammväter egyptischer Soldane, waren beide Kurden. 11 Schach Abbas konnte zu Tabris sechzigtausend Mann den fremden Bottschaftern auf einmal zeigen, davon keiner ein eigentlicher Soldat war. Della Valle. 12 Fürst vom Geblüte bei den Tschengiden. 13 Dem Flusse der durch Schiras läuft. 14 Adrianopel. 15 Um Tschelminar sieht man verschiedene Feuertempel der Gebern. 16 Aus der arabischen geschichte des Oklei. 17 Medien. 18 Feien der Mahometaner.

Drittes Buch.

Usong liebte den Frieden, weil er sein Volk liebte; aber die Ehre Persiens war ihm noch teurer als der Frieden, weil ohne dieselbe kein Friede bestehen konnte. Er sah sich gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Zeno wurde zu Halep von einem gierigen Stattalter des neuen egyptischen Soldans angehalten, mishandelt, und eines Teils der Geschenke beraubt, die er nach Venedig bringen sollte. Ungeachtet Usong dem Zeno einen Abgeordneten mitgegeben hatte, der mit ihm nach Venedig reisen musste, und allen Vorstellungen zuwider, die der Perser bei den zirkassischen Räubern tat, war weiter nichts zu erhalten gewesen, als dass Zeno, halb geplündert entlassen wurde.

Usong konnte die Beleidigungen nicht ungeahndet lassen, die dem Botschafter einer freundschaftlichen Macht widerfuhren, der unter seinem Schutze gereiset war. Er konnte auch die Gemeinschaft mit Venedig nicht entbehren, die zu seinen grossen Absichten unentbehrlich war. Er schickte einen der Hauptleuten seiner Leibwache, den Merwan, einen gesetzten und standhaften Perser nach Alkahirah. Er stellte dem ohnlängst erwählten Soldan Ol Malek ot Taher vor, Persien und Aegypten seien durch die natur selbst verbündet, da sie beide einen gemeinschaftlichen Feind an den Osmannen hätten. Das gute Verständniss, das zwischen Persien und Venedig herrsche, hätte eben die Absicht, ein Gegengewicht wider die zunehmende Macht dieses unternehmenden Reiches auszumachen. Usong verlangte bloss, dass der Soldan seines Stattalters Frevel für ein Unrecht erklärte, woran er selbst keinen Anteil hätte.

Der Stattalter von Halep war einer der vier und zwanzig Fürsten, die aus Sclaven zu Herren von Egypten worden waren. Er stunde unter seinen Brüdern in grossem Ansehen, und er hatte zu der Erhebung des Soldans nicht wenig beigetragen. Dieser gekrönte Sclave hatte weder den Willen, noch den Mut, die Uebeltat seines Freundes zu bestrafen. Er liess den Abgeordneten des Kaisers lang ohne Antwort, und gab endlich eine Entschuldigung für die Beraubung des Zeno, die fast so beleidigend, als die Tat selber war. Am ägyptischen hof hatten keine gesetzten Beratschlagungen Platz. Der Soldan müssigte sich vom Genusse seiner Wollust selten ab, und dann nahm er eine schleunige Entschliessung, wie sie ihm von den Verschnittenen, oder von einem gefürchteten Bei angeraten wurde.

Merwan eilte nach Schiras, und Usong machte, so ungern er das Blut der seinigen verspritzte, Anstalt zum Kriege. Die unter den Zelten dienenden Kurden wurden aufgeboten. Zu Tabris stiess eine auserlesene Reuterei aus Georgien zum Lager, und die Hälfte der persischen stehenden Völker führte der Kaiser an, der die wenigen Büchsenschützen mitnahm, die er selbst unterrichtet hatte. Das auserlesene Heer vereinigte sich in den fetten Wiesen von Aderbeitschan. Usong führte es durch Erbil und Merdin gegen Halep und drohete der Stadt Orsa, die unter dem Soldan stunde. Dschuneid eilte mit den freiwilligen Arabern zu seinem Freunde.

Die alten Zirkassen waren zwar durch die Wollüste von Aegypten erweicht, da aber alle Jahre neue Schwärme von Nogaiern, und Crimeern, von Kabardinern und Zirkassen die mamelukischen Völker ergänzten, so unterhielten diese rohen Leute den Mut der Nation durch die Herzhaftigkeit, die unverdorbener Völker Vorzug ist. Der Soldan kam mit einem mächtigen Heere, worinn viel Geschütz, und ganze Schaaren mit Feuerröhren bewafnet waren.

Usong kannte seine Perser. Dieses sinnreiche und nicht unedle Volk ist dem Triebe der Ehre gehorsam, und fällt den Feind