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Perlen von Bahrein, edle Pferde, und Säbel vom besten Stahl. Er umarmte ihn: Usong wird ewig derjenige gegen Zeno bleiben, der er zu Alkahirah war, sagte der Kaiser. Den liebenswürdigen Dschuneid beurlaubte er mit zärtlichen Ausdrücken seiner Liebe: sage dem Diener Gottes, dem Hassan, Usong sei sein Sohn, und dein Bruder. Hiemit trennten sich beide Freunde, und Usong ging über den Euphrat, nach Bagdad.

Dieser Sitz der der mächtigen Befehlshaber der Gläubigen war durch den Halaku halb verwüstet, und unter den schlechten Fürsten noch mehr eingegangen. Aber seine Lage, die den Tiger beherrschete, und zu einer Vormauer des südwestlichen Persiens dienen konnte, bewog den Kaiser, Bagdad aufs stärkste befestigen zu lassen, und hier liess er eine der zahlreichsten Besatzungen von Persern.

Er verfügte sich nach Basra, dem Sitze der Seehandlung des Reiches. Erliess sich aufs genaueste unterrichten, was für Kaufleute dahin kämen, was sie für Waaren aus den Morgenländern brächten, was wiederum von Persien ausgeführt würde. Er nahm Entwürfe mit, wie auch auf der See der persische Namen furchtbar gemacht werden könnte, und hoffte die Obermacht in dem Meerbusen ernst zu behaupten. Er sah ein, wie nachteilig es für Persien war, dass man lauter fremde Schiffe zu Basra sah, und die Perser von der Willkühr der Ausländer abhingen, die ihre Waaren in ihrem eigenen Preise den Persern aufdrangen, und hingegen sie nötigten, die Waaren des Reiches ihnen niedriger, als ihr Wert war, zu überlassen; weil das Reich keinen andern Ausweg hatte, die Früchte der natur oder der Kunst auszuführen. Aber Usong war zu Einsichtsvoll, als dass er alles auf einmal übernommen hätte, und Portugalls Seemacht hinderte unter seinen Nachfolgern Persien, die seinige zu vergrössern.

Von Bagdad kam der Kaiser nach Jondisabur, dem ehemaligen Sitze der Wissenschaften unter den Sassanischen Herrschern, das aber nunmehr verfallen, und öde war; und nach Suster, dem prächtigen Sitze des grossmächtigen Ahaswers. Er eilte über Tschehelminar nach Schiras zurück, um bei der Niderkunft seiner Gemahlin gegenwärtig zu sein.

Er gab der Tochter, die sie ihm schenkte, den Namen Nuschirwani: sie sollte ein neues Pfand sein, dass er sich den grossen Herrscher zum Vorbilde nähme, der diesen Namen getragen hätte. Gerecht im Frieden, siegreich in den Kriegen aufmerksam auf alle Teile des allgemeinen Wohlstandes, war Nuschirwan gewesen, und war nunmehr Usong.

Der zarte Bau des Leibes, der mit dem sanften Gemüte der Kaiserin übereinstimmte, litt bei ihren Niederkunften, und den Geburten der Nuschirwani, und her zwei Fürsten, die auf dieselbe folgeten. Liosua nahm täglich ab; sie überwand aber die Schwachheit ihrer Glieder, und zeigte dem Kaiser nichts als die angenehme Gelassenheit, die allem ihrem Wesen angebohren war. Sie bat sich einmal seine Gesellschaft aus, und wies ihm ihre Seidenhecken, ihre Porcellanöfen, ihre Baumwollenmalereien, und die übrigen Anstalten, die unter ihrer Aufmunterung erwachsen waren. Der Kaiser sah mit Vergnügen ein, dass die blosse natur ohne einige hülfe der Kunst zureichte, das kostbare Gewürme auszuhecken, und sein Gespinnst zum brauchbaren stand zu bringen. Er berechnete leicht, mit der richtigen Einsicht, die ihm eigen war, dass diese Seide wohlfeiler, als die von zahmen und mit Menschenhänden gefütterten Würmern erzielte Seide, und folglich eine Waare sein würde, die Persiens Seidenstoffen einen Vorzug geben müsste. Er liess die Erfindung, in freier Luft auf den Bäumen die Würmer, ohne Zutun des Menschen, spinnen zu lassen, durch alle seine Abgesandten bekannt machen, und verteilte durch die bequemsten Provinzen einen teil der chinesischen Arbeiter, die den Persern die leichten Handgriffe zeigen sollten, zu dieser freiwilligen Gabe der natur zu gelangen.

Eben so vergnügt war er mit den vortreflich gemahlten, und an Feinheit alle abendländische Webereien übertreffenden baumwollenen Zeugen, deren Farben unnachahmlich schön waren. Er gab das Beispiel, sie zu leichten Sommerkleidern zu brauchen: der Hof und das Volk, das seinene Kaiser anbetete, verschafften den Werkhäusern einen solchen Abgang, dass man die Arbeiter vermehren, und neue aus China verschreiben musste. Persien gewann dabei grosse Schätze, die sich sonst jährlich nach Masulipatan und Surat verlohren hatten.

Der Kaiser sagte zu seiner Geliebten, indem er sie innig umarmte: die Hütten, die meine Liosua hat aufführen lassen, sind dem Reiche nützlicher, als die Riesensäulen zu Tschehelminar, und als die Pyramiden zu Gize. Die wahre Grösse ist im Nutzen, und derjenige Fürst verherrlicht seinen Namen, der die Untertanen durch Fleiss und Anschlägigkeit glücklich macht. Denn es wäre ein Unsinn, wenn eine Königin der Peris18 mir schon Häuser voller Gold und Diamanten zuwürfe, und ich dadurch jeden Perser reich, und alle Arbeit entbehrlich machen wollte. Ich wünsche mir ein wohlhabendes Volk, aber das bloss durch seine Arbeit reich werde. Liosua bereichert Persien zugleich an neuen Künsten, und an ersparten Schätzen.

Die Kaiserin besass alle Gaben des Verstandes: sie machte sich die persische Sprache in kurzer Zeit eigen, und da sie in den Gedichten des Saadi eine Aehnlichkeit mit der Weisheit der Chineser gefunden hatte, so liess sie dem Sittenlehrer, dessen Ueberbleibsel nahe bei Schiras lagen, ein ansehnliches Grabmal aufführen: sie hiess sein Lob auf eine marmorne Spitzsäule schreiben, und bestellte zu seinem grab einen gelehrten Mollah, der alle Tage einige Verse des weisen Dichters der Jugend vorlesen, und darüber Erklärungen beifügen sollte, welche die Tugend reitzend abmahlten.

Fussnoten

1 Intendans nennt sie Ohardin; Missi dominici hiessen sie bei den