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feindlichen Genua bezwungen hatte. Er beging einen geringen Fehler, wenn es ja ein Fehler war; seine Lorbern beschirmten ihn vor der Strafe nicht, er wurde gefangen gesetzt, verwiesen, und von allen den Belohnungen ausgeschlossen, die sein Verdienst erwarten sollte. Diese Strenge ist unvermeidlich, fuhr Zeno fort, und der Kaiser hat heute seinen Tron befestiget. Denn nirgends als auf die Herzen seiner Untertanen kan ein König seine herrschaft mit Sicherheit gründen.

Zu Kom betete Dschuneid auf den Gräbern der Imamsade', oder der Nachkommen des Ali, die in dieser Stadt begraben lagen, und die dieser Fürst unter seine Ahnen zählte. Usong besah die Werkstätte der Waffen, und war über die Gewehre vergnügt, die man daselbst aus einem überaus harten Stahl verfertigte.

Kaswin, eine der Hauptstädte des mächtigen Partiens, war damals verfallen, und Usong dachte an die Mittel, der alten Stadt aufzuhelfen: er nahm sich vor, eine Zeitlang seinen Tron daselbst aufzuschlagen. Ihm missfiel, dass die morgenländischen Fürsten eine einzige Stadt zu ihrem Sitze wählten, wodurch sie die entfernten Provinzen aller Nahrung beraubten, und erödeten, und dem Reiche ein ungeheures Haupt gaben, das den Gliedern den Lebenssaft entzog.

Bei Sultanie fand der Kaiser einen teil der grossen Stutereien, die wegen der fruchtbaren Wiesen und des reinem Wassers, schon seit den alten Königen der Parter hier angelegt worden waren. Noch schöner aber sind die grossen Flächen, die von Aderbeitschan nach Tabris führen, wo unabsehliche Felder mit dem edelsten Futterkraute bedeckt sind, das eben aus dieser Gegend sich in die Abendländer ausgebreitet hat, und wo viele tausende der schönsten Pferde von Persien weiden17.

Das weit ausgedehnte Tabris war damals die grösste Stadt im Reiche: aber wie alle andere persischen Städte ohne alle Befestigung. Usong sah ein, dass es den Waffen der Osmannen bloss gesetzt sein würde, und befahl eine Festung daselbst zu erbauen, wohin er einen teil seines groben Geschützes bringen liess: er sah sich auch eine Stelle zu einer königlichen wohnung aus, wo er einen Pallast aufzuführen die Anstalten machte. Er tat eine kurze Reise nach Amadan, dem Sitz des Trones des Dejoces, nunmehr in ein weites Dorf verfallen.

Er kam nach Irwan, einer Gränzstatt, die den Osmannm noch mehr ausgesetzt war, und entwarf drei einander einfassende Festungen, die alle höher als die Stadt, auf dem Wege nach den beschneiten Gebürgen lagen, worauf der gemeinen Sage nach, der Kasten zur Ruhe kam, worin der zweite Urheber der Menschen in der allgemeinen Ueberschwemmung ist gerettet worden.

Hier, fast am abendlichen Ende des Reiches, wurden Klagen über den Abgesandten des Kaisers geführt, der von der Entlegenheit vom hof eine Straflosigkeit hoffete, Geschenke nahm, und untüchtige Leute zu verschiedenen Richterstellen dem Kaiser vorgeschlagen hatte. Usong hatte freilich niemals erwartet, unter fehlervollen Menschen lauter rechtschaffene zu wählen, er liess seinen Scherin zurück, der die Klagenden gegen den Abgesandten verhören, und wie allemal geschah, ein Urteil samt den Gründen zur Einsicht des Kaisers entwerfen sollte. Der Abgesandte wurde schuldig erfunden. Usong überzeugte sich von den Vergehungen desselben durch seine eigene Untersuchung, und liess ihn vor den Diwan fodern.

Du warst, liess der Kaiser dem Schuldigen durch den zu den höchsten Aemtern erhobenen Scherin sagen, der Vertraute des Kaisers: er ist nicht Gott, und muss durch die Augen der Menschen sehen. Er hoffte von dir die Wahrheit, du warest zum rühmlichen amt eines Fürsprechers des Volkes auserwählt, du solltest seine Klagen vor den Tron tragen, und den Ruhm geniessen, dass durch dich den Gedrückten hülfe wiederführe. Aber was verdient der, der eine Arznei geben soll, und Gift gibt? Der Kaiser heisst dich von seinen Augen fliehn; gehe nach Kerman, und überschreite die Gränze dieser Provinz niemals: dort allein lässt dir das Gesetz das verwirkte Leben.

Von Irwan eilte Usong nach Mausel, dem ehemaligen haupt der Assyrischen Macht: und von da nach Anah, das seiner Reise Ziel war. Hier sammelte sich ein unzählbares Volk um seinen Diwan, und das Lob dieses glücklichen Fürsten erscholl bis an den Himmel. Von seinen alten Untertanen zu Anah war nicht ein einziger, der durch die Erhebung seines Herrn nicht glaubte, selbst glücklicher worden zu sein. Jeder ehmaliger Diener, jeder Bürger drängte sich zu ihm, und war erst zufrieden, wenn er den Saum seines Rockes geküsst hatte. Usong wurde durch die treue Liebe seines Volkes gerührt, und versprach sich selber, sie noch besser zu verdienen.

Die Arabischen Fürsten, die Mitgefährten seiner ersten Kriege, besuchten ihn, und erhielten von ihm prächtige Geschenke. Der alte Abuschir wiederholte, wie viel er dem Usong schuldig war: nur Hassans graues Alter gönnte ihm die Kräfte zu dieser Reise nicht. Usong liess Anah, die Furt des Euphrats, in einen guten Wehrstand setzen, und beurlaubte sich hier vom Zeno, und vom Dschuneid, die mit einander die Reise bis zur Palmenstadt fortsetzten. Dem Zeno gab er die Antwort an seinen Staat, vertraut und aufrichtig: er würde aufmerksam auf die Unternehmungen der Osmannen sein, und ihrem Ehrgeitze Schranken setzen, wenn er die Klauen zeigen wollte. Venedigs getreuester Bundsgenosse würde er bleiben. Er gab bem Zeno Geschenke mit, reiche Seidenzeuge, kostbare Teppiche, heilsame Mumie, die aus den Felsen von Khorossan quillt, und alle Wunden heilt, echte Bezoarsteine, wahres Rosenöl, das von Schiras kommt, und an Wert das Gold übersteigt, Türkisse aus dem alten Felsen Firuz-Kuh,