war, las sie aus des Kaisers Schreiben. Das Glück, sagte er, hat den Usong auf den Tron geführt, aber was ist ein Tron, wenn ihm die Tugend ihre Liebe versagte? Nein, sprach die nunmehr freimütig gewordene Schöne, nein Liosua hat in dem edlen Usong die Morgenröte der Tugend geliebt: was muss sie fühlen, da der Glanz seiner Verdienste von seiner völligen Höhe die Welt überstrahlet.
Der Tag kam, der dennoch peinliche Tag, da Liosua von ihrem grauen Vater den letzten Abschied nehmen sollte. Segne doch, gnädiger Herr, dein Kind, sagte sie, auf den Knien, und in Tränen schwimmend. O wie fühle ich, dass alles Glück der Welt unvollkommen ist! Liebe mich, liebe mich immer, ewig werde ich deine liebende, deine zärtliche Tochter sein. Liewang musste fast mit Gewalt sie aus seinen Armen reissen lassen, und alle Würde der Weisheit konnte seine Tränen nicht unterdrücken.
Sie verreisete mit ihrem Gefolge, und mit dem vertrauten Scherin, der durch ihre Frauen ihr tausend edle Taten ihres Gemahls erzählte, die der Wehmut nicht zuliessen, sie einzig zu beschäfftigen. Sie traf am See Tsarich die Nowiane, und die Begleitung an, die mit ihr nach Persien gehen sollte. Die Sitten ihres Vaterlandes erlaubten ihr nicht, sich sehen zu lassen: aber tausend Freudentöne erschallten mit aller der Wildheit der ungezierten natur täglich um ihren Palankin, den ihre neuen Untertanen frolockend umgaben: und sie war nahe an den grenzen von Kandahar, als Puldan sie verliess, und die frohe Botschaft dem Kaiser brachte.
Dem edlen Usong wallte das Herz vor Freuden bei dem Anbringen des Nowians: er umarmte ihn, und versicherte ihn von seiner unveränderlichen Freundschaft. Nunmehr, sagte er zu seinem Freunde, dem Dschuneid, nunmehr bin ich für meine Bemühungen belohnt. Freudig will ich dem Wohlsein des Reiches die Tage aufopfern, da mich alle Abend die Gesellschaft der weisesten, der tugendhaftesten Schönen erwartet, die nicht zu einer blossen Buhlschaft erniedriget ist, und deren aufgeheiterter Geist meine ermüdeten Sinnen mit Gesprächen ermuntern wird, worin die Anmut sich mit den Vorzügen des Geistes vereiniget.
Er liess seinen Persern durch seine Abgesandten wissen, der Kaiser fodere von ihnen bei seiner Vermählung keine Steuer, und keinen Aufwand. Seine gemahlin sei zu edel gesinnet, als dass sie Feierlichkeiten verlangen sollte, wobei sein Volk auch nur die zu seinem eigenen Vergnügen dienenden Mittel zusetzen würde. Aber er würde es als ein Zeichen der Liebe der Perser ansehen, wenn sie mit Blumen, mit Gesängen, mit Tänzen und mit den Zeichen einer ungekünstelten Freude ihre künftige Kaiserin empfiengen.
Die Perser ergriffen mit Freuden die gelegenheit, an den Tag zu legen, wie feurig sie ihren Kaiser verehrten. Sobald Liosua die persische Gränze betreten hatte, reisete sie durch eine ununterbrochene Reihe von grünen Lustbögen, von belaubten Mayen, und von blühenden Bäumen, durch eine triumphsingende Menge frölicher Landleute hin. Die ödesten Berge waren mit dem Zulaufe ihrer Untertanen bevölkert, die ihr den Ruhm ihres Gemahls zuriefen. Die schönsten Töchter der ländlichen Dörfer traten in glänzende Reihen auf beiden Seiten ihres Palankins, und bestreuten sie mit Blumen. Die leutselige Fürstin rief oft die artigsten zu sich, liess sich sehen, und teilte ihnen chinesische Geschenke aus.
Der Kaiser war im Feuer seiner Jahre, sein Herz eilte seiner Geliebten entgegen; aber er wollte den Sitten ihres Vaterlandes nicht zu nahe treten, die keiner Braut zulassen, ihrem Bräutigam sich zu zeigen, ehe sie getraut ist. Sie kam endlich, die erwartete Schöne, und der Seder von Persien verband das edle Paar, dieweil Schiras mit unaufhörlichem Freudenzurufe erschallte. Die sittsame Liosua hob nunmehr den Schleier auf, und zeigte dem Usong die Züge der Anmut, auf denen die Tugend und die Liebe zugleich herrschten. Sie war in ihrer Blüte, China hatte nichts schöneres gezeugt; aber die edle Seele, die alle ihre Reize belebte, erhob sie über alle Vergleichung. Sie wollte vor dem Kaiser auf die Knie fallen; er umarmte sie aber aufs zärtlichste. Sei willkommen, sagte er, edelste der Gaben des freigebigen himmels, herrsche ewig über Persien, und im Herzen deines Usongs.
Der Kaiser hatte Schiras zum Wohnplatze seiner Gemahlin ausersehen. Die milde Luft, die schönen Bäche vom reinsten wasser, die in den Rosen blühende, und in den edelsten Trauben fruchtbare natur, die lachenden Gärten, der Ueberfluss des vortreflichsten Obstes, die königlichen Granatbäume, die güldenen Aepfel, machten diese Stadt zur angenehmsten in Persien. Usong hatte sie mit starken Mauern wider den Anfall der Feinde sicher gesetzt. Liosua dachte nunmehr an die Erfüllung ihres Entwurfes. Sie sorgte, dass an dürren Orten, wo kleine Kiesel kein Gras spriessen liessen, Maulbeerbäume in geraden Zeilen ausgesäet würden, die man unter der Zucht der Schere behielt, und wobei erfahrne Chinesen die Perser lehren sollten, den Seidenwurm ohne Pflege sich aushekken, sich füttern, und sich einspinnen zu lassen. Sie machte sich ein Vergnügen, die Anfängerinnen selbst in dem Seidenbaue zu unterrichten, und arbeitete ihnen vor. So hatte die Gemahlin des vergötterten Fohi gelebt.
Sie liess sich zuweilen auf das Land tragen, dieweil ihre Bedienten das Volk abhielten, wie es die Sitten erforderten. Sie sah eine grasichte Fläche ab, wohin man aus dem Corremderrhe13 reichliches wasser ableiten konnte; hier befahl sie Häuser für die Spinner, Bleicher, Weber und Mahler der feinsten baumwollenen Tücher, zu bauen, eines Zeuges, das Koromandel an alle Morgenländer