war in einer Stunde von der Gefahr gewarnt. Die Perser sammleten sich in angewiesenen Plätzen, und gingen auf den Feind los, dessen Stellung der erste aufsteigende Rauch verriet. Die Usbecken, bei denen kein Trieb zur Ehre die Furcht des Todes verminderte, verloren gar bald die Lust, den Säbeln der Perser sich bloszugeben, und liessen von ihren Streifereien ab.
Die Kriegsvölker aufzumuntern, versammelte sie Usong bei seinen jährlichen Reisen: er liess sie unter seinen Augen allerlei Kriegsübungen vornehmen, ziehen, schlagen, belagern: er gab Preise für die Gemeinen, teilte Turbane, silberne Palmzweige, Kränze und rühmliche Schaumünzen aus: er beförderte die Befehlshaber, er erhob die Verdienten zu den höchsten Stuffen der Ehre, und alles dieses konnte er mit einer sichern Wahl tun, weil er eines jeden Mannes Vorzüge selbst beobachtet hatte.
Aber Usong hatte grössere Absichten. Er wollte die Sicherheit seines Reiches nicht den Fremden anvertrauen, deren Ehrgeitz sich die Ohnmacht der ungeübten Perser hätte zu Nutz machen können. Er suchte alle Perser zu Soldaten ihres Vaterlandes zu bilden. Er befahl, dass in den zeiten, wo der Ackerbau nicht eine beständige Arbeit erfoderte, alle acht Tage, am Tage der Ruh, der dritte teil der Erwachsenen sich mit den Waffen versammeln, sich in denselben üben, und allen den Anstalten sich unterwerfen sollten, wodurch die Kriegszucht streitbare Männer erschafft. Folglich wurde die ganze Nation, ohne einen fühlbaren Verlust der nötigen Zeit, in dem Gebrauche der Waffen unterrichtet. Die Landleute erhielten ihre eigenen Hauptleute und Befehlshaber, aus der Zahl der Sieger, die unterm Usong Persien befreiet hatten. Ihnen waren, wie den ordentlich besoldeten, Preise und Ehrenzeichen zur Aufmunterung ausgesetzt. Der Kaiser erschien auch bei ihren Uebungen, und zeigte ihnen eben die Zuneigung, die er den Besoldeten bewies. Von der unzählbarn Menge Perser, die die Waffen zu tragen fähig waren, wurde der hundertste Mann genommen, und aus diesem Ausschusse der fertigsten und stärksten Männer, entstund ein zahlreiches Heer11, das in die Städte verlegt in Friedenszeiten Dienste tat. Alle drei Jahre wurden alle diejenigen, die es verlangten, entlassen, und andere an ihre Stelle ausgehoben: diejenigen aber, die sich hervorgetan hatten, wurden unter die Besoldeten aufgenommen, und zu höhern Stellen befördert. Alle Perser erhielten durch diese Anstalt eine Geschicklichkeit in den Waffen, die in Kriegszeiten sehr bald zu einer völligen Fertigkeit erhöhet werden konnte; das Gemüt selbst erhob sich durch das Vertrauen, das der Kaiser seinem Kriegsvolke zeigte, sie sahen sich nicht mehr als Knechte eines harten Herrn, sondern als Beschützer des Vaterlandes, als Persiens Krieger an.
Unermüdet in der Arbeit, allzeit munter und froh seinem grossen Berufe genug zu tun, fuhr Usong fort, täglich die Einrichtung seines Reiches zu verbessern, da Riva von Venedig wieder kam, und eine zahlreiche Gesellschaft, samt vielem Feuergewehre mit sich brachte.
Dieser Diener des grossen Usongs hatte desselben Briefe an den Herzog und an die herrschaft zu Venedig abgegeben. Der Kaiser tat dem Freistaate seine Erhebung zu wissen; er bezeugte ein verbindliches Angedenken wegen der mit verschiedenen edlen gepflogenen Freundschaft: er trug dem Rate sein Bündniss an, und liess merken, dass die Osmannen für Venedig, und für Persien, gleich gefährlich wären: er ersuchte um die erlaubnis einen Vorrat an Gewehren aus Brescia, und einige Künstler mitzunehmen, die Feuergewehre für den Kaiser verfertigen sollten.
Venedig fand seinen Vorteil mit dem Vorteil von Persien verbunden: ein ehrerbietiges Antwortschreiben versprach dem Kaiser eine Botschaft, die näher mit ihm über das gemeine Beste beider Staaten sich besprechen sollte, und die Waffen und Waffenschmiede wurden dem Riva vergönnt mitzunehmen.
Der, eben wie Venedig, gegen die Osmannen eifersüchtige Soldan von Egypten öfnete den Gesandten willig die syrischen Häfen, und der erfreute Usong verteilte die Waffen unter seine verschiedenen Leibwachen: die Künstler aber wurden in eigenen Gebäuden, mit Stahl und Eisen, und mit allen zu ihren arbeiten erforderten Zubehöre versehen, wo sie beständig sich mit Verfertigung des Feuergewehres, und mit dem Giessen der grösseren metallenen Röhren beschäftigten, die schon damals gebraucht wurden, das Schicksal der Schlachten zu entscheiden, und die Mauern der festesten Städte niederzuwerfen.
Unter den Briefen aus Westen war auch ein Brief des Zeno, der in der Zwischenzeit in dem Rate der Republik seinen Sitz genommen hatte. Er bezeugte dem ehmaligen Fürsten von Kokonor seine aufrichtige Freude, und liess verspüren, er hoffte das Vergnügen, seinen ehmaligen Freund wieder zu sehen.
Aber eine wichtigere Zeitung verdoppelte Usongs Glückseligkeit. Puldan, ein Nowian12 aus seinem eigenen Stamme, brachte auf einem flüchtigen Pferde dem Kaiser Briefe vom unermüdeten Scherin. Dieser Freund seines Herrn hatte sich über Atschin nach Quangtscheü begeben, wo er bei dem Kaufmann abtrat, der ehmals auf Liewangs Veranstaltung dem edlen Usong die Notwendigkeiten zum Einschiffen verschafft hatte: er fand ihn beim Leben, und vernahm, der Zongtu von Schensi stehe noch in seiner Würde, da das allgemeine Verlangen der Landschaft bei dem Kaiser diese Gnade ausgewürkt habe. Scherin setzte seine Reise nach Singan fort, und hörte mit grossem Vergnügen, die Tochter des Zongtu sei noch unvermählt. Verschiedene ansehnliche Freier hatten sich um diese Zierde ihres Hauses bemüht, sie hatten ganze Schätze für ihren Besitz angeboten: aus Ursachen aber, die man nicht absehen konnte, hatte der Zongtu alle Anträge abgelehnt.
Scherin war in Liewangs Pallast so bekannt, dass er bald zu einem Verhöre gelangte. Er übergab dem ehrwürdigen Herrn mit der gebührenden Ehrerbietung ein Schreiben. Usong, Kaiser in Persien