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der Kaiser. 16 In der zweiten Dynastie nahm Yu den Schung wegen seiner Tugend zum Schwiegersohn und zum Tronfolger an. 17 So heissen diejenigen, die nach Mecca die Wallfahrt verrichtet haben. 18 Der morgenländische Namen von Aegypten. 19 Man hat dieses geleugnet; aber in den zeiten Usongs, und bis zum Umsturze der Mammeluckischen Regierung, wurden allerdings lauter Sclaven auf den Tron gesetzt: auch unter den Osmannen blieb dieses Gesetz für die Beie, die Aegypten unter dem Pascha beherrschten, mehrenteils in Uebung. Ali-Bei, der neuliche Soldan, ist ein Sclav gewesen. 20 Der Kaiser allein opfert dem Tien. 21 Cairo. 22 Dem in den damaligen zeiten eingeführten Kaffee. 23 Grönland. 24 Enkel des Tschengis, des grossen Siegers, den die Abendländer Zengis Kan heissen. 25 Amurat II. 26 Alexandrette. 27 Serrail. 28 Janitscharen. 29 Palmyra. 30 Von dem Eifer der Mahometaner in ihrem Gebete, siehe Guys Voy. liter. da la Gréce I. s. 416. 31 Die Aliden verfluchten den Abukeker, Omar, und Otmann, als unrechtmässige Tronfolger des Mahomeds, die den Ali von seinem Erbrechte verdrungen haben. 32 Die Araber waren zu allen zeiten diesem Aberglauben ergeben. 33 Bizzaro de reb. pers. 34 Die Abendländer sagen, ein Kriegsrat habe ihn zum tod verurteilt. 35 Diese Geschwindigkeit, mit welcher Usong Persien in zwei Jahren eroberte, findet man in allen abendländischen Geschichtschreibern, nur setzen sie die Eroberung einige Jahre später. 36 Dieses Wort ist der uralte Titel der Könige der Parter, und findet sich im zweiten Jahrhunderte auf des Moneses Münzen: (Swinton Phil. Trans. Vol. L.P.I.) Der türkische Sultan führt ihn, und übersetzt den Kaisertitel der Europäer durch Padischah. Die Beherrscher von Persien, aus dem Stamme der Aliden, haben ihn beständig geführt. 37 Siebenzig Jahre. 38 Eines Helden der ersten Perser, von dem man viele colossalische Denkmale findet.

Zweites Buch.

Die ersten Tage des neuen Kaisers waren sehr unruhig. Mit der freigebigen Hoffnung der Jugend hatte sich Usong auf Persiens Tron geschwungen: jetzt aber fühlte er das Gewicht, dem er sich unterzogen hatte. Ein Fremdling, ohne angestammte Rechte des Blutes, nur seit zwei Jahren in Persien bekannt, übernahm ein unermessliches Reich zu regieren, das seit Jahrhunderten zerrüttet, weder gesetz, noch Ordnung, noch Verfassung gekannt hatte, und unter schwachen Fürsten beständig unglücklich, gegen seine Beherrscher aber abgeneigt geworden war. Das Kriegswesen, die Steuersachen, die Gerechtigkeit, die Sitten waren in der grössten Verwirrung, und alles musste, und musste auf einmal, in Ordnung gebracht werden.

Mitten unter diesen Sorgen, wachte dennoch der angenehmen Liosua Angedenken auf. Die Ahndung Liewangs ist erfüllt, sagte Usong zum erfreuten Scherin, geh' trage diese Geschenke, und diesen Brief, an den erlauchten Zongtu von Schensi, und an seine tugendhafte Tochter. Der Kaiser belud seinen Vertrauten mit den Seltenheiten, die er aus Europa gebracht hatte, und mit den edelsten Früchten Persiens; und Scherin verreisete. Er hatte auch den Auftrag dem ehrwürdigen Timurtasch die Erhebung seines Sohnes zu verkündigen; mehrere Boten, die Usong von Anah aus zu den Mongalen abgeschickt hatte, waren bei den Unordnungen in Persien, und in den Wüsten der Tartarei verunglückt, ohne Timurtaschs Zelten erreichen zu können.

Zugleich schrieb der Kaiser an die weisen Herrscher zu Venedig, und fertigte den Riva mit einem wichtigen Auftrage, und mit kostbaren Geschenken ab.

Er aber überdachte nunmehr, wie Persiens elender Zustand zu verbessern wäre. Er sammelte alles in sein Gedächtniss, was er von den alten Weisen in China gelernt, und was er sonst vom erfahrnen Liewang gehört hatte. Er verglich es mit dem Lichte, das ihm auf seinen Reisen bei der klugen herrschaft zu Venedig, und bei dem tugendhaften Morad aufgegangen war. Seine eigene Scharfsinnigkeit leitete ihn durch den Labyrint, und einige alte Perser, deren Verdienste er entdeckt hatte, halfen ihm zu einem Leitfaden.

Zuerst entwarf er die Ordnung seines eigenen Lebens. Mit der Sonne stunde er auf, er liess alle Tore der Burg öffnen, und in der Ordnung, wie ein jeder sich angezeigt hatte, die Perser eintreten. Diejenigen, die Bittschriften eingaben, hatten das Vergnügen, sie dem Kaiser selber einzuhändigen, und nach einiger Zeit den Entschluss abzuholen. Die Rechtssachen wurden in seiner Gegenwart vorgetragen und geschlichtet. Nach diesem öffentlichen Verhöre arbeitete Usong mit seinen Staatsbedienten über die Geschäffte des Reiches, die nach der Abteilung, die er gemacht hatte, in Tage verteilt waren. Auf den Abend ritt er aus, zeigte sich dem volk, erkundigte sich um alle Umstände der Policei und der Gerechtigkeit: seine Vertrauten, die er täglich abwechselte, blieben bis in die Nacht, und gaben ihm von allen wichtigen Geschäfften die nötige Nachricht. Usong fand kein Vergnügen an der Jagd, am Spiele, an den Mahlzeiten, an der Musik; eines Fürsten Stunden, sagte er, gehören alle seinem Reiche. Sein Vergnügen bestand in einem freundschaftlichen Umgange, und in den Büchern der geschichte, zu denen er die heissern und untätigen Stunden des Tages anwandte.

Persien, das er nunmehr zu beherrschen hatte, war unendlich grösser als Anah. Usong konnte nicht mehr hoffen, die letzten und äussersten Zweige der untern Geschäffte des Reiches selber einzuschauen: ihm blieb übrig, getreue Diener auszusuchen, durch deren Augen er sehen könnte. Er schickte in eine jede Provinz einen Abgesandten aus1