und alle Zeichen der Verzweiflung von sich gab. Ach! sie haben meine Tochter geraubet, die Enkelin der Helden, die reine Perle meines Stammes: da schleppen sie sie hin, zum Bette der Unehre, zur ewigen Schmach. Und ich Armer sehe sie vernichten, und vermag sie nicht zu retten. So sagte der Greis zu dem fragenden Usong.
Der Enkel des Tschengis hob die Augen auf, und sah auf dem Wege nach der Stadt einen Staub aufgehn, zwischen welchem er zuweilen ein rennendes Kameel erblickte, das seine Führer zur Eil antrieben. Er verfolgte ungesäumt diese Spur, und fand die junge Förstin, die sich die schwarzen Haare ausriss, und erbärmlich um hülfe schrie, so oft sie den Mund frei machen konnte. Eine Schaar berittener Räuber umringte sie.
Die Zahl war ungleich, und der Angriff gefährlich. Aber Usong mass seine Unternehmungen nicht nach seinen Kräften; sein Herz folgte den edlen Empfindungen, die es überströmten. Er fiel wie eine Löwin, welcher man die Jungen wegführt, die Diener des Fürsten von Anah an: denn diese hatten die Tochter des Emirs ihrem Vater geraubt, und eilten sie den Wollüsten ihres Herrn zu übergeben, der ein Sohn eines der Krieger des mächtigen Timurs war. Mit bessern Waffen, mit vottreflichern Pferden, mit mehrerer Uebung im Streite, und insonderheit mit der Flamme seines vom Anblicke des Unrechts sich entzündenden Mutes, überwand Usong, und rettete das fräulein.
Sie war das reizendeste Frauenzimmer, das Usongs Augen gesehen hatten. Schönste der Fürstentöchter, rief er, eile deinen verzweifelnden Vater zu trösten. Er lenkte das Kameel, und die Tochter des Emirs, die fürs erstemal ohne Schleier einen fremden Jüngling ansah, errötete wie eine aufblühende Rose: schamhaft liess sie sich führen, schlug die Augen nieder, und unterstund sich nicht, ihrem Retter zu danken.
Sie ereilten den alten Vater bald, den sein Unmut aufhielt, und der sich seinen Klagen überliess. Er sah die Geliebte seiner Seele, und traute seinem Glücke kaum. Bist du es meine Emete? sagte er, sehe ich dich unbefleckt wieder, soll dein Stamm ohne Schande bleiben, und kan dein Vater zu grab gehen, ohne seine Ehre verlohren zu haben!
Die Stelle ist gefährlich, sagte er gleich nach diesem ersten Ausdrucke seiner Freude. Eile, edler Fremdling, lass mich meinen wieder gefundenen Schatz in die Sicherheit bringen. Er führte den Usong zu einem wald, der zuerst dünn war, sich aber nach und nach verdickte, und endlich keinen Durchgang mehr zeigte. Aber der Emir kannte den gewundenen Steig, der zwischen den Palmbäumen durchführte, und ihn zu einem Tale brachte, das der Wald verbarg, und in welchem seine Gezelte gespannt waren.
Emete' verbarg ihr beschämtes Angesicht in dem Schoose ihrer Mutter. Vergieb, sagte sie, vergieb deinem kind, dass es sich entschleiert hat: es war unter den Händen der Barbaren, die keine Sitten kennen. Die Mutter benetzte ihr Kind mit Freudentränen. Zierde deines Stammes, rief sie, komm in die verschlossene Hütte wieder, noch bist du meine Tochter.
Der edle Abuschir, so hiess der Emir, hatte die Rache und die Uebermacht des Fürsten von Anah zu befürchten: er selbst wallete vor Rachbegierde: ein Araber, den man an der Ehre, und zugleich an seiner Liebe angreift, ist ein gereizter Tieger. Er schickte zu allen den Stämmen der Wüste, von Basra bis gegen Halep Boten aus. Edle Emire, liess er ihnen sagen, wollt ihr euch eure Töchter, eure Ehre rauben lassen; wollt ihr zugeben, dass euer Stamm in die Schande sinke?
Das Feuer, das im Herzen des alten Abuschirs wallte, steckte die arabischen Fürsten mit gleicher Rachbegierde an. Sie hassten ohnedem die Fürsten der Städte, von denen sie allerlei Zunötigungen erlitten hatten, und die ihre Macht durch gedungene Kriegsvölker erhielten, unter denen keine Kriegszucht, und keine Einschränkung der Lüste bekannt war.
Die Emire versammelten sich bei dem rachgierigen Abuschir, und in wenig Wochen wurden sie zu einem Heer. Auch Dschuneid, der Sohn des ehrwürdigen Hassans, kam mit einer auserwählten Mannschaft, und freute sich seinen Brüdern die Rettung anrühmen zu können, die er dem grossmütigen Usong zu danken hatte. Er umarmte seinen Freund, denn Usongs Liebe hatte er durch seine unschuldige Tugend gewonnen, und brachte ihm Segen des dankbarenden Hassans.
Usong war bei seinen neuen Freunden nicht müssig: seine Taten, und der Adel, der alles begleitete, was er vornahm, gab ihm bei ihnen ein verdientes Ansehn. Er ermahnte die zwanglosen Araber, sich wider einen Feind vorzubereiten, der in allem, nur nicht im Kriegswesen, verächtlich war. Da alle die Einwohner der Wüste zu Pferde kriegen, so lehrte er sie in Gliedern sich bilden, und in geschlossenen Reihen mit gesenkten Speeren in den Feind setzen: er sah vor, dass dem Einbruche ihrer mutigen Pferde und ihrer fürchterlichen Lanzen nichts widerstehen würde.
Der Fürst von Anah war ein Räuber und ein Wollüstling, er hatte den Emir aufs heftigste beleidigt, und dennoch glaubte er sich berechtiget, Rache zu suchen. Man hatte ihm den Vorwurf seiner unordentlichen Begierden entrissen, und er war gewohnt, alles für sein Eigentum anzusehen, was sein Säbel bezwingen konnte. Er sammelte seine Kriegsleute, und erhielt hülfe von andern Fürsten, die in andern Teilen des zerrissenen Persiens herrschten, und von eben der Abkunft waren, da sie durchgehends von Timurs Befehlshabern abstammten.
Beide Heere begegneten