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wahr bliebe: was dem Einen recht ist, das ist dem Andern billig. War er noch am Leben, er fände zu der Nachricht von den Californiern wohl ein Seitenstück, welches das was er gesagt hat nicht im Stiche liesse, und dieses war das einzige was ich erinnern wollte.

... nec suis, nec externis viribus jam stare poterant: tarnen bello non abstinebant: adeo ne infeliciter quidem defense Iibertatis 10 tsdebat; & vinci, quam non tentare victoriam, malebant.

T. Livius. Lib. X. Cap. XXXI.

ANMERKUNGEN und ZUSÄTZE. |

1) Zu Seite 13. 95,

Ehemals war der deutsche Ernst berühmt; jetzt suchen wir im lachen Ehre: so, dass wohl kein Volk zu nennen ist, welches, um zu lachen, so viel in den Wind schlagen, so viel vergessen und dahin geben könnte, wie, zu dieser Zeit, der Deutsche. Kein Wunder also, wenn der beste Schäker sich der grösste Weise dünkt, denn er heisst der beste Mann. Die Ursache hievon muss notwendig mit der allgemeinen Ursache des Lachens zusammenhangen. Diese haben viele untersucht. Eine genetische Erklärung desselben, die schon über hundert Jahre hat, scheint mir noch immer eine von den triftigsten. Der Leser mag entscheiden:

Gloriatio subita passio ilia est, quae producit Risum; habet 96, autem pro causa, vel subitam aliquam actionem propriam, in qua, qui earn fecit, sibi placet, vel coneeptum turpitudinis vel facti alieni indecori, comparatione cujus subito sibimet ipsi commendatur. Contingit autem hoc illis maxime, qui cum virtutum paucissimarum

20 conscii sibi sint, bonam de se ipsis opinionem conservare non possunt nisi infirmitates aliorum hominum observando. Itaque multus risus signum est pusillanimitatis. Animi enim magni opus proprium est auxiliari, et a contemptu alios liberare; se ipsos autem cum maximis hominibus solis comparare.

Der Verfasser war ein Engländer und drückte sich in seiner Muttersprache aus, wie folgt:

Sudden glory is te passion which maket tose Grimaces called laughter; and is caused by some sudden act of teir own, tat pleaset tem; or by te apprehension of some deformed ting in anoter, by comparison whereof tei suddenly applaud temselves. And it is incident most to tem, tat are conscious of te fewest abilities in temselves; who are forced to keep temselves in teir own favour, by observing te imperfections of oter men. And terefore much laughter at te defects of oters, is a sign of pusillanimity. For of great minds one of te proper works is, to help and free oters from scorn; and compare temselves only wit te most able.

Ich will es übersetzen:

Der Kitzel der Eitelkeit ist diejenige Gemütsbewegung,

welche sich durch jenes Verzerren der Muskeln, das wir lachen

nennen, an den Tag legt; und hat zur Ursache: entweder eine uns

überraschende Handlung von uns selbst worinn wir uns gefallen,

oder aber die Wahrnehmung irgend einer Unvollkommenheit

oder Unschicklichkeit an Andern, worüber durch Vergleichung

mit uns selbst, sich in uns ein Triumph erhebt. Am geneigtesten

dazu sind diejenigen, die der wenigsten guten Eigenschaften sich

bewusst sind, und zu einer günstigen Meinung von sich selber

nicht anders gelangen können, als indem sie auf die

Unvollkommenheiten Anderer ihr Auge richten. Häufiges lachen

ist demnach das Kennzeichen kleiner Seelen. Grossen Seelen hingegen ist es

eigen, andern beizuspringen, und gegen Verachtung sie zu dekken; sich selbst aber nur mit den besten und vollkommensten zu vergleichen.

Tomas Hobbes.

2) Zu Seite 26.

Das Wort Begierde wird hier in seinem eigentlichen Sinne genommen, welcher auch die allerhöchsten und allerreinsten Bestrebungen der Seele in sich fasst, und in welchem die Begierde 25 dem Abscheu entgegen gesetzt ist. In diesem Sinne gibt es keine Begierde, die nicht an und für sich selber gut, und der Vernunft gemäss wäre. Unter den Affecten überhaupt, (welche von den Leidenschaften unterschieden werden müssen, weil nicht alle Affecten Leidenschaften sind) gibt es an und für sich selber böse, wie der Hass, der Neid, oder der Hochmut, welche allerdings auch Begierden erzeugen, die aber keine ursprüngliche Begierden sind.

3) Zu Seite 28.

Sollte jemand so beschaffen sein, (sagt Aristoteles im 2ten Capitel des 1ten Buches seiner Politik) dass er zur Gesellschaft mit seinen Nebenmenschen sich nicht bequemen könnte, oder, dass er Andrer gar nicht bedürfte, weil ihm an ihm selber völlig genügt, so war' ein solcher Mensch unfähig, ein Mitglied irgend eines Staates zu sein, und er wäre entweder als ein Tier, oder als ein Gott zu betrachten. Die natur selbst hat den Trieb zur Vereinigung mit Unseres Gleichen in uns gelegt, und der erste Stifter der Gesellschaft unter Menschen hat sich auf die Dankbarkeit des ganzen Geschlechts die heiligsten Rechte erworben. Denn so wie der Mensch, wenn er seine ganze Vollkommenheit erlangt hat, in Vortrefflichkeit weit über allen Tieren steht, eben so ist auch, wenn er weder Gesetz noch Gerechtigkeit kennt, kein Tier mit ihm an

Bosheit und Arglist zu vergleichen. Die Ursache lässt sich leicht entwickeln. Furchtbar nämlich ist die Ungerechtigkeit nur in dem Grade als sie von Waffen unterstützet wird; des Menschen Waffen aber sind Tapferkeit und Klugheit, und diese kann er zum Bösen eben so wohl als zum Guten gebrauchen. Wenn ihm also Tugend fehlt, so ist er unter allen Geschöpfen das verderblichste, und grausamste, und kein andres wird zu finden sein, das seine Lüste