All_Enlightenment_57.txt

, und ihr Gewinn - wie sich's versteht - war noch ergiebiger. Denn für diesmal wurden jedem gar fünfzehn und zwar wieder ganz neue harte Taler gegeben, und auf eben die gütige Art, als vor einem Jahr. Nunmehr war des anhaltenden Bittens und Flehens um Kokons kein Ende; und da der brave Domherr ihren rechten Ernst sah, der laubbaren Maulbeerbäume auch viel mehr geworden waren, so tat er alles, was sie haben, oder - nach voller Wahrheit - was er eigentlich so lange gewollt hatte. dafür sind sie nun wohlhabend, und lassen von ihrem Fleiss nicht ab«.

Wahrhaftig, es ist doch nicht so gar schwer, etwas Nützliches einzuführen; nur muss es danach angefangen werden, und keiner muss sich an Widersprecher aus Faulheit und dummem Eigennutz kehren.

7 Wiewohl es ebenso wahr ist, dass der Mensch empfindet und denkt, wie er handelt. Das Äussere wirkt aufs Innere, wie das Innere aufs Äussere. Aber wenn Handlungen ohne Zwang, durch religiöse Mittel, bestimmt werden sollen, so gibts keinen anderen Weg, als wirkung auf das Innere.

8 Es gibt so viele redliche, fürs Gute bis zum Entusiasmus warme Männer, die immer nur auf Moral dringen, von Moral alles erwarten, jeden andern religiösen Unterricht für überflüssig halten, der nicht geradezu eine Pflicht zum Gegenstand hat. Ich schätze diese Männer von Herzen, und ihr Zweck ist auch mein Zweck: aber ihre Mittel, diesen Zweck zu erreichen, scheinen mir durchaus nicht der natur der Menschen angemessen zu sein. Der Mensch tut darum etwas noch nicht, weil man ihm sagt: er soll es tun; er ist dann eher geneigt, das Gegenteil zu tun. Die Menschheit lässt sich nicht zu Moralität kommandieren, wie ein Infanterieregiment zum Manöver. Was wollt' aus einem Kind werden, dem nur immer vorgepredigt, befohlen und verboten würde, ohne Vateransehen, Vaterliebe, Väterlichkeit? ohne dass der, der. ihm vorpredigt, sich und sein Wort dem Kind wichtig zu machen wüsste? Seine ganze Menschheit würde gelähmt und zerknickt werden, oder Freiheitsgefühl und Menschenkraft wird sich in ihm empören; es wird sich losreissen von den schimpflichen Banden, und arger werden als je. Es ist sonderbar, dass man das in unseren zeiten nicht fühlt, da so schön von Bildung der Herzen geschwatzt wird.

11 See, in Te present State of Europe ,T. II, S. 16, 17, behauptet, auch jetzt noch könne die protestantische Partei der katolischen die Spitze bieten; 32 Millionen Protestanten gegen 67 Millionen Katoliken, die ersteren aufs höchste, und die letzteren aufs geringste gerechnet. Der siebenjährige Krieg würde diese Meinung völlig bestätigen, wenn kein Friedrich auf der protestantischen Seite gestanden hätte, der freilich für einige Millionen galt.

12 Ich kann mich nicht entalten, eine Stelle aus Ehlers Winken für gute Fürsten, Prinzenerzieher und Volksfreunde hierher zu setzen, die das bisher Gesagte aus Erfahrung bestätigt, und auch mit meiner Erfahrung ganz übereinkommt. »Wenn ich bloss auf die Beobachtung sehe, die ich in Ansehung des Landvolks und der mit schwerer Arbeit des Erwerbs sich beschäftigenden Menschen an mehreren Orten angestellt habe, so würde ich nicht ohne den äussersten Unwillen daran denken können, dass man auch nur die Frage aufwerfen könnte, ob Täuschung (oder Rohigkeit) dem Volk zuträglich sei oder nicht. Ich habe lange unter Landleuten gelebt, unter denen sich sehr viel Aufklärung fand. Unter den angesehenen Bauern nicht nur, sondern auch unter den geringsten Arbeitsleuten und Tagelöhnern fanden sich nicht wenige, die sehr gut von den dogmatischen und moralischen Lehren der Religion unterrichtet waren, die mit Kenntnis der Sache gemeinnützige Schriften lesen konnten, und im Rechnen bis zur Geschicklichkeit des Feldmessens fortgearbeitet hatten. Und nirgends habe ich mehr Gutes von allerlei Art von Menschen gefunden, als unter jenen Landleuten. Sie waren vorzüglich von Herzen geneigt, alle Pflichten guter Staatsbürger treu zu erfüllen. Ihre Erkenntnis vertrug sich sehr gut mit vieler und saurer Arbeit. Bei den Menschen war ein gewisser Trieb, jede Arbeit mit einer gewissen Kenntnis zu tun. Alles besass eine Fähigkeit, die Tage und Stunden der Ruhe und Erholung ohne rohe und wilde Lustbarkeiten in häuslicher Stille mit Unterredungen, mit Lesen und unschuldigen Vergnügungen hinzubringen. Auf das Betragen einiger roher und schlechter Menschen, die dem Gesöff, dem Kartenspiel, Schlägereien und anderen Unordnungen ergeben waren, sah man allgemein als auf etwas hin, welches nicht nur wider Pflicht und Gewissen stritte, sondern wobei auch Ehre, achtung und guter Name unwiederbringlich verloren gingen. Gegen die gesetz des Rechts und der Billigkeit fand ich eine allgemeine Biegsamkeit, und 7.11 kleinen Dienstleistungen und Gefälligkeiten eine solche uneigennützige Willigkeit, dass manche es oft mit Errötung und Schmerz empfanden, wenn ihnen dafür ein Trinkgeld angeboten wurde. Von dem Zustand einer völligen bürgerlichen Freiheit, worin sie lebten, machten sie durchaus keinen Missbrauch. Aus allem, was man sah, leuchtete es hervor, dass der Mensch durch die von der Vorsehung erhaltene Mitgabe der Vernunft und des Verstandes einen Beruf bekommen hat, zu klaren und deutlichen Begriffen über die wichtigsten Punkte der menschlichen Glückseligkeit zu gelangen, von solchen Kenntnissen Gebrauch zu machen, und also in bürgerlicher Freiheit zu leben. An andern Orten, wo ich nicht so viel Kultur unter dieser Klasse von Menschen fand, habe ich durchgängig die entgegengesetzten Unvollkommenheiten wahrgenommen. Sähe ich also bloss auf diese meine seit vielen Jahren gemachten Beobachtungen, so würde ich freilich mit Befremden mich wundern,