blick mir neues Leben gab, diese sank, hingerissen vom Tod, in meine arme. Ich bin ohne Kraft und komme nun zu euch, ihr Philosophen! um Trost in meinem Schicksal zu holen. Zerstreue dich, werdet ihr antworten, ein unerreichbarer Abgrund ist die Scheidewand zwischen dir und deinen geliebten Gegenständen. Deine Erinnerungen, deine Tränen, deine Seufzer sind die letzten Spielwerke der materiellen Organe. - Wie, ihr habt geliebt, und ihr könnt gleichgültig diese Worte sprechen? O nehmt euren Trost von mir, ich fürchte ihn mehr als meine Schmerzen, und du, Tochter des himmels! liebenswürdige und sanfte Offenbarung! was sagst du mir? Hoffe! ist deine stimme: ein Gott, der dir alles nahm, kann dir alles wiedergeben. O wie verschieden ist diese Sprache! Wie die erste uns erniedrigt und herabsetzt! Wie die zweite uns erhebt! Jene beleidigt mit Härte unser Gefühl, die andere erhebt mit Sanftmut unseren niedergeschlagenen Geist und verbindet tröstende Begriffe mit unserer Schwermut. Hier erfahre ich Ungerechtigkeit und Unterdrückung; ein räuberischer Richter raubt mir mein Gut; ein Feind meine Ehre; wo ist Trost in diesem Falle? Nicht von Empörung, nicht von Rache spricht hier die Offenbarung; von Unterwerfung, von Verzeihung, von Zuversicht auf Gott.
Wer entwirft das herrlichste Gemälde, das in allen Auftritten des Lebens der Glaube an die Offenbarung und die Religion des Christen gibt? Wer ist im stand, bessere Menschen zu bilden, als der, der sie schuf, und das Innerste unserer Seele kannte und wusste, was zur Menschenglückseligkeir notwendig ist, um die Welt glücklich zu machen.
Auf Religion, als den Grundstein alles Menschenglücks, muss sich daher die wahre Aufklärung gründen, denn die Wissenschaften müssen dahin zielen, dass sie unser Glück im gegenwärtigen und zukünftigen Leben ausmachen; und wie kann dieses sein, wenn sie uns nicht zu unserer Bestimmung führen.
Ordnung ist das grosse Gesetz des Guten; und Unordnung das Gesetz des Bösen; und der Weg der Ordnung ist nur einer, der nämlich, der in gerader Linie von Gott kommt; wo ein Punkt den andern berührt, der erste auf den letzten und der letzte auf den ersten wirkt.
Wer diese Ordnung verlässt, geht notwendig zur Unordnung über; denn den Weg verlassen, der zur Ordnung führt, heisst auf Irrwege geraten. Diesen Weg aber verlässt der menschliche Verstand, wenn er die Kenntnisse in sich selbst, in der Sinnlichkeit und der Welt sucht. Er hat eine Linie ohne Basis und muss daher notwendig in Irrtümer geraten.
Wer hierüber aufmerksamer nachdenkt, der wird bald in Erfahrung bringen, warum Aufklärung des menschlichen Verstandes, wenn sie ihre Basis verliess, so sehr ausartete.
Der Stolz der Gelehrten, die Rechtaberei, die Demonstriersucht, die gegenseitigen Verfolgungen sind die Kinder der Unordnung; man arbeitet nicht, um bessere Menschen zu bilden, um selbst besser zu werden, sondern um seine Meinungen durchzusetzen, um eitles Lob einzuernten, um gross in der Welt zu scheinen und die Überlegenheit seines Verstandes auf Unkosten anderer zu missbrauchen.
Die Selbstliebe wird also die Grundlinie, worauf die Gelehrten das Gebäude ihrer Wissenschaften bauen, und dieses Gebäude muss daher notwendig eine Wohnstatte der Unordnung werden; alsdann gleichen unsere Wissenschaften jenen Totenlampen, die in den Gräbern der Verstorbenen brennen, ein düsteres Licht verbreiten und in einer Flamme auflodern, die nicht erwärmt.
O ihr alle, die ihr am Menschenglück zu arbeiten gesinnt seid, vergesst doch die grosse Wahrheit nicht, dass es kein Licht gebe, ausser dem, das von Gott in die Seele der Menschen strömt. Was ist der Schein einer Lampe gegen die herrliche Sonne am Mittag? Was ist eure Weisheit gegen die Weisheit des Ewigen? Der Tropfen, der aus der Quelle der Weisheit aller Wesen geschöpft wird, ist rein, wie der Kristalltropfen des Morgentaues, in dem sich die Sonne spiegelt; jeder andere gleicht dem Tropfen, der aus einer Lache entnommen ist, die Unrat und Kot trübten. Die Wissenschaften machen den Menschen nicht glücklich, wenn sie nicht wohltätigen Einfluss auf's Herz haben. Die Sonne wird nur wohltätig für uns, wenn sie erwärmt und hervorbringt, nicht wenn ihre Strahlen in Brenngläsern gesammelt verzehrendes Feuer werden.
Liebe mit Verstand bildet das Herz des Menschen; Verstand ohne Liebe verunstaltet es; wer sich Begriffe machen will, was die Wesenheit eines Engels oder eines Satans sei, der stelle sich Verstand vereint mit Liebe und Verstand ohne Liebe vor. Freilich schmeichelt es unserer Eigenliebe nicht, wenn wir denken, dass wir aus uns nichts wissen, dass das Gute nur durch Gott in uns kommt. Die Sprache des Geisteshochmuts flüstert uns ins Ohr: Versucht nur von dem Baum der Wissenschaft; ihr könnt Göttern gleich werden; aber diese Sprache ist die Sprache des Betrügers und des Geistes der Lüge.
Alles Gute und Wahre liegt nur in Gott, und das Licht der Weisheit teilt diese Schätze nur dem Herzen mit, das sich bearbeitet und rein ist. Freilich kann der Mensch nach seinen natürlichen Fähigkeiten, die ihm Gott gab, sich zu verschiedenen Kenntnissen emporschwingen; alle diese Kenntnisse aber werden in seinem Herzen ihre originelle Würde verlieren, ihre Engelsgestalt ablegen und die Larve der Hässlichkeit annehmen; so wie die Quelle ihre Reinheit verliert, wenn sie sich vom hohen Felsen herab in stürmische Bäche stürzt, die Kot und Schlamm mit sich führen.
Die nützlichsten Entdeckungen werden der Welt schädlich, weil die Menschen davon Missbrauch machen werden. Was sollten sie aber