er sich durch die göttliche Gnade erheben kann.
Sobald er durchdrungen ist von dem Adel und der Würde meines Ursprungs, von der Grösse seiner Bestimmung, von dem Verlust, den er erlitten, von den Mitteln, die er hat, sich wieder emporzuschwingen, von dem Wert, den Gott auf unsere Seele legt, von der Liebe, die er gegen die Geschöpfe hegt, dann ist keine edle Tat, keine grosse Tugend, deren er nicht fähig ist.
Die kalte Philosophie erniedrigt; sie konzentriert alles auf einen engen Egoismus; sie raubt uns Kräfte und Mut, da die Religion uns erhebt, Stärke und heroische Tugend verleiht. Die Religion änderte die Oberfläche der Erde, polizierte die Völker, versüsste ihr Schicksal in den schrecklichsten Revolutionen und machte ihren heilsamen Einfluss überall fühlbar.
Wir leben aber vielleicht eine unglückliche Periode, wo entnervte Seelen nicht mehr fähig sind, die grossen Wahrheiten zu fühlen, um die notwendigkeit einer Sittenlehre einzusehen, die unparteiisch gegen jedes Laster zu feld zieht - einer Sittenlehre, die hohe Tugenden erfordert, die der sinnliche Mensch für unmöglich hält, dass sie in der natur des Menschen liegen können.
Die Philosophen unserer Zeit halten die Vaterlandsliebe und die Menschlichkeit als zwei sich widersprechende Tugenden, die sich nie in einem Staat vereinigt beisammen finden können. Der, sagen sie, der beide will, wird weder die eine noch die andere erhalten; es ist unmöglich, zugleich einen Menschen und Bürger zu bilden - und doch hat das Christentum dieses Wunder bewirkt. O dass uns Gott vor einem Patriotismus beschütze, der die Menschen erstickt; aber zugleich auch vor einer philosophischen Menschenliebe, die den Patriotismus unterdrückt.
Im Christentum liegt der Plan allgemeiner Menschenerziehung; dieser Plan ist so eingerichtet, dass ihn alle Menschen fassen, alle Menschen ausüben können. Dieser Plan entält alle notwendigen Wahrheiten; seine ersten gesetz sind so einfach, so wirkend, so tröstend! Glaube, Liebe, Hoffe! Welcher Inbegriff von Wahrheiten und Wirklichkeiten!
Hier ist der Grund, worauf alles gebaut werden muss, wenn es Bestand und Stärke haben soll; dieses ist der Fels, der unerschütterlich und unüberwindlich allen Zufällen trotzt. Die Religion muss zur Basis genommen werden; darauf müssen Fürsten ihre gesetz, ihre Konstitutionen gründen, darauf müssen Wissenschaften und Volksbildung, Aufklärung und Menschenerziehung ihre Grundsätze feststellen. Sie ist die einzige Grundfeste, worauf sich Staaten sicher erhalten können, denn sie führt zur Einheit, zur Harmonie, zur Vereinigung des Ganzen, woraus Stärke, Wahrheit und Weisheit entspringen. Sie bildet die Fürsten, bildet den Untertan, den Hausvater und den Bürger; sie verkettet wohltätige Neigungen mit wohltätigen Neigungen, Pflichten und Pflichten, und nähert sanft zur grossen Menschenbestimmung. Dort, wo sie herrscht, sind weder Aufrühre noch Revolutionen, können auch weder Aufrühre noch Revolutionen sein; denn ihr Geist ist der Geist der Friedfertigkeit, nicht der Geist der Empörung; denn er ist der Geist der Duldung und der Liebe.
Der Glaube allein ist's, der Bürger und Untertanen bildet; die gesetz der Religion sind der natur unseres Wesens angemessen; sie verhalten sich gleich mit unseren Schwachheiten und mit unseren Vollkommenheiten. Sie sind die Stützen des Menschen in seinem Unglück und der Zaum seiner Begierden in den zeiten des Glücks. Nur dann, wenn ihre heiligen Grundsätze tief ins Herz des Sterblichen übergehen, nimmt er Anteil an der Würde seiner natur; er vervollkommnet seine Fähigkeiten, den Mut seines Geistes und das Gefühl seiner Seele, dann betrachtet er sich als das Kind der Ewigkeit, berufen zur Unsterblichkeit und Fortdauer, und vergebens bemüht sich die eitle Lehre der Menschenphilosophie, ihn auf Abwege zu ziehen.
Es gibt keine Menschenklasse im gesellschaftlichen Leben, auf die sich nicht der heilsamste Einfluss der Offenbarung in jeder gelegenheit des Lebens entüllt; sie setzt den Reichen und Mächtigen Schranken und tröstet die Armut und das Elend wider die Ungerechtigkeiten der leidenschaftlichen Menschen und der Unfälle des Lebens. Wenn der Unschuldige leidet, der Tugendhafte verleumdet wird, so gibt der Glaube ihm Trost in der Reinheit seiner Sitten, und er sucht Zufriedenheit in seinem Herzen vor dem Zeugen der Allgegenwart des Unendlichen.
Wenn tiefe Melancholie unser Herz zur Traurigkeit beugt, so ist es die Religion, die Trost in unsere Seele flösst. Wenn der Mensch furchtsam oder gebeugt vom Unglück eine einsame Träne weint, so trocknet sie diese Träne aus dem Auge; wenn er einen Freund, einen Tröster, einen Unterstützer vermisst, so findet er in ihr Freundschaft, Trost und Unterstützung.
O Quelle unerschöpflicher Hoffnungen! Erhabener Begriff der Gotteit und der Offenbarung! Verlass doch du nie die Menschen! Du bist ihr Mut, ihre Zukunft, ihr Leben. Schütze die Menschheit vor den grundsätzen einer spröden und traurigen Philosophie, die das Herz des Menschen im Unglück ohne Trost lässt. O ihr, die ihr euch durch neue Weisheit erleuchtet haltet, schwache Menschen! die ihr Menschen Weisheit an die Stelle der göttlichen setzen wollt, ich komme nun zu euch, fordere euch auf: könnt ihr der Menschheit und dem Staat das geben, was ihnen die Religion gibt? Schmerz durchdringt meine Seele! Ein Vater, eine Mutter, die meine Stützen waren, die mich durch ihre Ratschläge führten, durch ihre Zärtlichkeit nährten, sind mir entrissen worden. Ein Sohn, eine Tochter, der Stolz und die Hoffnung meines Lebens, sanken in die Grube in der Blüte ihrer Jahre. Eine Freundin, eine Gattin, von der jedes Wort, jede Handlung, jedes Gefühl, jeder