All_Enlightenment_20.txt

der Zusammenhang lehrt, nicht die Aufklärung derer Personen, die jene Wissenschaften lehren oder lernen, sondern die Aufklärung oder Verbesserung, Vervollständigung der Wissenschaften selbst, im objektiven Sinn. - »Ihre Schrift verteidigt dasjenige, was uns zeiter für Aufklärung, besonders in der Religion, gegeben wurde.« -

Und nun, unter welche Rubrik soll ich die ganz besondere Bedeutung des Worts Aufklärung bringen, mit welcher mich der Freiherr von Knigge bekannt gemacht hat? - »Aufklärung«, sagt er, »bedeutet Richtung des Geistes auf grillenhafte, spekulative und phantastische Spielwerke, usw

XXI. Beförderung vernünftiger Erkenntnis durch Verordnungen und öffentliche Einrichtungen

Ich sage: Manche verstehen unter Aufklärung diejenigen Einrichtungen und Verfügungen des staates und seiner Diener, deren Endzweck ist, die vernünftigere Erkenntnis unter den verschiedenen Ständen der Staatsglieder zu befördern und zu verbreiten. Wenigstens glaube ich nicht, dass es Sache des Privatmannes ist, was Schlosser verlangt: »Dass in der Aufklärung das Verhältnis beobachtet werden müsse, dass kein Stand mehr als der andere aufgeklärt werde.« - Das heisst doch wohl: die Regierung soll dieses Verhältnis bei den Anstalten beobachten, die sie zur Beförderung der Aufklärung ihrer Bürger macht? - Die nämlichen Anstalten meint vermutlich auch Eberhard mit der öffentlichen Aufklärung, von deren Grenzen er am angeführten Ort redet. Und so sagt man von jedem, dass er aufkläre, der ein neues Gesangbuch in der Gemeinde bei dem öffentlichen Gottesdienst einführt oder einen andern teil der Liturgie - sollte es auch nur ein Messgewand, ein Klingelbeutel oder sonst ein Geklingel sein - nach dem Geschmack der zeiten umformt'03; der die Lehrgegenstände oder die Metoden in den öffentlichen schulen verbessert; der die Beerdigung der Toten in den Kirchen abschafft; der eine Wallfahrt, ein Amulettenkrämchen oder sonst ein Produkt des öffentlich autorisierten Aberglaubens in Abgang zu bringen sucht.

So mannigfaltig und verschieden sind die Begriffe, die man mit den Worten: aufklären, Aufklärer, Aufklärung u. dgl. verbunden hat und noch verbindet! Man schliesse daraus auf die Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit der Urteile, die über diesen Gegenstand gefällt werden.

Sollte ich den Sinn eines oder des anderen Schriftstellers bei Anführung und Erklärung seiner Worte nicht getroffen haben, so bitte ich ihn, darum nicht auf mich zu zürnen, sondern freundlich zu bedenken: erstens, dass ich ein Mensch bin, der zwar Worte lesen, aber nicht Gedanken sehen kann; zweitens, dass die Worte oft zweideutig und vieldeutig sind und mehrere der hier angeführten Bedeutungen zugleich zulassen, in welchem Fall ich sie nach den Gesetzen der hermeneutischen Wahrscheinlichkeit habe beurteilen müssen; drittens, dass ich nirgends die Absicht gehabt habe, jemandes Worte zu verdrehen oder durch falsche Stellung derselben den darin entaltenen Urteilen eine schiefe Richtung zu geben, sondern bloss erzählungsweise anzuführen, und durch diese Anführung zu beweisen, dass die angegebenen mannigfaltigen Bedeutungen des Worts Aufklärung nicht etwa bloss in meiner Einbildung, sondern wirklich in den Schriften verständiger Männer stattaben.

Denke übrigens und urteile jeder von der Aufklärung, von der Nützlichkeit oder Schädlichkeit, Beförderung oder Hinderung derselben, wie er will! Mein System ist gebaut, und ich bin ebenso wenig Willens, es darum abzuändern, weil es diesem oder jenem nicht gefällt, als irgendeinen anderen darum anzugreifen, weil dessen Meinungen nicht in mein System passen.

 Ich habe während der Ausarbeitung meinem Genius mehr als einmal Vorwürfe darüber gemacht, dass er mein Nachdenken auf einen Gegenstand geleitet hat, der schon so oft behandelt ist, dass viele Leute nichts mehr davon weder lesen noch hören wollen; ja noch dazu auf das Wort, das manche Menschen zu einem verspottenden und schimpfenden Parteinamen herabgewürdigt haben! Da indessen der Gegenstand bei alledem, was man schon darüber gesagt und geschrieben hat, doch noch nicht erschöpft zu sein scheint: da es vielleicht zur Ehrenrettung des Worts, welches in Wahrheit den angehängten Schandfleck nicht verdiente, gereichen kann, wenn man dessen wahre natur ernstaft untersucht: so habe ich es gleichwohl gewagt, den Aufsatz bekannt zu machen, und hoffe, dass er auch noch sein Publikum finden wird.

2 Indem ich dieses schreibe, lese ich in den Armale» der neuesten teologischen Literatur wie folgt: "Aufklärung ist ein Wort, das eigentlich nun ohne Kommentar kein Mensch mehr versteht, wiewohl es jedermann verstehen würde, wenn nicht der leidige Missbrauch gehässige Nebenideen an dasselbe gehängt hätte. Aufklärung also - um denn doch den Kommentar zu geben - ist eine Lehrerin, welche uns unsere Bestimmung, unsere Pflichten zeigt; eine Gehilfin, welche uns die Erzählung derselben erleichtert; eine Freundin, welche wohltätig unseren Freuden edlern Schwung und festere Dauer, unseren Hoffnungen höhere Gewissheit gibt, den Aberglauben zerstreut, der Wahrheit den Eingang in unser Herz öffnet und überhaupt uns weiser, besser, glücklicher macht.« - So weit der Kommentar. S. besagte Annalcn, Jahrg. i, 17S9, 30. Woche, S. 46S.

Jeder macht die Erklärung nach seinem Sinn und macht denn Folgerungen - aus seiner Erklärung. Fischer, im Journ. für Aufklärung, Bd. I, St. I, S. 14.

Es ist das Geschäft der, Gott gebe, wachsenden Aufklärung mit, die Wörter zu schicklichen Zeichen der Ideen durch Etymologie und Analogie zu weihen. V. Rochow, im Braunschw. Journal, Mai 1789, S. 5.

Gleich der matematischen Aufgabe, nach welcher zu drei gegebenen Proportionalgrössen die vierte gefunden werden soll. Wenn ich also das gegebene Wort mit c, die ihm