oder etwas von seiner Meinung Abweichendes urteilen. Diese nach seiner Meinung Unwissenden oder Irrenden will er nun belehren, indem er ihnen seine Meinung, sein Urteil über den Gegenstand, von dem die Frage ist, vorträgt. Diese Art der Belehrung nun wird mit dem Namen Aufklärung bezeichnet - von dem grossen teil derer, die zwischen wahrer und falscher Aufklärung einen Unterschied machen. Nehmen wir das Wort Aufklärung im passiven Sinn für Aufgeklärteit, so scheinen mir die Beiwörter: wahr und falsch, völlig leer zu sein. Ich weiss dann gar nicht, was ich bei den Worten: wahre und falsche Aufklärung, denken soll. Mein oder eines andern Urteil über diesen wirklichen oder eingebildeten Stand der Aufklärung kann wahr oder falsch sein; aber die Aufgeklärteit selbst nicht: sondern falsche Aufklärung ist, wie auch Herr von Rochow schon bemerkt hat84, ebenso sehr Contradictio in adjeeto, als lichte Finsternis. Da ich nun keinem Schriftsteller von gesundem Verstände auch nur den Schein eines solchen Fehlers beimessen will, so gehe ich ohne Zweifel sicherer, wenn ich glaube, dass diejenigen, die von falscher Aufklärung reden, das Wort im aktiven Sinn nehmen und damit irgendeine Art der Beförderung der Aufklärung meinen. Die angewandten Beförderungsmittel können wahr oder falsch genannt werden, je nachdem sie physisch gut oder nicht gut sind. Dass aber unter der Aufklärung, besonders alsdann, wenn sie falsch genannt wird, die Beförderungsmittel derselben durch Bekanntmachung seiner Meinungen verstanden seien, bestätigt unter anderen folgende Beschreibung der falschen Aufklärung in der Religion: »Nur die Aufklärung in der Religion ist falsch, welche die ehrwürdige Autorität einer positiven wohltätigen Religion bei denjenigen wankend macht, die noch auf keine andere Art von den Wahrheiten, die zu ihrer Tugend und Ruhe unentbehrlich sind, können überzeugt werden; die das belebende Feuer des Gefühls durch Spott oder kalte Zweifel in den Herzen auslöscht, ohne gewiss zu sein, es durch ein sicherer leitendes Licht in dem Verstände ersetzen zu können.« - Heisst das nicht so viel als: Derjenige braucht nicht die rechten, sondern falsche Mittel zur Beförderung der Aufklärung in der Religion, der die Autorität wankend macht und das Feuer des Gefühls auslöscht? Da nun dieses Wankendmachen und dieses Auslöschen, wie mich dünkt, auf keine andere Weise geschehen kann, als dadurch, dass der angebliche Aufklärer seine eigene individuelle Meinung bekannt macht, nach welcher er jener wohltätigen politischen Religion keine ehrwürdige Autorität zugesteht und diejenigen für belachenswert erklärt, in denen jene positive Religion ein Gefühl erzeugt, durch welches ihre Entschliessungen und Handlungen geleitet werden, usw., so ist unter der falschen Aufklärung selbst doch wohl nichts anderes zu denken, als diese Bekanntmachung seiner Meinungen, durch welche der Bekanntmacher andere Leute in ihrer Religion aufzuklären sich (nach unseres Definitors Meinung) fälschlich einbildet. - Ebenso »Zwinglis Aufklärung«" - kann nichts anderes heissen, als Zwinglis Belehrungsmetode durch Bekanntmachung seiner Meinungen. - Desgleichen: »Widersetzt sich der Regent dieser Aufklärung« - d. i. der Ausmerzung gewisser Religionsirrtümer, welche die Aufklärer durch Bekanntmachung ihrer, jenen Religionsirrtümern entgegengesetzten, Meinungen zu bewirken suchen. - Was kann das Gegengift der Aufklärung, welches Zimmermanns dem lesenden Publikum dispensiert, anders sein, als eine Gegenaufklärung gegen Mirabeaus Aufklärung, womit dieser letztere (mit Zimmermann zu reden) die preussische Monarchie bedroht? - d. 1. eine Bekanntmachung der Zimmermannschen Meinungen gegen die Meinungen, welche der Graf von Mirabeau bekannt machen wollte. - Diese Metode, das Publikum durch Bekanntmachung seiner Meinungen zu belehren, nennt Zimmermann »den wilden Strom der Aufklärung«, vermutlich, weil ihm das Wort Aufklärung noch nicht spöttisch genug klang. - Und eben das versteht von R . . ., wenn er sagt: »Es müsse eine gewisse geheime Gesellschaft kränken, dass man ihrer unseligen Aufklärung Dämme entgegensetzt.« - Auch das Königlich Preussische berühmte Religionsedikt meint durch jene sogenannten Aufklärer Leute, die durch Bekanntmachung ihrer Meinungen die Aufklärung des volkes zu befördern glauben.
XIX. Bildung des Herzens
Oder Anregung gewisser Triebe, oder was ist es sonst, das Schlosser meint, wenn er also deklamiert: »O wo? - wo ist der Engel, der herabsteigen will, das dumpfe Herz zu wecken zu seinen angebornen Empfindungen, und mit dem Feuer, das er da anzündet, aufzuklären den finstern Kopf! Hier muss die Aufklärung vom Herzen anfangen und im Herzen enden: und noch sind wenige, die nur ahnen, dass die Aufklärung bis dahin gehen müsse!« -
XX. Ausbildung der Wissenschaften
im objektiven Sinn. »Es ist noch keinem (noch keinem?) von denen, die über Aufklärung gestritten haben, eingefallen, die Aufklärung in der Religion von der Aufklärung in den übrigen Wissenschaften zu unterscheiden.« - Und anderswo: »Die Kirche erklärt, dass sie keine Belehrung verlangt und dass ihr die weitere Berichtigung und Aufklärung ihrer Religion gleichgültig ist.« - Die Worte erklären sich selbst. - »Der Trieb zur Gückseligkeit erweckt grosse Geister, welche ganze Jahrhunderte aufklären«; d. i. welche das Feld der Wissenschaften durch ihre Erfindungen und Entdeckungen dergestalt erweitern, dass die kommenden Geschlechter ganze Jahrhunderte lang genug zu tun haben, sie zu kommentieren. - »Man fängt die Aufklärung immer an der Teologie an.« - Und anderswo: »Auch an den Gerichtsstühlen« - d. i. an der Gesetzgebung und Gesetzverwaltung, - »wird überall aufgeklärt.« - Ein anderer spricht von politischer, teologischer, moralischer Aufklärung und meint, wie